GTI-Treffen am Wörthersee Kärnten radikal

Autofans haben am Wochenende volles Programm: Am Nürburgring startet das 24-Stunden-Rennen und am Wörthersee feiert die GTI-Gemeinde das Kultauto und vor allem sich selbst. Der VW-Konzern schickt hochrangige Abgesandte nach Kärnten - sowie mehrere Sondermodelle für die Fangemeinde.


Ein Feiertag, dann Wochenende und voraussichtlich sonniges Wetter - in den nächsten Tagen blenden PS-Fans Wirtschaftskrise und Klimasorgen einfach aus. Denn gleich zwei benzingeschwängerte Großereignisse finden statt: Am Nürburgring dröhnen 24 Stunden lang die Rennwagen durch die Grüne Hölle, und in Kärnten kocht der Wörthersee, wenn sich in der sonst eher betulichen Gemeinde Reifnitz nun schon zum 28. Mal die GTI-Gemeinde zur größten Golf-Party des Jahres trifft.

Wo mehr als 200.000 Fans sportlichen Kompaktautos huldigen und stolze Golf-Fahrer ihre aufgebrezelten Boliden nebst passenden Blondinen präsentieren, da darf der VW-Konzern natürlich nicht fehlen. Weil die Niedersachsen um die Treue der GTI-Kundschaft wissen, rümpft niemand ob des Dunstgemisches aus Bier, Benzin und verbranntem Gummi die Nase. Betont hemdsärmlig schlendern alljährlich selbst die Top-Manager aus Wolfsburg und Ingolstadt - allen voran VW-Patriarch Ferdinand Piëch - durch die Meute und danken den Besuchern die Begeisterung mit Sondermodellen.

Ganz so wild wie in den vergangenen Jahren treiben es VW und Audi in diesem Jahr zwar nicht, doch niemand muss enttäuscht sein. Auch 2009 werden Showcars nach dem Geschmack der automobilen Sportjugend enthüllt. So hat VW den aktuellen Golf GTI und den neuen Polo in einer Edition "Wörthersee 09" aufgelegt und dabei vor allem das Design variiert. Der GTI trägt nun glutrot-schillernden Lack, der als Zierlinie auch über Felgen und Kühler läuft.

Dazu gibt es schwarz eingefärbte LED-Rückleuchten und neue Sportsitze mit integrierten Kopfstützen sowie Zierleisten aus Aluminium. Auch an der Technik haben die Werkstuner ein wenig gefeilt. Zwar bleibt es beim Zweiliter-Turbomotor mit 210 PS und einer Höchstgeschwindigkeit von 238 km/h, doch der neue Sportauspuff lässt den Golf nun lauter röhren, und das tiefergelegte Fahrwerk erlaubt höhere Kurvengeschwindigkeiten.

Ferner legt am Wörthersee auch der neue VW Polo den Sportdress an. Zunächst traben unter der Haube der Studie lediglich 86 PS - auf die GTI-Version mit rund 170 Pferdestärken muss die Fangemeinde also noch etwas warten. Doch zumindest optisch gibt der geschärfte Polo schon mal vor, wohin es gehen könnte: Fette Rallyestreifen, breite 18-Zoll-Räder, dunkle Applikationen an Frontpartie und am Heck sowie ein sportliches Innenleben - da können Nachwuchsrennfahrer schon mal den Sparvertrag unterschreiben.

Ein Showauto aus dem vergangenen Jahr hat es geschafft

Die auffälligste Neuheit des Treffens kommt allerdings von der Konzernschwester Audi aus Ingolstadt. Das Unternehmen hat für das Wörthersee-Spektakel nach Vorschlägen aus dem Internet einen Q5 getunt, der sich nun auch bei "Pimp my Ride" gut machen würde. Sechs Zentimeter weniger Bodenfreiheit, neun Zentimeter mehr Spurweite und feuerrote 21-Zoll-Felgen, ein mächtiger Heckflügel und ein glutroter Unterfahrschutz machen den SUV zum Aufschneider und könnten ihm einen Stammplatz in Rap-Videos sichern. Anders als VW begnügt sich Audi auch nicht mit optischem Tralala, sondern gönnt dem Auto auch eine Kraftspritze: Unter der Haube steckt der V6-Direkteinspritzer aus dem Modell S4, der nun 408 statt 333 PS leistet und den Wagen mit 500 Nm beschleunigt wie eine Kanonenkugel: 4,4 Sekunden von 0 auf 100 legen davon ein eindrucksvolles Zeugnis ab.

In Serie gebaut wird der SUV-Renner wohl nicht. Die meisten Autos auf den Markenbühnen am Wörthersee sollen für eine gute Show sorgen - nach dem Treffen werden sie wieder weggepackt. Es gibt aber Ausnahmen. Das beweist beispielsweise der Scirocco GT24, der beim GTI-Treffen im vergangenen Jahr als Autostar auftrat - und jetzt bereits zum ernst zu nehmenden Modell gereift ist. Denn während die einen am Wörthersee feiern, feiert der 265 PS starke Scirocco R Premiere am Nürburgring. Noch sitzen am Steuer die Rennfahrer des Werksteams, das von VW-Entwicklungsvorstand Ulrich Hackenberg angeführt wird. Doch nach dem Rennen geht der Typ in Serie - und wird damit für jedermann käuflich.



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