Kosten für Autofahrer So wirkt sich die neue CO2-Messung auf die Kfz-Steuer aus

Ab diesem Jahr wird der Schadstoffausstoß von Autos neu berechnet. Viele Autofahrer müssen in der Folge mit einem höheren Kfz-Steuerbetrag rechnen. Der Überblick.
Neuwagen auf einem Schifftransporter

Neuwagen auf einem Schifftransporter

Foto: A3250 Oliver Berg/ dpa

Wolfgang Schäuble (CDU) reibt sich die Hände: Der Finanzminister rechnet zwischen 2018 und 2022 mit Mehreinnahmen bei der Kfz-Steuer von 1,1 Milliarden Euro. Das geht aus einem Gesetzentwurf hervor, über den zuerst das "Handelsblatt" berichtete und der SPIEGEL ONLINE vorliegt. Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hat diese Pläne gegenüber dem Bayerischen Rundfunk bestätigt. Die Prognosen hängen demnach mit der Einführung eines neuen Messverfahrens für die Kohlendioxid (CO2)-Emission von Pkw zusammen.

Müssen also bald alle Autobesitzer tiefer in die Tasche greifen? Die Hintergründe im Überblick.


Welche Rolle spielt der CO2-Ausstoß eines Autos bei der Kfz-Steuer?

Die Höhe der CO2-Emission ist einer von drei Faktoren zur Berechnung der Kfz-Steuer - neben der Größe des Hubraums sowie der Antriebsart (Benzin-, Diesel- oder Elektromotor). Je nach Zulassungsdatum eines Pkw gibt es eine Freigrenze für den CO2-Wert, der in Gramm pro Kilometer angegeben wird. Jedes weitere Gramm über der steuerfreien Grenze kostet zwei Euro.

  • Für Pkw mit Erstzulassung bis 31. Dezember 2011 sind 120 g/km steuerfrei.
  • Bei Erstzulassungen ab dem 1. Januar 2012 sind es 110 g/km.
  • Bei Erstzulassung ab 1. Januar 2014 sind es 95 g/km.

Beispiel: Ein VW Golf VII TSI Blue Motion hat laut offiziellen Angaben einen CO2-Wert von 99 g/km, macht also einen Aufschlag von acht Euro. Insgesamt beträgt die Höhe der Kfz-Steuer laut Rechenprogramm des Finanzministeriums  28 Euro.

Anderes Beispiel: Der Bentley Bentayga bläst nach Herstellerangaben 296 Gramm CO2 pro Kilometer in die Luft - macht also 402 Euro Anteil am Steuerbetrag (der laut Finanzministerium bei insgesamt 522 Euro liegt).

Der CO2-Wert wird derzeit im sogenannten NEFZ-Verfahren ermittelt - aber nicht mehr lange.


Was ändert sich beim Messverfahren?

Ab September 2017 wird der NEFZ ersetzt durch den WLTP (Worldwide Harmonized Light-Duty Vehicles Test Procedure). Dieser soll dafür sorgen, dass die CO2-Werte realistischer ausfallen.

Das NEFZ-Verfahren (Neuer Europäischer Fahrzyklus) hat den Nachteil, dass er den Autoherstellern viele Schlupflöcher bietet. Sie können die Testfahrzeuge auf den Prüfzyklus optimieren. Die Folge sind CO2-Werte, die teils 40 Prozent unter den auf der Straße gemessenen Emissionenswerten liegen. Der Kohlenstoffdioxid-Ausstoß hängt direkt mit dem Spritverbauch zusammen, für Verbraucher sollen also verlässlichere Werte entstehen.


Heißt das, dass sich bei allen Pkw die Emissionswerte erhöhen - und damit auch die Kfz-Steuerbeträge?

Nein. Nach Ansicht von Experten können die CO2-Werte bei einigen Modellen sogar sinken - und zwar insbesondere bei großen und leistungsstarken Autos. Bei kleinen Pkw, die auf Sparsamkeit getrimmt sind, wird dagegen ein erhöhter Messwert erwartet.

Der Motorexperte Stefan Carstens, Gründer eines auf Abgassensorik spezialisierten Unternehmens, führt das auf die unterschiedlichen Fahrprofile bei NEFZ und WLTP zurück: "Beim WLTP werden die Pkw unter anderem schneller beschleunigen und eine höhere Maximalgeschwindigkeit erreichen. Außerdem ist die auf dem Rollprüfstand zurückgelegte Strecke weiter."

Das hat laut Carstens zur Folge, dass Autos mit wenig Leistung länger unter Volllast fahren und dadurch mehr Sprit verbrauchen. "Ein durchschnittliches Fahrzeug der Polo- oder Golf-Größe hat im NEFZ eine mittlere Antriebsleistung von vier kW benötigt. Im WLTP rechnet man mit sieben kW. Die maximale Antriebsleistung wird sich sogar von rund 34 auf etwa 47 kW erhöhen."

Als die großen Verlierer des WLTP sieht Carstens vor allem die kleinen Autos: "Bei Modellen wie dem VW Up oder dem Smart und bei Autos mit Downsizing-Motoren wie beispielsweise dem Ford Eco Boost werden sich die CO2-Werte wohl um zehn bis 15 Prozent erhöhen."

"Leistungsstarke Autos mit viel PS und großem Hubraum fahren beim WLTP dagegen häufiger als beim NEFZ im unteren Lastbereich und vor allem auch in einem optimalen Gang - beim NEFZ ist die Gangwahl vorgegeben", so Carstens. Ihre CO2-Werte könnten sich dadurch um fünf bis sieben Prozent verbessern.


Was ist bei all dem zu beachten?

  • Aus Kleinwagen werden nicht plötzlich Geldvernichtungsmaschinen. Denn unterm Strich, darauf weist auch Stefan Carstens hin, fährt man mit einem leistungsschwachen Pkw trotzdem noch sparsamer als mit jedem Luxus-SUV. "Am realen Verbrauch der Autos ändert sich ja nichts - nur an den offiziellen Herstellerangaben", sagt auch Michael Müller-Görnert, Klimaschutzexperte des Verkehrsclub Deutschland  (VCD). Allerdings muss sich ein Großteil der Autobesitzer tatsächlich darauf einstellen, dass ihre Kfz-Steuerbeträge um einige Euro ansteigen - und so die von Schäuble erhofften Mehreinnahmen zustande kommen.
  • Für bereits zugelassene Pkw ändert sich überhaupt nichts: Der aktuelle Fahrzeugbestand ist von der Umstellung auf den WLTP nicht betroffen, hier gelten weiterhin die im NEFZ ermittelten CO2-Werte. Die Berechnung der Kfz-Steuer nach WLTP-Werten soll erst für Autos gelten, die nach dem 1. September 2018 zugelassen werden. So steht es in einem Entwurf des Finanzministeriums. Die zeitlichen Feinheiten erläutert Michael Müller-Görnert: Demnach gilt der WLTP zunächst nur für alle neuen Pkw-Modelle, die nach dem 1. September 2017 eine neue Typengenehmigung benötigen. Diese wird für die Hersteller in der Regeln dann fällig, wenn sich an der Technik des Autos grundlegende Änderungen ergeben haben. Erst 2019 gelten dann für sämtliche neuzugelassenen Autos in Europa die im WLTP ermittelten Werte.
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