Härtetest für den Mini E 25.000 Meilen unter Strom

Als einer der Ersten erhielt Tom Moloughney vor acht Monaten einen Mini mit Elektroantrieb. Seitdem spulte der Restaurantbesitzer mit dem Auto 25.000 Meilen ab - so viel wie noch kein anderer Alltagstester. SPIEGEL ONLINE erzählte er von seinen Erlebnissen.

Aus New Jersey berichtet


Das mit dem Mini war eigentlich Zufall. Als Tom Moloughney vor gut einem Jahr zum ersten Mal nach dem Elektroauto Chevrolet Volt googelte, landete er auf der Seite von BMW. Der Autohersteller suchte per Annonce im Web 450 US-Testfahrer für sein Elektroauto Mini E. Ein Jahr lang sollten Privatpersonen den Stromer ausprobieren. "Große Chancen habe ich mir nicht ausgerechnet, denn es gab schon damals 20.000 Bewerber", sagt Moloughney, ein Restaurantbesitzer aus dem US-Staat New Jersey. Doch ein paar Wochen nach seiner Online-Bewerbung klingelte das Telefon - und der Anrufer wollte tatsächlich einen Übergabetermin für den Mini E vereinbaren.

Seitdem stromert der Enddreißiger durch das Städtchen Montclair und nichts an seinem Mobilitätsverhalten ist mehr, wie es war. Seine Mercedes M-Klasse, hat er mittlerweile verkauft, sein Porsche Boxster steht sich die Reifen platt, und sein Toyota Tundra, kommt nur noch auf Urlaubsreisen zum Einsatz. Moloughney fahrt fast immer mit dem Mini E - und so steht dessen Meilenzähler bereits bei 25.000. Das entspricht 40.000 Kilometern. "Nach meinen Recherchen gibt es niemanden in Amerika und wahrscheinlich auch sonst nirgends auf der Welt, der bereits eine so lange Strecke mit einem Elektroauto gefahren ist", sagt Moloughney. "Vielleicht sollte ich mal beim Guinness-Buch anklopfen."

Dabei ist Moloughney für ein Elektroauto alles andere als eine Idealbesetzung. Denn während der durchschnittliche US-Bürger weniger als 60 Meilen pro Tag fährt und daher mit der limitierten Reichweite der Akku-Autos kein Problem bekommen sollte, liegen zwischen Wohnsitz und Restaurant Moloughneys bereits 40 Meilen. "Mehr als Hin- und Rückfahrt waren anfangs nicht drin", erinnert sich der E-Auto-Pionier. Selbst diese Distanz schaffte der Wagen manchmal nur ganz knapp. "Ich bin zwar nie liegen geblieben. Aber der Batteriezeiger kippte schon mehrmals in den roten Bereich."

Mittlerweile macht ihn so etwas nicht mehr nervös. Denn inzwischen kennt er seinen Mini E genau. "Selbst wenn die Reichweitenanzeige abgelaufen ist, sind immer noch 10 bis 15 Meilen im Akku", so seine Erfahrung. Während BMW gut 100 Meilen (160 Kilometer) Reichweite verspricht, hat Moloughney sogar schon 128 Meilen mit einer Akkuladung geschafft.

Mit dem Auto kam auch die Infrastruktur. Erst installierte BMW eine Ladebuchse in Moloughneys heimischer Garage, dann eine weitere Ladestation an seinem Restaurant "Nauna's Bella Casa". Das Reichweitenproblem gibt es nun nicht mehr, und außerdem ist die Gaststätte jetzt Treffpunkt für ein paar Dutzend Mini-Elektrotester aus der Gegend, die sich hier einmal im Monat zum Stammtisch versammeln.

Einkäufe müssen auf dem Beifahrersitz gestapelt werden

"Wenn ich im Restaurant ankomme, stöpsele ich das Auto ein, und nach zwei Stunden ist der Akku wieder voll", sagt Moloughney. Das tägliche Pensum seines Mini E mit der Seriennummer 250 ist stramm. " Eigentlich bin ich ständig unterwegs. Zur Bank, zum Einkaufen, zum Ausliefern", sagt der Gastronom, der den kleinen Dienstwagen oft bis unters Dach vollpackt mit Dosentomaten, Prosciutto oder Pasta. Das ist wörtlich zu verstehen, denn der Kofferraum ist viel zu klein. Und dort, wo sonst die Rückbank ist, sitzt die Batterie.

Auf den ersten Blick ist das elektrische Abenteuer für Moloughney ein teures Vergnügen. "800 Dollar Gebühr pro Monat verlangt Mini für das Auto, einen konventionellen Kleinwagen gibt es für nicht einmal ein Drittel der Summe", sagt er. Doch er spart an anderer Stelle. Strom ist billiger als Sprit; und weil der Mini geleast ist, zahlt die meisten Rechnungen der Hersteller, sogar einen Satz Winterreifen habe er kostenlos bekommen. "Zum Ölwechsel muss das Auto auch nie mehr", lobt der E-Auto-Tester. Weil unterm Strich die Rechnung für Moloughney aufgeht, bewarb er sich bereits für die Verlängerung der Testphase um ein weiteres Jahr - bei der BMW dann nur noch 600 Dollar pro Monat berechnet.

Wenn es kalt wird, schrumpft die Akku-Kapazität deutlich

Seit wenigen Tagen wird der Mini mit Solarstrom gespeist, den Moloughney auf dem Dach seines Hauses erzeugt. Auch mit dem Fahrverhalten des Elektro-Kleinwagens, ist der Testfahrer ganz zufrieden. "Ich habe schon oft am Tempolimit von 95 Meilen pro Stunde gekratzt", berichtet er stolz und schwärmt vom knackigen Go-Kart-Fahrgefühl. Selbst bei Eis und Schnee habe es mit dem Auto keine Probleme gegeben. Allerdings verfüge die Batterie bei Kälte über deutlich weniger Kapazität, kritisiert Moloughney. Und insgesamt sei ihm der Wagen auch etwas zu klein - es fehle einfach an Laderaum.

Insgesamt ist Moloughney aber überzeugt von der Technik und von der Elektromobilität im Allgemeinen. Akribisch protokolliert er jede elektrisch gefahrene Meile und dokumentiert sein mobiles Leben mit dem Mini E in einem eigenen Blog, den er mehrmals pro Woche aktualisiert. Das Verhältnis zu seinem Stamm-Tankwart hat sich leider deutlich abgekühlt. Was sonst noch zu sagen wäre, kommuniziert Moloughney per Nummernschild. Es trägt die Aufschrift "E-F-OPEC" trägt. "Das E steht für Electricity, was OPEC bedeutet weiß jeder - und das F kann man sich denken."



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rba 13.04.2010
1. ...
"Seit wenigen Tagen ist die Solarstromanlage auf dem Hausdach des Mini-E-Testers in Betrieb. An der heimischen Steckdose wird der Akku daher mit aus Sonnenlicht gewonnenem Strom geladen - das Auto fährt dann komplett CO2-neutral." ... und die Solarstromanlage ist auch ganz CO2-neutral vom Himmel gefallen? CO2-neutral fährt das Auto erst dann, wenn die CO2-Einsparung des Autos den CO2-Ausstoß bei der Herstellung von Panals und Auto aufgewogen hat.
albert schulz 13.04.2010
2. mache ich sofort auch
Wie gewohnt Faktum auf Faktum, man weiß sich gar nicht mehr zu lassen vor lauter fundierter Informationen. Aber noch was zum Spaßfaktor. 800 Dollar pro Monat klingt eher nach Maserati. Oder ist es eines der Fakten, die unter unbeschreiblichen Mühen in den übersseeischen Kolonien gewonnen werden konnten und nicht so ganz belastbar sind ?
dale_gribble 13.04.2010
3. Bitte geben Sie einen Titel für den Beitrag an!
Zitat von albert schulzWie gewohnt Faktum auf Faktum, man weiß sich gar nicht mehr zu lassen vor lauter fundierter Informationen. Aber noch was zum Spaßfaktor. 800 Dollar pro Monat klingt eher nach Maserati. Oder ist es eines der Fakten, die unter unbeschreiblichen Mühen in den übersseeischen Kolonien gewonnen werden konnten und nicht so ganz belastbar sind ?
Fuer $800 kann ich mir fuer ein Wochenende einen GT3 oder einen klassischen Tourenwagen mieten. Das Ganze einmal im Monat waere fuer mich schon interessanter als mit einem stinknormalen Mini 'rumzugurken. Ehrlich gesagt.
albert schulz 13.04.2010
4. Hackt es ? Und was meint der Arzt ?
Nochmal ganz langsam. Es werden "Testfahrer" für ein kleines Auto gesucht, die dafür exorbitante 800 $ pro Monat berappen müssen, und es melden sich 20.00 Leute. Selig sind die im Geiste Armen, denn ihrer ist das Himmelreich. Daß Strom in Amerika billiger ist als Benzin dürfte man bestenfalls ein paar Analphabeten im Mittleren Westen glaubhaft machen können, sofern sie nicht ans Stromnetz angeschlossen sind. Wieder mal aus einem BMW - Märchenbuch zitiert ? Man kann nur hoffen, daß der Spiegel für dieses schwülstige Elaborat ordentlich kassiert hat.
albert schulz 13.04.2010
5. Hackt es ? Und was meint der Arzt ?
Nochmal ganz langsam. Es werden "Testfahrer" für ein kleines Auto gesucht, die dafür exorbitante 800 $ pro Monat berappen müssen, und es melden sich 20.00 Leute. Selig sind die im Geiste Armen, denn ihrer ist das Himmelreich. Daß Strom in Amerika billiger ist als Benzin dürfte man bestenfalls ein paar Analphabeten im Mittleren Westen glaubhaft machen können, sofern sie nicht ans Stromnetz angeschlossen sind. Wieder mal aus einem BMW - Märchenbuch zitiert ? Man kann nur hoffen, daß der Spiegel für dieses schwülstige Elaborat ordentlich kassiert hat.
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