Goodwood Festival of Speed Graf Gasfuß lässt bitten

Bei der Fußball-WM ist längst Schluss für England, doch in Sachen Motorsport hat das Land die Nase vorn: Gut zu besichtigen war das beim Festival of Speed, einer PS-Party mit hoher Drehzahl, zu welcher der Earl of March alljährlich bittet.

Tom Grünweg

Aus Goodwood berichtet


Smalltalk? An ein Gespräch ist nicht zu denken. Dauernd kreischt, brüllt, dröhnt irgendwo ein Motor. Die Hitze flirrt, es riecht nach verbranntem Gummi und ständig drängeln sich Menschentrauben um knisternde Boliden. Eine kommunikationsfeindliche Atmosphäre - und trotzdem gibt nur selig lächelnde Gesichter. Man versteht sich prima - Worte sind gar nicht nötig. Gefeiert wird das Hochamt der Rasanz: Der Earl of March lädt nach Goodwood zum "Festival of Speed", Zigtausende pilgern zu seinen Ländereien.

Drei Tage lang dreht sich auf dem Anwesen alles um Motorsport von gestern, heute und morgen. Mehrere hundert Renn- und Sportwagen, vom Mercedes Simplex aus dem Jahr 1902 bis zum Audi E-Tron, stehen bereit um beim 1,6 Kilometer langen Hill Climb rund um Goodwood House ihre Kräfte zu messen. Die Fahrer wissen, was sie dem Publikum schuldig sind. Auch wenn die Strecke, gesäumt von riesigen Strohballen, nur zwei ernsthafte Kurven aufweist, wird wo immer möglich gedriftet und mit den Reifen auf den Asphalt gemalt.

Ein Bummel durch die Boxengasse gleicht einer Zeitreise durch die Geschichte des Motorsports. Silberpfeile von Audi und Mercedes stehen neben DTM-Rennwagen, Mille-Miglia-Rennern und den Veteranen der Konkurrenzfahrt London-Brighton. Man sieht Autos, mit denen vor 60 Jahren zum ersten Mal die Carrera Panamericana gefahren wurde, flaniert zwischen Nascar-Rennern und Rallye-Fegern von heute, trifft dann auf ehemalige Le-Mans-Siegerwagen und stolpert beinahe über aktuelle Formel-1-Autos - sechs Teams sind der Einladung des Grafen gefolgt.

Der Clou des Festivals aber ist: Hier kann man die Auto nicht nur sehen, sondern auch riechen, hören, fühlen. Denn im Minutentakt jagen die Boliden über die Strecke. So prominent wie die Maschinen sind auch viele der Fahrer. Sir Stirling Moss sitzt in diesem Jahr allerdings auf dem Sofa vor einem der großen Pavillons und genießt die Raserei als Zuschauer; im Fahrerlager trifft man hingegen die créme de la créme des Motorsports. Lewis Hamilton unterhält sich mit Emerson Fittipaldi, Mika Häkkinen begrüßt Jochen Mass und weiter oben am Rallye-Parcours plaudert Ken Bloch mit Rauno Aaltonen.

Auch etwas weiter Abseits der Pisten werden PS-Preziosen geboten. Schließlich feiert Goodwood in diesem Jahr auch den 100. Geburtstag von Alfa Romeo. Unter dem Motto "Viva Veloce" werden zahlreiche Klassiker aus Italien gezeigt. Sichtlich verwirrt ob der immensen Klasse der hier ausgestellten Karossen taumeln Regisseur George Lucas, Apple-Designchef Jonathan Ive oder Queen-Schlagzeuger Roger Taylor durch die Sonderschau "Style et Luxe". Sie alle gehören der Jury an, die "das beste Auto der Show" wählen muss.

Das einende Element aller Besucher ist der Auto-Begeisterung

Zu den Stammgästen in Goodwood gehören auch Auto-Enthusiasten wie der Pink Floyd-Schlagzeuger Nick Mason oder der Gitarrist Chris Rea. Passend dazu gab es in diesem Jahr die Sonderschau "Cars & Guitars", in der 20 Autos aus berühmten Songs - von Janis Joplins' "Mercedes-Benz" bis hin zu Bruce Springsteens "Pink Cadillac" - zu sehen sind. Obendrein standen dort auch ein knappes Dutzend außergewöhnlicher Autos von Stevie Vaughn, Eric Clapton oder Billie Gibbons, dem Gründer von ZZ Top.

Auf den Wiesen links und rechts der Bergstrecke lässt sich das Publikum zum PS-Picknick nieder - akustisch begleitet von den Drehzahlorgien der Rennfahrer. Hier beginnt auch das Territorium der Autohersteller, die in weitläufigen Zelten Neuwagen präsentieren - schließlich kommen sie hier ihrer hochkarätigen Klientel besonders nahe. Und weil es bei dem Getöse eh' keine Rolle mehr spielt, jagt zur allgemeinen Erbauung auch noch die Kunstflugstaffel der Royal Air Force über die Latifundien des Grafen.

Highlife auf der Schmalspur-Rennstrecke

Diese Mischung aus Massen und Motoren, Picknick und PS, Geschwindigkeit und guter Laune kommt an: Formel-1-Weltmeister Jenson Button erklärt das Festival of Speed zum idealen Zwischenstopp vom Grand Prix in Valencia zum nächsten Rennen in Silverstone. "Dieses Wochenende ist fantastisch. Man ist ganz nah dran an den Fans, hat jede Menge Spaß und kann einfach mal ein bisschen abschalten", sagt der Profi.

Und Nico Rosberg aus dem Mercedes-Formel-1-Team erwärmt sich für das rasante Altmetall. "Jede Menge coole Autos hier," sagt er, und würde am liebsten schon wieder mit einem der Oldies den Hill Climb hinauf jagen. Selbst die an sich banale Strecke hat es den Fahrern angetan. Man fährt gegen die Uhr und der Spurt dauert kaum eine Minute. Nichts Aufregendes also - bis auf die Tatsache, dass die Piste extrem schmal ist. Ein Fahrer sagt es so: "Verglichen mit Goodwood ist der Kurs in Monaco eine Autobahn."



insgesamt 3 Beiträge
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gs-hybrid, 05.07.2010
1. accent grave vs. accent aigu
Wenn schon franz. Akzente, dann auch bitte "richtig herum". Also "crème de la crème" (accent grave) ...
frankwis 08.07.2010
2. nicht nur mit der französischen , ...
Zitat von gs-hybridWenn schon franz. Akzente, dann auch bitte "richtig herum". Also "crème de la crème" (accent grave) ...
... auch mit der deutschen Schreibe hat der gute Tom ganz offensichtlich massive Probleme, und das neben der Mehrzahlbildung einfacher Vokabeln wie "Auto" auch mit der (einfach nur ignorierten?) Interpunktion ... Fazit: Nur ein Paradebeispiel unter mittlerweile unzähligen für die Vergewaltigung unserer Muttersprache (zumindest im OnLine-Teil) der größten deutschen Regierungstrompete und selbsternannten Hüterin der deutschen Sprache ...
law1 10.07.2010
3. Oh jeh.
Nun ja, inhaltlich lässt der Artikel auch so einiges zu wünschen übrig. Bild 1 zeigt keinesfalls einen Formel-1-Rennwagen. Vielmehr handelt es sich um den Lotus-Ford 38, Jim Clarks Siegerwagen der 500 Meilen von Indianapolis aus dem Jahre 1965. Interessant an dem Photo wäre auch, dass zwar Sir Jackie Stewart den Wagen lenkt, er aber nicht seinen üblichen weissen Helm mit dem Tartan-Muster trägt, sondern in Erinnerung an Jim einen der Helme wie sie vom 2-fachen Weltmeister (gemeint ist Jim Clark) getragen wurden. Mit den Fehlern geht es munter weiter: Der Ferrari 365 GTB ist ein 365 GTB/4. Der Porsche 908 ist richtig bezeichnet ein 908.03. Der Alfa Rennwagen aus den dreissiger Jahren ist ein Alfa Romeo 159 aus dem Jahre 1951. Alles in allem viel zu viele Fehler. Traurig
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