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Testfahrt in Google Self-Driving Car Dieses Auto kommt ohne Sie aus

Zum ersten Mal hat Google sein selbstfahrendes Auto einer kleinen Gruppe von Journalisten im Detail vorgestellt. Die Fahrt zeigt, wie nah der Konzern seinem Ziel vom vollständig automatisierten Auto schon gekommen ist.

An dieser Stelle berichtet SPIEGEL-Korrespondent Thomas Schulz in einer wöchentlichen Kolumne aus dem Silicon Valley und blickt hinter die Kulissen der digitalen Revolution, die rund um die Welt Gesellschaft und Wirtschaft verändert.

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Foto: Sarah Girner

Thomas Schulz ist USA-Korrespondent des SPIEGEL, zunächst vier Jahre in New York, jetzt in San Francisco. Fulbright-Stipendiat, Forschungssemester in Harvard. Erlebte Aufstieg und Fall der New Economy bei einem Frankfurter Internet-Start-up. Seit 2001 beim SPIEGEL. Ausgezeichnet mit dem Henri-Nannen-Preis, Holtzbrinck-Preis für Wirtschaftspublizistik, Reporter des Jahres.

Google hat diese Woche zum ersten Mal sein selbstfahrendes Auto im Detail einer kleinen Gruppe von Journalisten vorgestellt. Bislang hatte der Konzern nur wenig Einblick in sein Prestigeprojekt gewährt und sich länger schon zu Fortschritten überhaupt nicht mehr geäußert. Zuletzt wurde vermehrt gerätselt, wie nahe der Konzern seinem Ziel eines vollständig automatisierten Autos inzwischen gekommen ist. Nun stellt sich heraus: erstaunlich nahe.

Google hatte sich in den ersten Jahren des Projekts auf Autobahnfahrten beschränkt. Dort ist der Verkehr weniger komplex. In den vergangenen eineinhalb Jahren haben die Ingenieure nun aber auch rund 100.000 Meilen auf Landstraßen und im Stadtverkehr zurückgelegt. "Die Fortschritte waren zuletzt enorm", sagt Chris Urmson, der Leiter von Google Self-Driving Cars.

Kein Unterschied zum menschlichen Fahrer spürbar

Eine Testfahrt durch den dichten Stadtverkehr im Silicon Valley bestätigt das. Für einen Roboter fährt das umgebaute Lexus-SUV überraschend flüssig. Das Auto beschleunigt und bremst ruckelfrei, wechselt regelmäßig die Spuren, hält an Zebrastreifen für Fußgänger, weicht Radfahrern aus, folgt geänderter Verkehrsführung an einer Baustelle. Das Überraschendste vielleicht: Der Wagen beschleunigt sehr zügig, fällt im fließenden Verkehr überhaupt nicht auf.

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Testfahrt im Google-Auto: Unterwegs mit Autopilot

Foto: © Stephen Lam / Reuters/ REUTERS

Schließt man die Augen, ist kein Unterschied zu einem menschlichen Fahrer zu spüren. Während der gesamten Fahrt von rund 45 Minuten greift der Google-Techniker, der hinter dem Steuer sitzt, nicht einmal ein. Das Auto navigiert die gesamte Strecke über Landstraßen und durch mehrere Ortschaften bis zum Ziel vollkommen selbständig.

Der Beifahrer hat per Laptop dabei stets im Blick, wie das Auto die Welt sieht: Eine Kombination aus Laser, Radar und Kamerasensoren erzeugt ein dreidimensionales Bild in alle Richtungen. Autos erscheinen als pinke Boxen, Fußgänger als gelbe. Sechs Stunden täglich fahren die Ingenieurteams mit den zwei Dutzend Testwagen durch Nordkalifornien.

Erst belächelt, dann kopiert

"Der Weg ist trotzdem noch lang", sagt Urmson. Vor der Testfahrt erklären die vier führenden Google-Ingenieure mehr als drei Stunden lang im Detail die Technologie, demonstrieren, was bereits gut funktioniert (plötzlich auftauchenden Hindernissen ausweichen) und was nicht (Fahren in Regen oder Schnee). Dmitri Dolgov, der Softwarechef des Projekts, sagt schließlich: "Im Prinzip funktioniert das System ganz einfach: Der Computer wird mit einer Riesenmenge Daten gefüttert. Heraus kommen zwei Zahlen, eine für die Geschwindigkeit und die zweite für das Lenken."

Die Google-Ingenieure bringen Maschinen bei, selbständig zu lernen, ihre Umgebung zu erfassen und zu interpretieren. Das ist eine Spezialität von Google und der Grund, warum sich der Konzern überhaupt an das Projekt getraut hat: Es geht nicht darum, ein Auto zu bauen, sondern einen intelligenten Roboter. Entwickelt wurde das Projekt deswegen auch von einem Robotikexperten: Sebastian Thrun. Er stammt aus Solingen.

Die Autoindustrie hat den Enthusiasmus von Google erst belächelt und dann immer nervöser verfolgt. Inzwischen haben fast alle führenden Autokonzerne eigene Projekte zum autonomen Fahren auf den Weg gebracht.

Wer will von Computern gefahren werden?

Mercedes-Benz etwa hat nur einige Kilometer entfernt vom Google-Hauptquartier ein neues High-Tech-Forschungszentrum eröffnet. In einem Testlabor parkt dort derzeit auch eine schwarze S-Klasse, hochgerüstet mit Kameras und Sensoren. Die Mercedes-Ingenieure sind überzeugt, dass ihre auf Serientechnik basierende Variante des autonomen Fahrens am Ende besser und vor allem wirtschaftlich sinnvoller ist. Google habe es aber geschafft, "das autonome Fahren sexy zu machen", geben die Mercedes-Leute zu.

Träume vom selbstfahrenden Auto gibt es schon seit Jahrzehnten. Aber auch angesichts zunehmender technischer Möglichkeiten schreckten die Autokonzerne lange vor dem Thema zurück: Spaß am Fahren ist ein wichtiges Verkaufsargument. Doch in vielen Regionen der Welt geht es heute eher um den Stress beim Fahren: Der Verkehr wird immer dichter, die tägliche Pendelei zum Arbeitsplatz immer nervenaufreibender. Sitzt der Computer zumindest zeitweise am Steuer, könnte das nicht nur Berufspendlern das Leben erheblich erleichtern.

Das erklärte Ziel des Google-Car-Teams sei deswegen, "das Leben der Menschen zu verbessern", sagt Urmson. Man kann sicher darüber streiten, ob dafür ausgerechnet Google das richtige Unternehmen ist. Sammelt der Konzern dabei nicht auch wieder unglaublich viele Daten ein? Aber das ist in diesem Fall nicht die entscheidende Frage. Selbst wenn Google vor allen anderen ein selbstfahrendes Auto zur Massentauglichkeit führt, wird der Konzern dabei kein Monopol haben. Bei einer Technologie, die so grundlegend und global ist, zieht zwangsweise die ganze Industrie mit.

Der Mensch ist der größte Fehlerfaktor

Entscheidend für den Erfolg der Systeme ist deswegen vor allem die Bereitschaft der Autofahrer, die Kontrolle abzugeben. Die Hemmschwelle ist groß. Die Ingenieure wissen das. Ihr schlagendes Argument ist aber gerade die Sicherheit. 90 Prozent aller Autounfälle gehen auf menschliches Fehlverhalten zurück. "Computer lassen sich nicht ablenken, werden nicht müde und haben eine weit bessere Reaktionszeit", sagt Urmson. Bislang haben die Roboter-Autos noch keinen Unfall verursacht.

Die führenden Autokonzerne sind schon lange dabei, das Fahren schrittweise zu automatisieren: Automatische Abstandshalter, Spurfahrhilfen und automatisches Einparken sind inzwischen weit verbreitet. Google glaubt aber, mit einem großen Wurf schneller zum Ziel zu kommen. Intern werde noch "intensiv debattiert", ob der beste Weg eine Kooperation mit anderen Autokonzernen oder eher ein Alleingang ist, sagt Sebastian Thrun, der Vater des Projekts.

Wann genau das selbstfahrende Auto bereit für den Massenmarkt sein könnte, will der Konzern nicht sagen. Google-Mitgründer Sergey Brin hat ursprünglich 2017 als Ziel vorgegeben. Die meisten Autokonzerne halten das für unrealistisch. Die Telekommunikationsindustrie hielt es aber auch nicht für möglich, dass ausgerechnet Apple innerhalb weniger Jahre das erste Smartphone entwickeln würde.

Urmson betont, sein persönliches Ziel sei, das Google-Auto in sechs Jahren marktreif zu haben. Dann sei sein Sohn alt genug, den Führerschein zu machen: "Teenager sind fürchterlich schlechte Autofahrer."