Haakon am Steuer Ein Prinz im Autorausch

Während seines Deutschland-Besuchs ließ sich Norwegens Kronprinz Haakon nicht nur chauffieren, er setzte sich auch selbst hinters Lenkrad. In München fuhr er einen BMW Z8.

Von Jürgen Pander


BMW-Teststrecke in Ismanning: Prinz Haakon steuert einen Z8
DPA

BMW-Teststrecke in Ismanning: Prinz Haakon steuert einen Z8

Die weiß-blaue Marke hatte den Prinzen ins firmeneigene Messegelände in Aschheim bei München geladen, wo der Nobelroadster Z8 zu königlichen Testfahrten bereitstand. Er sei "sehr beeindruckt" von dem Fahrerlebnis, erklärte Haakon nach einigen Runden und zauberte so ein Lächeln in die Gesichter der BMW-Verantwortlichen.

Die gaben die Höflichkeit sogleich zurück. "In all unseren BMW-Modellen steckt ein Stück Norwegen", sagte Vorstandsmitglied Michael Ganal und spielte damit auf den Zulieferer Norsk Hydro an. Die norwegische Firma liefert Leichtmetallteile für jedes bei BMW gebaute Auto; im vergangenen Jahr kauften die Bayern für rund 54 Millionen Euro bei den skandinavischen Aluminium-Spezialisten ein.

In Hamburg ließ Prinz Haakon sich ein Auto vorführen, in dem nicht nur norwegische Bauteile steckten, sondern das komplett in Norwegen gefertigt wird: Das Ford-Elektromobil Think City. Das kleine, 2,99 Meter lange Stadtwägelchen ist das erste Auto überhaupt, das in Norwegen produziert wird. In einer Fabrik in Aurskog, die vor drei Jahren von Haakons Vater, König Harald V., eingeweiht wurde.

Während eines Interviews erlitt Prinz Haakon einen starken Sonnenbrand
REUTERS

Während eines Interviews erlitt Prinz Haakon einen starken Sonnenbrand

Der Think City steht, verglichen mit dem BMW Z8, am andere Ende der Mobilitätsschiene: Zwar bieten beide Fahrzeuge nur zwei Plätze, doch der kleine Ford braucht kein Benzin, produziert keinen Lärm und keine Abgase. Als Antrieb kommt ein flüssigkeitsgekühlter Drehstrommotor mit 36 PS (27 kW) Leistung zum Einsatz, der den 950 Kilogramm schweren Wagen auf bis zu 90 km/h beschleunigt.

An der Ampel kommt der Kleine flott in die Gänge: Von 0 auf Tempo 50 geht es binnen 7 Sekunden. Die Energie liefern 19 wassergekühlte Nickel-Cadmium-Batterien, die an jeder Steckdose aufgeladen werden können. Bei völlig entleerten Batterien dauert der Vorgang 8 Stunden; mit vollen Stromspeichern beträgt die Reichweite des Think City 85 Kilometer.

Der Vertrieb des umweltfreundlichen Stadtfahrzeuges - die Kunststoff-Karosserie ist unempfindlich gegen kleinere Rempler und kann vollständig recycelt werden - steckt allerdings noch in den Anfängen. Angeboten wird das Auto bislang in Norwegen, Großbritannien, Dänemark und den Niederlanden. Die Markteinführung in Deutschland ist in Planung, frühestens im Herbst 2003 könnte es soweit sein.

In Norwegen wird der Wagen für umgerechnet 22.000 Euro verkauft. Das ist horrend teuer, obwohl der norwegische Staat in diesem Fall sogar auf die Mehrwertsteuer verzichtet. Ford weiß das, und hat deshalb spezielle Leasing- und Leihmodelle entwickelt, um das saubere Fahren in der Stadt finanziell attraktiver zu machen. Vielleicht kann sich also auch Otto Normalverbraucher bald fühlen wie ein Prinz am Steuer.



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