Falsche Verbrauchsangaben General Motors muss Kunden entschädigen

General Motors hat bei mehreren SUV-Modellen falsche Angaben zum Spritverbrauch gemacht. Ursache ist laut Angaben der Opel-Konzernmutter ein Rechenfehler. Jetzt drohen dem Autohersteller Kompensationszahlungen.
GM-Zentrale in Detroit

GM-Zentrale in Detroit

Foto: STAN HONDA/ AFP

Mitten im Opel-Abgasskandal droht nun auch der Konzernmutter General Motors (GM) Ärger. Mehrere Medien in den USA erwarten, dass GM in den kommenden Tagen ein Kompensationsprogramm für etwa 130.000 SUV-Fahrer auflegen wird. GM hatte eingeräumt, bei den US-Modellen Chevrolet Traverse, GMC Acadia und Buick Enclave falsche Verbrauchsangaben gemacht zu haben.

Der Verkauf von rund 60.000 SUVs wurde vorerst gestoppt. Er soll erst dann wieder fortgesetzt werden, sobald die Fahrzeuge bei den Händlern mit einem Aufkleber am Fenster korrekt ausgezeichnet sind. Wie in Deutschland auch, ist es in den USA vorgeschrieben, dass bei Neuwagen die Verbrauchswerte angegeben werden. Dies sei bei ersten Modellen bereits ab dem kommenden Samstag der Fall.

In einer Erklärung gab GM bekannt, dass nur SUV-Modelle des aktuellen Modelljahrs betroffen seien. Die Falschangaben beruhen laut Konzernaussage auf einer unsauberen Berechnung: GM hatte demnach pro Gallone Sprit (3,79 Liter) ein bis zwei Meilen (1,6 bis 3,2 Kilometer) Reichweite zu viel angegeben. Aufgefallen sei der Fehler, als Ingenieure an den Verbrauchsetiketten für das Modelljahr 2017 gearbeitet hätten. GM erklärte die Falschangaben mit dem Einbau neuer Hardware für die Abgasreinigung, die neue Emissionstests erforderlich gemacht hätten. Doch die Veränderungen beim Kraftstoffverbrauch wurden nicht für die Berechnung der Effizienz-Etiketten der amerikanischen Umweltbehörde EPA berücksichtigt.

Harte Strafen für falsche Verbrauchsangaben in den USA

Die EPA hatte im vergangenen Jahr durch eigene Untersuchungen den VW-Abgasskandal ins Rollen gebracht. Man habe GM dazu aufgefordert, "alle relevanten Informationen zur Verfügung zu stellen", sagte eine EPA-Sprecherin.

Insgesamt hatte GM 170.000 SUVs mit falschen Verbrauchsangaben in den USA verkauft, davon befinden sich aber 40.000 im Besitz von Mietwagen- und Flottenbetreibern. Es ist unklar, wie GM diese Kunden ansprechen will.

In der Vergangenheit wurden in den USA immer wieder Hersteller für falsche Verbrauchsangaben zur Rechenschaft gezogen. 2014 mussten Hyundai und Kia jeweils 350 Millionen US-Dollar an Strafen an die US-Regierung zahlen, weil sie bei 1,2 Millionen Fahrzeugen den Spritverbrauch zu niedrig angegeben hatten.

Opel gerät immer tiefer in den Abgasskandal

Im selben Jahr passte Ford die Verbrauchsangaben für sechs Modelle nach oben an und entschädigte deren Besitzer für den verschwiegenen Mehrverbrauch.

Für GM platzt der Verbrauchsskandal mitten in eine Krise der Tochter Opel. In Deutschland wird das Unternehmen mit Manipulationsvorwürfen bei der Abgasreinigung konfrontiert. Erst am Mittwoch kündigte Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) an, die Technik in den Modellen Zafira und Astra erneut untersuchen zu wollen. Der SPIEGEL und das ARD-Magazin "Monitor" hatten in Zusammenarbeit mit der Deutschen Umwelthilfe (DUH) in der vergangenen Woche Recherchen vorgelegt, die auf möglicherweise illegale Abschaltvorrichtungen bei der Abgasreinigung neuester Opel-Dieselmodelle deuten. Opel hatte die Vorwürfe zurückgewiesen.

mhu/Reuters