Selbstfahrende Autos Google und Fiat Chrysler beschließen Partnerschaft

Google wird Autos von Fiat Chrysler mit der Technik für autonomes Fahren ausstatten. Damit hat der IT-Konzern nach langer Suche einen Partner gefunden - anderen Autoherstellern erschien eine Kooperation zu heikel.
Chrysler Pacifica

Chrysler Pacifica

Foto: Paul Sancya/ AP

Der Autokonzern Fiat Chrysler (FCA) wird als erster großer Hersteller Googles Technik für selbstfahrende Fahrzeuge ausprobieren. Die Unternehmen werden zunächst gemeinsam die Google-Technik in rund 100 Hybrid-Autos auf Basis des Chrysler-Minivans Pacifica einbauen. Google wird die nötigen Sensoren und Computer integrieren, Chrysler-Ingenieure sollen die Fahrzeuge daran anpassen, teilten die beiden Unternehmen mit.

Google ist schon lange auf der Suche nach kooperationswilligen Partnern aus der Autobranche, die seine in den vergangenen sieben Jahren entwickelte Technologie für selbstfahrende Fahrzeuge nutzen könnten. Gespräche mit General Motors seien im vergangenen Jahr an Differenzen um die Datennutzung gescheitert, berichtete der Finanzdienst Bloomberg. Zum Jahreswechsel wurde über eine Kooperation mit Ford spekuliert, der Konzern kündigte jedoch stattdessen die verstärkte Entwicklung eigener Technologie an.

Während kein Partner in Sicht schien, betonten Google-Manager stets, der Internetkonzern wolle nicht selbst zum Autobauer werden, und zeigten sich zuversichtlich, dass es am Ende Kooperationen geben werde. Der Chef von Fiat Chrysler, Sergio Marchionne, hatte sich wiederholt offener als andere Bosse der Branche für Kooperationen mit Technologie-Unternehmen wie Apple und Google gezeigt. Fiat Chrysler galt deshalb schon seit einiger Zeit als ein wahrscheinlicher Google-Partner, weil der Konzern nicht so weit mit der Entwicklung eigener Technik für autonomes Fahren ist wie andere große Player. Marchionnes Argument ist, dass die klassischen Autobauer nicht ohne Kooperationen mit den Internetfirmen auskommen werden.

Deutsche Hersteller zieren sich vor Kooperationen

Andere Hersteller versuchen dagegen, die IT-Kompetenz im eigenen Haus soweit wie möglich auszubauen. Hersteller wie Mercedes, BMW oder Audi verfügen auf diesem Gebiet beispielsweise über teils weit gereifte Technologie. Einigen Branchenexperten zufolge zögern diese Autobauer vor allem aus einem Grund, mit Google zu kooperieren: Ihre Sorge sei, für zukünftige Geschäftsmodelle unverzichtbare Daten und damit die Führungsrolle an den Internetkonzern zu verlieren. Google bestreitet solche Spannungen. Zuletzt hatten Mercedes und BMW auch dem IT-Konzern Apple eine Absage erteilt. Die Hersteller lehnen es offenbar ab, für Apple das sogenannte iCar zu bauen.

Google hat seine Technik für autonomes Fahren zunächst in Eigenregie nur in bereits fertige Fahrzeuge anderer Hersteller wie Toyota eingebaut. Inzwischen ist auch eine Flotte kleiner elektrischer Zweisitzer auf der Straße, die bei Google entwickelt wurden. In Zukunft will der Konzern bei ihnen auf traditionelle Bedienelemente wie Lenkrad oder Pedale verzichten und die Steuerung allein dem Computer überlassen.

Die selbstfahrenden Pacifica-Minivans von Chrysler sollen von einem gemeinsamen Team an einem Standort im Südwesten des Bundesstaates Michigan gebaut werden, kündigten die Unternehmen an. Bevor sie auf öffentliche Straßen kommen, sollen sie noch in diesem Jahr auf Googles privatem Testgelände in Kalifornien erprobt werden. Dem "Wall Street Journal" zufolge wollen die Partner auf jeden Fall einsatzfähige Prototypen zur Automesse in Detroit im Januar fertighaben.

cst/dpa
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