Günstige Einstiegsautos Mobil für wenig Geld

Auf dem Markt drängen immer mehr Kleinwagen, die weniger als 10.000 Euro kosten. Doch den Käufern geht Sicherheit vor Geiz, gefragt sind moderne Autos, die aktuelle Technik bieten, schick sind und wenig verbrauchen.


Gelsenkirchen - Der Kraftstoff ist teuer, das Geld sitzt nicht mehr so locker - da kommt schnell die Überlegung auf, ob der nächste Wagen noch den Rang eines Statussymbols haben muss. Denn wenn es nur um relativ kurze Fahrten geht, erfüllen auch die günstigen Autos ihre Aufgabe in der Regel einwandfrei. Und in Großstädten findet sich mit dem Kleinwagen ohnehin eher eine Parklücke als mit der schicken Limousine. Bei den aktuellen Einstiegsautos kommt auch die Sicherheit meist nicht zu kurz. Alles zusammen führt dazu, dass Fachleute im Bereich der günstigen Autos Wachstumspotenzial sehen.

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Unter 10.000 Euro: Von Dacia bis VW Fox

Wenn es um preiswerte Fahrzeuge geht, dann bilden 10.000 Euro eine Art Grenze. Alles was darunter liegt, gilt in der aktuellen Auto-Welt als Einstiegsmöglichkeit für wenig Geld. "Derzeit hat dieser Bereich in Deutschland einen Marktanteil von knapp vier Prozent", erläutert Marktexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Fachhochschule Gelsenkirchen. "Wir gehen davon aus, dass er sich in Richtung von sechs bis sieben Prozent entwickelt."

Bei diesen so genannten Billig-Autos handelt es sich nicht ausschließlich um Kleinwagen im eigentlichen Sinn. Zwei der billigsten Autos des deutschen Marktes gehören von ihren Abmessungen her eher in die Golfklasse.

Dacia Logan erfüllt nicht die Absatzerwartungen

So ist der Name Lada fast schon ein Synonym für geräumige Fahrzeuge mit eher geringem technischem Anspruch und überschaubarem Einstiegspreis. Allerdings spielt die Marke in den Zulassungsstatistiken kaum eine Rolle. Eine viertürige Limousine gibt es hier zum Sparpreis: "Das Modell heißt 2110 und wird ab 7990 Euro angeboten", so Monika Müller vom deutschen Lada-Importeur in Neu-Wulmstorf (Niedersachsen). Im Preis enthalten sind unter anderem elektrische Fensterheber, Colorglas und 60 kW/81 PS.

Noch weniger Geld muss für das Auto ausgegeben werden, das den Begriff Billig-Auto überhaupt erst prägte: Der ebenfalls viertürige Dacia Logan im klassischen Limousinen-Format kostet laut Renault Nissan Deutschland ab 7200 Euro. Der Verkauf erfüllt nach Angaben des Unternehmens in Brühl bei Köln aber nicht die Erwartungen.

Ohnehin ist die Formel "viel Blech für wenig Geld" nach Ansicht von Ferdinand Dudenhöffer nicht zukunftsträchtig. "Lada und Dacia Logan werden Exoten bleiben. Gerade in Deutschland werden sich keine Fahrzeuge durchsetzen, die nicht dem Stand der Technik entsprechen." Was prinzipiell für beide Modelle gilt. "Gefragt werden vielmehr moderne Kleinwagen, die aktuelle Sicherheitstechnik bieten, schick sind und auch einen geringen Verbrauch haben."

Derzeit wohl am besten setzt Volkswagen diese Punkte mit dem Fox um. "Das Auto wurde auf Anhieb zum erfolgreichsten Kleinwagen in Deutschland", sagt Christian Buhlmann von Volkswagen in Wolfsburg. Die Preise für den VW beginnen bei 9075 Euro, zwei Airbags und ABS gehören zur Ausstattung. "Häufig werden außerdem ein Radio und auch eine Klimaanlage mitbestellt." Bei den Motoren üben die Käufer dagegen gerne Verzicht. Laut Buhlmann belassen es 55 Prozent bei dem Basismotor mit 40 kW/55 PS.

Ka Student macht blau

Erfolg hat bekanntlich Nachahmer - so haben auch andere Hersteller bereits im Programm befindliche Kleinwagen in die Kategorie der Autos unter 10.000 Euro gedrückt. Bei Opel sind gleich zwei zu finden: "Den Corsa und den Agila gibt es jeweils zu Preisen ab 9995 Euro", sagt Opel-Sprecherin Gaby Jonethal in Rüsselsheim. Gerade der Corsa musste aber Federn lassen, bis dieser Preis in die Listen gedruckt werden konnte. Er wurde, wie es in der Fachsprache heißt, "decontented". Das heißt, Details wie höhenverstellbare Sitze oder Seitenleisten gibt es beim Basismodell nur gegen Aufpreis.

Das Gegenstück bei Ford in Köln heißt Ka Student und ist schon für 7990 Euro zu bekommen. Nach Firmenangaben gibt es ihn zu diesem Preis aber nur mit blauem Lack und blauer Ausstattung, alles andere kostet extra. Die Kundschaft scheint sich nicht daran zu stören - der Student hat einen Anteil von 20 Prozent an den Ka-Verkäufen.

Viele der günstigen Kleinwagen sind bei den Importeuren zu finden. Dazu gehört auch das Ergebnis einer Zusammenarbeit von Citroën, Toyota, und Peugeot: Das Auto wird von den Dreien mit jeweils leicht abgeänderter Optik verkauft, heißt Toyota Aygo, Peugeot 107 oder Citroën C1. Peugeot zählte laut Sprecher Gordian Heindrichs in Saarbrücken für das 8890 Euro teure Auto bis Ende Oktober 5600 Bestellungen - hatte aber nur 5000 Autos im Jahr 2005 zur Verfügung.

Auch die anderen Anbieter der günstigen Autos sprechen von ordentlicher Nachfrage. Und Auswahl gibt es mittlerweile genug: Ein Kia Picanto kostet 8700 Euro, Fiat bietet den Seicento für 7850 Euro und den Panda ab 8590 Euro an, bei den Renault-Händlern stehen Twingo und Clio Campus für jeweils 8950 Euro, nur 7995 Euro sind für den Daihatsu Cuore zu zahlen und der Chevrolet Matiz ist für 7990 Euro zu bekommen. Ein Beispiel dafür, dass nicht immer die Kleinsten die Billigsten sind, ist der Smart. Für das Mini-Mobil müssen mindestens 9160 Euro angelegt werden.

Von Heiko Haupt, gms



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