Günstige Reparaturmethoden Die Sparschraube anziehen

Weil Autofahren immer teurer wird, sparen Pkw-Besitzer auch bei Reparaturen. Manche Autohäuser kommen ihren Kunden mit besonders preiswerten Methoden entgegen. Bei VW ist das wörtlich zu verstehen: Mit dem "Clever-Repair"-Mobil gelangt die Werkstatt zum Kunden.


Angesichts steigender Kosten greifen immer mehr Autofahrer selbst zu Radkreuz, Ringschlüssel und Ölkanne: 54 Prozent aller Fahrzeugbesitzer, so hat eine Studie von TNS-Infratest ergeben, meiden bei kleineren Reparaturen und Wartungsarbeiten die Werkstatt und nehmen die Pflege und den Erhalt ihres Fahrzeugs selbst in die Hand. Jeder Dritte traut sich sogar an schwierigere Aufgaben, und jeder Zehnte erledige an seinem Auto nahezu alle Reparaturen und Instandhaltungsarbeiten selbst.

Damit ihnen nicht noch mehr Kunden verloren gehen, werben die Automobilhersteller und ihre Werkstätten immer häufiger mit preiswerten Reparaturmethoden. Vor allem bei kosmetischen Retuschen am Lack, kleinen Dellen in der Karosserie, Steinschlag in den Scheiben oder Gebrauchsspuren im Innenraum setzten sie auf "zeitwertgerechte Techniken", die nicht immer gleich den teuren Austausch der beschädigten Bauteile erfordern. Risse, Löcher oder Schrammen in Kunststoffspoilern oder Stoßfängern werden mit einer neuen Klebetechnik verschlossen, kleine Lackschäden in Randzonen und Kantenbereichen punktuell ausgebessert, Dellen bis zur Größe eines Zwei-Euro-Stücks werden nicht mehr gespachtelt und lackiert, sondern mit sanftem Druck ausgebeult, Schäden in den Scheiben mit einem Spezialharz verschlossen und Löcher in Sitzen oder Kunststoffkonsolen so geflickt, dass man den Schaden kaum mehr sieht.

"Mit diesen alternativen Methoden können viele kleine Schäden an der Oberfläche nahezu vollständig behoben werden", erläutert Audi-Sprecher Udo Rügheimer. "Es sind keine Ersatzteile nötig, und der Kunde spart im Vergleich zu den üblichen Methoden bis zu 80 Prozent der Reparaturkosten", verspricht Audi und macht auch Autofahrern mit angenagten Felgen Hoffnung. Wer seine Räder gelegentlich am Bordstein schaben lässt, kann die Felgen bei den Bayern ab dem Ende des Jahres professionell aufbereiten lassen und damit in vielen Fällen die teure Ersatzbeschaffung vermeiden – "allerdings nur dann, wenn die Schäden ausschließlich kosmetischer Natur sind und die Sicherheit nicht beeinträchtigt ist", schränkt Rügheimer ein.

Oft übernimmt die Versicherung die Reparaturkosten

Häufig völlig umsonst ist die Reparatur der Scheibe, die in Deutschland von Unternehmen wie "Carglass" populär gemacht wurde. Die bieten mittlerweile auch viele Markenwerkstätten an und rechnen die Beseitigung dieses sicherheitsrelevanten Mangels direkt mit der Kasko-Versicherung ab, ohne dass dafür der Selbstbehalt eingefordert wird. "Doch auch ohne Versicherung zahlt der Kunde dafür nur gut 100 Euro", sagt Mercedes-Sprecherin Verena Birkendahl. Für eine neue Frontscheibe dagegen rufen die Schwaben je nach Modell inklusive Montage beinahe das Zehnfache auf.

Selbst wenn es mit Schönheitsreparaturen nicht mehr getan ist, helfen viele Werkstätten beim Sparen: Immer häufiger bieten sie statt fabrikneuer Ersatzteile auch Komponenten an, die schon einmal im Einsatz waren und deshalb deutlich billiger sind. So gibt es bei Mercedes neben den Original-Teilen auch die Original-Tauschteile, die vom Hersteller aufbereitet und überholt wurden. Ihr Preis liegt zwischen 20 und 50 Prozent unter einem Neuteil, ohne dass es für den Kunden einen Nachteil gibt: "Die Sicherheit in Funktion, Lebensdauer und Leistung der Tauschteile wird durch die gleiche Sachmängelhaftung wie bei Neuteilen gewährleistet", verspricht Birkendahl und stellt zwei Jahre Garantie in Aussicht.

Recycling von Bauteilen aus Unfall- oder Altfahrzeugen

Noch günstiger seien Gebrauchtteile, die aus der Demontage von Unfall-, Mängel- oder Altfahrzeugen stammen und vor dem erneuten Einsatz geprüft und als voll funktionsfähig befunden wurden. Sie kosten nur die Hälfte, haben aber im privaten Einsatz nur zwölf und im gewerblichen Einsatz lediglich sechs Monate Garantie. Eine wachsende Nachfrage nach gebrauchten Teilen registriert man auch beim Zulieferer Bosch in Stuttgart, der nach einem Bericht im "Handelsblatt" künftig verstärkt alte Geräte wie Generatoren oder Kraftstoff- und Wasserpumpen aufarbeiten und damit Material- und Energiekosten sparen möchte. Die Kunden sollen mit Preisvorteilen etwa 30 Prozent daran profitieren.

Egal ob mit preiswerten oder konventionellen Methoden: Reparaturen kosten nicht nur Geld, sondern auch Zeit. Weil die meist ebenso knapp ist, kommen die Werkstätten ihren Kunden manchmal buchstäblich entgegen. So erledigen die Mercedes-Mechaniker etwa Hagel- oder Kunststoffreparaturen beim Kunden auf dem Parkplatz. Und VW hat vor wenigen Wochen auf der Automechanika in Frankfurt das erste "Clever Repair"-Mobil vorgestellt. Der rollende Schönheitssalon für die kleinen Schäden des automobilen Alltags hat alles an Bord, was die Techniker zur Aufbereitung benötigen. So werden Kratzer oder Beulen vor dem Büro oder in der Tiefgarage ausgebügelt, ohne dass der Kunde dafür seinen Arbeitstag unterbrechen und in die Werkstatt kommen müsste. Ganz offensichtlich ist die Nachfrage nach solchen Lösungen groß: Bis zum Jahresende sollen mindestens 30 Clever-Repair-Mobile im Einsatz sein.



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