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18. Juni 2018, 16:02 Uhr

London

Bürgermeister fordert Verkaufsverbot für Verbrennungsmotoren ab 2030

Die britische Regierung will ab 2040 den Verkauf von Autos mit Benzin- oder Dieselmotor verbieten. Nicht früh genug, meint Londons Bürgermeister Sadiq Khan und schlägt einen eigenen Zeitplan vor.

Das Ende des Verbrennungsmotors kommt, zumindest in Großbritannien - die Frage ist nur, wann: Die britische Regierung will den Verkauf von Autos mit Diesel- und Benzinmotoren ab 2040 verbieten. Dem Londoner Bürgermeister Sadiq Khan geht das jedoch nicht schnell genug, das Verbot solle um zehn Jahre auf 2030 vorgezogen werden, forderte Khan. Damit schloss sich der Bürgermeister anderen britischen Großstädten wie Manchester und Liverpool an.

Zusammen mit weiteren Maßnahmen werde ein früheres Verkaufsverbot die Luft und damit die Gesundheit der Briten erheblich verbessern, warb der Politiker von der oppositionellen Labour-Partei. Die konservative Regierung von Premierministerin Theresa May will in Kürze Einzelheiten ihres Plans vorlegen, mit dem der Vertrieb von Dieselautos und Benzinern ab 2040 untersagt werden soll. Unklar ist, ob das Verbot auch für Hybrid-Modelle gelten soll, in denen Verbrennungs- und Elektromotoren kombiniert werden.

Frankreich plant Verbot bis 2040

Auch andere Staaten wollen den Verkauf von Verbrennungsmotoren stoppen. So plant Frankreich ein Verbot ab spätestens 2040. In Deutschland setzen sich die Grünen für ein Zulassungsverbot für Neuwagen mit Diesel- und Benzinmotoren ab 2030 ein. Das sorgte jedoch selbst in den eigenen Reihen für Unmut, in einem heimlich gedrehten Video wetterte der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann über die geplante Regelung.

Beide Motorenarten sorgen tatsächlich für schlechte Luft in den Städten: So stoßen Dieselautos zwar vergleichsweise wenig Kohlenstoffdioxid (CO2) aus, dafür aber gesundheitsschädliche Stickoxide (NOx). Um die hohen NOx-Werte zu senken, verhängen einige Städte auch Fahrverbote: In Deutschland sperrte Hamburg als erste Großstadt zwei Straßenabschnitte für ältere Diesel, Aachen dürfte bald nachziehen.

Elektroautos als Alternative

Die europaweite Nachfrage nach Dieselautos schwächelt deshalb, Kunden kaufen verstärkt Modelle mit Benzinmotoren. Die sind zwar nicht von Fahrverboten bedroht, stoßen jedoch mehr CO2 aus und tragen so stärker zur Klimaerwärmung bei. Autos mit Elektroantrieb werden für Großstädte zu einer echten Alternative: Zwar verursacht ihre Produktion derzeit mehr Treibhausgase als die eines vergleichbaren Benziners, sie fahren allerdings lokal emissionsfrei und belasten dadurch die Luft in den Ballungsräumen nicht zusätzlich. Gleichzeitig sparen sie nach einer Untersuchung des International Council on Clean Transportation über einen Lebenszyklus von 150.000 Kilometern zwischen 28 und 72 Prozent des Treibhausgases CO2 ein.

ene/rtr

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