Zugriff übers Internet Hacker sollen Auto ferngesteuert haben

Die Digitalisierung von Autos hat eine Kehrseite: Zwei US-amerikanischen Tüftlern ist es offenbar gelungen, erstmals ein Auto in voller Fahrt zu hacken. Aus einem Wohnzimmer heraus übernahmen sie die Kontrolle - nur per Internet.
Jeep Cherokee: Hacker-Duo verschafft sich Kontrolle übers Steuer

Jeep Cherokee: Hacker-Duo verschafft sich Kontrolle übers Steuer

Foto: Jeep

Was viele Autofahrer fürchten, ist jetzt wahr geworden. Zwei US-amerikanische Tüftler haben ein Auto in voller Fahrt gehackt. Aus einem Wohnzimmer, meilenweit vom Auto entfernt, über das Internet. Auch die Autofirmen müssen Angst davor gehabt haben, aber nicht genug, oder aber so viel, dass sie lieber nicht genau hingucken wollten. Das Problem sind die vielen, wundervollen Kommunikationsmöglichkeiten moderner Autos - ein riesiges Einfallstor.

Wie das Tech-Magazin Wired berichtet , haben die beiden Hacker Charlie Miller und Chris Varasek per Laptop die Kontrolle über einen Jeep Cherokee übernommen, in dem Redakteur Andy Greenberg auf dem Highway unterwegs war.

Das Experiment begann harmlos: Miller und Varasek stellten den Lüfter an, schickten ein Bild von sich auf den Multimedia-Bildschirm des Autos, drehten die Musik laut. Greenberg war machtlos, sein verzweifeltes Drehen am Lautstärkeregler blieb ohne Wirkung. Dann wurde es ernst.

Ohne, dass es für den Fahrer eine Vorwarnung gegeben hätte, stoppten die beiden Hacker den Motor des Jeeps. Mitten auf dem voll befahrenen Highway ohne Seitenstreifen kam der Wagen zum Stehen. Später, auf einem Parkplatz, zeigte das Duo dann zudem, wie es das Auto per Tastenklick lenken und die Bremsen deaktivieren konnte.

Der erste Auto-Hack aus der Ferne

Hacker warnen schon lange vor den Gefahren, die sich durch die zunehmende Digitalisierung der Fahrzeuge auftun. Die Autoindustrie nehme diese Warnungen bislang nicht ernst genug, klagen sie. In der Tat wirkt es so, als wiegelten die Hersteller eher ab, als das Problem offensiv anzugehen und branchenfremde Experten zu Rate zu ziehen. Erst Anfangs des Jahres war bekannt geworden, dass sich BMW-Fahrzeuge über das ConnectedDrive-System relativ leicht öffnen lassen.

Eingriffe in die wichtigen Systeme des Autos galten dabei bislang als unmöglich, zumindest aus der Ferne. Für derlei Hacks müsse man die sogenannte Diagnoseschnittstelle anzapfen, die sonst von Werkstätten zur Fehleranalyse benutzt wird, hieß es von Seiten der Hersteller. Nun haben Miller und Varasek bewiesen, dass das nicht stimmt.

Sie machten sich ein System zunutze, das Chrysler bei seinen Fahrzeugen anbietet und auf den Namen Uconnect hört. Es ermöglicht die Internetanbindung Tausender Chrysler-Fahrzeuge und kontrolliert die Entertainment- und Navigationsfunktionen, ermöglicht Anrufe und bietet sogar einen WLAN-Hotspot an. Über dieses System drangen die beiden in die Steuerung des Autos vor und übernahmen die Kontrolle.

Hersteller Fiat Chrysler (FCA) gab Entwarnung für Kunden in Europa: Die hier verkauften Autos verfügten demnach nicht über den Baustein zur Internetverbindung. Hiesige Kunden seien daher nicht betroffen.

Das betroffene Mobilfunk-Modul zum Internetzugang sei hier nicht verbaut. "Der Zugang geschah über eine GSM-Schnittstelle im Fahrzeug, die es nur bei Autos auf dem amerikanischen Markt gibt", sagte ein FCA-Sprecher. "Für Kunden in Europa ist das also kein Thema."

Es ist nicht Millers und Varaseks erster Auto-Hack: Schon mehrfach hatten sie die Kontrolle über Fahrzeuge per Laptop übernommen, bislang allerdings stets von der Rückbank aus. Ihre Ergebnisse wollen die beiden auf der Hacker-Konferenz Black Hat veröffentlichen.

Chrysler hat inzwischen ein Software-Update programmiert , das über einen USB-Stick ins Auto-System gespielt werden kann und die Sicherheitslücke schließt.

mhe/dpa
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