Hohe Nachfrage Benzinpreis springt auf Rekordhoch

Ostern steht vor der Tür, die Reisezeit beginnt - und die Mineralölkonzerne erhöhen die Preise: Ein Liter Super kostet jetzt so viel wie im Rekordsommer 2008. In manchen Städten sind fast 1,66 Euro pro Liter fällig.

Eine Preistafel an einer Tankstelle in München: Preisschub vor den Ferien
dapd

Eine Preistafel an einer Tankstelle in München: Preisschub vor den Ferien


Hamburg - Unmittelbar vor Beginn der Oster-Reisewelle hat der Benzinpreis wieder das Rekordniveau von Sommer 2008 erreicht. Superbenzin kostete am Freitag im Bundesdurchschnitt 1,59 Euro pro Liter. In Großstädten wie München mussten die Autofahrer sogar fast 1,66 Euro hinlegen. Diesel lag am Freitag bei etwa 1,47 Euro pro Liter.

"Wir sind wieder auf dem Rekordniveau von Sommer 2008", räumte die Sprecherin des Mineralölwirtschaftsverbands (MWV), Karin Retzlaff, ein. Damals kostete der Liter Super im Schnitt ebenfalls 1,59 Euro.

Nach Angaben des Shell-Konzerns hatte der bundesweite Durchschnittspreis am Donnerstag 1,586 Euro für Superbenzin erreicht. Danach kam es noch zu einer Preiserhöhungsrunde von mindestens einem Cent pro Liter.

Preissteigerungen vor den Osterferien sind durchaus üblich. Grund ist die steigende Nachfrage zu Beginn der Reisesaison. Politiker nutzen die Erhöhungen dennoch zur Profilierung im Kampf gegen die Konzerne. So warnte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer die Ölmultis vor Preiserhöhungen im Vorfeld der Ferien. "Dass es gerade zu Beginn von Ferienzeiten häufig Preissprünge beim Benzin gibt, ist nicht akzeptabel. Spritpreise dürfen sich nicht nach Ferienzeiten richten", sagte der CSU-Politiker den "Ruhr Nachrichten".

Die Ölbranche wies den Vorwurf zurück: "Die Preise an den Tankstellen bilden sich nicht nach Ostern oder anderen Feiertagen, sondern nach den Einkaufskosten für das Produkt Benzin und Diesel auf den Weltmärkten", sagte Retzlaff. Nach ihren Angaben stieg der Preis für Superbenzin auf den Weltmärkten seit Mitte März um acht Cent pro Liter, nur dieser Anstieg sei an den Tankstellen weitergegeben worden. Ein Liter Super kostete am europäischen Öl- und Kraftstoffmarkt in Rotterdam laut MWV am Donnerstag 55,4 Cent pro Liter. Zur Rekordzeit im Sommer 2008 seien es 55,8 Cent gewesen. Der Ölpreis lag am Freitag praktisch unverändert bei 122 Dollar pro Barrel Nordseeöl der Sorte Brent.

Preiserhöhung zur Reisesaison

Die Argumente des Verbands hält Energieexpertin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) für durchaus nachvollziehbar. "Der Ölpreis ist im Moment auf sehr hohem Niveau. Und zu Ferienzeiten steigt auch die Nachfrage", sagte Kemfert. Ein Preisanstieg sei da "ein normaler Mechanismus".

Das Bundeskartellamt untersucht allerdings, ob es bei der Preisbildung an den Tankstellen mit rechten Dingen zugeht. Zurzeit kontrolliert die Behörde die Bücher von 100 Stationen in vier Städten, um eventuelle Preisabsprachen aufzudecken. Eine Sprecherin kündigte die Veröffentlichung der Ergebnisse für Ende Mai an.

Der ADAC rät angesichts der hohen Kraftstoffpreise zu einer einfachen Taktik: Am besten solle man an einem Sonntag tanken. Einer Verbandsuntersuchung zufolge müssen die Autofahrer an Freitagen besonders tief in die Tasche greifen. An Sonntagen hingegen sei ein Liter Superbenzin im Schnitt 3,4 Cent billiger. Zweitgünstigster Tag zum Tanken ist demnach der Montag.

mik/dapd/AFP

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insgesamt 159 Beiträge
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Cr4y 15.04.2011
1. Schön, dass...
... ich in der Stadt wohne, ich Student bin (Semesterticket) und gerne Fahrrad fahre... Ist aber gar nicht mal schlecht mit den hohen Spritpreisen - vom ökologischen Standpunkt aus. Mittel- und langfristig wird dem Volk das Auto abgewöhnt. Habe so das Gefühl, dass dem Auto in meiner Generation schon wesentlich weniger beigemessen wird, als zu Zeiten meiner Eltern. Für die Landbevölkerung isses halt net so schön...
gamelan@hotmail.de 15.04.2011
2. Beschränkte Lernfähigkeit?
Sind manche Menschen nur beschränkt lernfähig? Wissen sie nicht um die Automatismen in diesem System? Es ist für mich immer wieder überraschend festzustellen, wie naiv viele Zeitgenossen sind. Und schlimmer noch: wie wenig sie selbst daran ändern wollen. Vor allem leuchtet mir nicht ein, warum man ausgerechnet in den Osterferien mit Sack und Pack und Familie mit dem Auto in den Urlaub fahren muss. Ich verstehe es einfach nicht, aber vielleicht kann es ja jemand hier erläutern. Gibt es sonst nichts Wichtigeres?
Andrea84 15.04.2011
3. Fast 1,66 €?!
Hier in Dresden muss man bereits 1,67 € für den Liter bezahlen! Überhaupt frag ich mich: Wo sind die angekündigten fünf Cent Unterschied zu E10? Esso hat 13 Cent Unterschied und ansonsten sind es durchweg neun Cent. Da verdienen sich die Ölkonzerne wieder mal eine goldene Nase und jedes Jahr aufs neue satte Gewinne!
timewalk 15.04.2011
4. Manch einer manipuliert die Preise
Zitat von sysopOstern steht vor der Tür, die Reisezeit beginnt -*und die Mineralölkonzerne erhöhen die Preise: Ein Liter Super kostet jetzt so viel wie im Rekordsommer 2008. In manchen Städten sind fast 1,66 Euro pro Liter fällig. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,757384,00.html
Ein Grund für den Preisanstieg, wird hier beschrieben The contango game: How Koch Industries manipulates the oil market for profit http://climateprogress.org/2011/04/13/contango-koch-oil-market/ LÖSUNGEN Die Milliarden Subventionen an die korrupt-kriminelle Ölindustrie abstellen(600 milliarden weltweit, jährlich), Firmen wie Exxon zahlen nochnichtmal Steuern! Elektroauto fahren (oder zumindest ein Hybrid) und Erneuerbaren Strom bestellen!
MeineMeinungist... 15.04.2011
5. Hier ist die Bundesregierung und
das Kartellamt gefragt. Es muß doch möglich sein herauszufinden, ob hier Preisabsprachen getroffen wurden. Auf den Prüfstand gehört die Mineralindustrie, wegen ihrer kollektiven marktbeherrschenden Stellung. hbommy
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