Honda-Comeback Mit Pauken und Raketen

Geniale Motoren und Sportwagen, die mit Ferrari konkurrieren konnten: Honda war einst der feingeistige Star der japanischen Autoindustrie. Davon war zuletzt wenig zu spüren, doch jetzt greift der Hersteller wieder an - mit Hybrid-Sparkünstlern und Spaßautos.

Honda

Honda. Der Name hatte in der Autoindustrie mal einen richtig guten Klang. Ende der achtziger, Anfang der neunziger Jahre dominierte das japanische Unternehmen mit seinen Motoren die Formel 1, gewann sechs Weltmeistertitel und entwickelte damals gemeinsam mit Ayrton Senna den Supersportwagen NSX. Es war der erste Seriensportwagen aus Japan, der einem Ferrari Paroli bieten konnte.

Honda galt damals als Ingenieur-Company. Nur BMW und Toyota gewannen noch mehr "Engine of the Year"-Trophäen. Die Honda-Tüftler waren mit ihrem variablen Ventiltrieb VTEC für Benzinmotoren ihren deutschen Berufskollegen um ein paar Jahre voraus. Und mit dem Modell Insight bot Honda das erste Hybridauto in den USA an - noch vor dem Toyota Prius. Brems- und Lenkassistenten waren ebenfalls zuerst in Honda-Serienautos verfügbar.

Technikverliebt, qualitätsversessen, ein bisschen hochnäsig und immer ein wenig teurer als die anderen - so erarbeitete sich Honda den Ruf des japanischen Mercedes. Dann kam die weltweite Finanzkrise und der jähe Abstieg: Ende 2008 stieg Honda aus der Formel 1 aus, zeitgleich wurde die Entwicklung eines NSX-Nachfolgers abgebrochen. Honda strich, verzichtete, sparte - und fiel zurück. Während Toyota sich als Hybrid-Pionier profilierte, Nissan mit dem GT-R und Lexus mit dem LFA auftrumpfte und selbst Subaru mit dem Sportwagen BRZ die Leidenschaft entfachte, schien Honda wehrlos wegzudämmern.

Wem fällt ein aktuelles Honda-Modell ein?

Das ist natürlich ein verzerrtes Bild. Honda ist noch immer größter Motorenhersteller der Welt. Und als Motorrad- und Rollermarke, als Hersteller von Außenbordmotoren und motorisierten Gartengeräten übertrumpft das Unternehmen jeden anderen Autoproduzenten. Selbst im Pkw-Geschäft sind die Zahlen gar nicht so schlecht. 2012 verkaufte Honda weltweit 3,8 Millionen Autos - so viel wie nie zuvor. Und wie es aussieht, wird in diesem Jahr eine neue Rekordmarke erzielt.

Aber: Zahlen sind nur das eine, das andere sind die Autos. Wem bitte fällt ein aktuelles Honda-Modell ein? Ja, es gibt den futuristischen Civic in der Kompaktklasse und den Kleinwagen Jazz mit Hybridantrieb. Aber hat man ein Bild vor Augen, wenn man die Modellnamen Accord oder CR-V hört? Und dass der Hybrid-Sportwagen CR-Z mangels Nachfrage schon wieder eingestellt wurde, hat praktisch keiner mitbekommen, weil das Auto schon vorher so gut wie unbekannt war.

Nach Managementfehlern, der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise und der Katastrophe von Fukushima keimt nun wieder die Hoffnung auf bessere Zeiten bei Honda. Verbunden ist die vor allem mit der Neuauflage des Jazz, der in Japan Fit heißt und Honda tatsächlich fit für die Zukunft machen könnte. In seiner Heimat ist das Auto seit ein paar Wochen im Verkauf, und schon kommt die Fabrik mit der Produktion kaum hinterher. Die Kehrseite des Erfolgs in der Heimat ist, dass der Wagen erst 2015 nach Europa kommen wird.

Kleiner als ein Polo, aber mehr Platzangebot als ein Golf

Der etwas größer gewordene Hochdach-Mini ist kaum größer als ein VW Polo, bietet jedoch mehr Platz als ein VW Golf. Der neue Jazz sieht besser aus als der bisherige und er fährt vor allem viel harmonischer. Auch ein neuer Hybridantrieb ist an Bord: Ein 1,5-Liter-Benziner mit 110 PS und ein 30 PS starker, ins Getriebe integrierter E-Motor sorgen im Verbund mit einem siebenstufigen Doppelkupplungsgetriebe für sparsamen und angenehmen Vortrieb. Bei der ersten Testfahrt wirkt das Auto jedenfalls deutlich freudvoller als das Vorgängermodell. Im realitätsfernen Verbrauchszyklus der japanischen Behörden soll er mit 3,2 Litern zufrieden sein. Was davon im europäischen Messprogramm übrig bleibt, wird man sehen. Die Honda-Ingenieure schwärmen indes: "Kein anderer Verbrenner auf dem japanischen Markt ist sparsamer."

Auf der gleichen Plattform wie der Jazz basiert auch der zweite Hoffnungsträger von Honda: ein kleiner Geländewagen, der in Japan unter dem Namen Vezel an den Start geht und der ebenfalls 2015 nach Europa kommen soll. Als erstes Auto in der Liga von Opel Mokka oder Renault Captur soll der Honda-SUV mit einem Hybridantrieb aufwarten und darüber hinaus auf Wunsch Allradantrieb bieten.

Während der neue Jazz und der Mini-SUV Vezel Vernunftautos und Stückzahlbringer in einem sind, leistet sich Honda auch wieder zwei Modelle aus der Abteilung Imageträger und Fahrspaßbringer. Um die Marke wieder mit ein Emotionen aufzuladen, ist nicht nur die Rückkehr in die Formel 1 und die Teilnahme an der Tourenwagen-Weltmeisterschaft beschlossen, sondern es soll auch wieder sportliche Serienautos geben.

Der BMW i8 aus Japan

So reift nun offenbar tatsächlich ein Nachfolger des NSX mit extrem agilem Hybridantrieb heran, und ein paar Preisklassen darunter wird der neue Civic Type-R auf die Straßen rollen. Der bekommt zwar keine klassische Drehorgel mehr, sondern setzt mit einem neuen Zweiliter-Motor nun auf einen Turbo. Doch dafür hat er einen mächtigen Punch: Offiziell "mindestens 280", nach der ersten Testfahrt aber gefühlt 320 PS stark, soll das Auto den bislang gültigen Rundenrekord für Fronttriebler auf der Nordschleife pulverisieren. Ein Spitzentempo jenseits von 250 km/h ist daher ebenso gesetzt wie ein aerodynamischer Kampfanzug.

Und als wäre das noch nicht genug, plant Honda - zumindest in Japan - eine Art Comeback des Roadsters S2000. Zwei Nummern kleiner soll der neue, offene Sportwagen werden. Auf der Tokio Motorshow Ende November stand bereits eine Studie des künftigen Kompaktflitzers, das Modell S 660 nämlich. Es heißt, dieses Auto mit 660-Kubik-Minimotor und damit in der Klasse der japanischen Kei-Cars beheimatet, werde tatsächlich in Serie kommen.

In Europa erlangen die Neuheiten frühestens 2015 Bedeutung. Das nächste Jahr sieht deshalb - zumindest aus hiesiger Perspektive - noch einmal düster aus für Honda. Die einzige Premiere im nächsten Jahr ist der Civic Tourer (ab 21.550 Euro). Mit dem Auto meldet sich Honda nach gut 15 Jahren wieder im Segment der kompakten Kombis zurück. Immerhin ist es ein Anfang.

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insgesamt 39 Beiträge
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felisconcolor 24.12.2013
1. und wenn er qualitativ
gut daher kommt, dann wäre der S660 auch in Europa der Renner. Ich würd sofort einen nehmen.
genauuuuuuu 24.12.2013
2. Das gute ist...
...das trotz dieses scheinbaren Einschlafens auch die aktuellen Hondas klasse sind. Es fehlen einzig gescheite Turbo-Benziner. Ich freue mich schon auf das was da kommt.
chaps 24.12.2013
3. Qualität nicht vergessen!
Man sollte zudem die Qualität der Honda Produkte nicht vergessen. Sowohl im Motorrad-Bereich wie auch bei den KFZ ist diese nämlich sehr gut (eigene Erfahrung). Die Fahrzeuge sind i.d.R. langlebig und robust, die Inspektionskosten niedriger als bei den kontinentalen Herstellern (ebenfalls eigene Erfahrungen). Das einzige was mich derzeit stört, ist die geringe Auswahl an Motoren.
Nabob 24.12.2013
4. Die Zeiten haben sich geändert
Zitat von sysopHondaGeniale Motoren und Sportwagen, die mit Ferrari konkurrieren konnten: Honda war einst der feingeistige Star der japanischen Autoindustrie. Davon war zuletzt wenig zu spüren, doch jetzt greift der Hersteller wieder an - mit Hybrid-Sparkünstlern und Spaßautos. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/honda-automodelle-hybrid-autos-und-spassautos-a-938272.html
Das Auto ist nicht mehr in erster Linie Transportmittel, sondern Indikator für unsere wirtschaftliche Positionierung in der Gesellschaft. Die Autoindustrie hat mit dieser erfolgreichen Konditionierung des Kunden den Begriff: Premium installiert. Folglich sollen alle Autos für den Verbraucher nun so aussehen, wie die Persönlichkeitsprothesen, die die Autoindustrie mit premium apostrophiert. Hier für ist Honda zu teuer; allein die asiatische Konkurrenz hat aufgeholt. Man kauft auch nicht mehr Sony, denn inzwischen haben andere Anbieter gleichgezogen. Im Grund kann man heute jedes Auto kaufen, weil jedes Auto seinen Zweck gut erfüllt. Das anerzogene Problem beim Deutschen ist eher, dass das Auto ein viel zu hohe Bedeutung gewonnen hat. Was ehemals im Hinblick auf Mercedes-Fahrer geächtet wurde, ist heute bei den jüngeren Generationen sehr viel mehr in die Breite gegangen. Noch nie hat ein Auto für das persönliche Showdown eine so große Rolle gespielt. In diese Zeit passt nicht mehr so sehr die Markt-Message von Honda. Da Auto muss scheinen, Honda Baut sehr gute Technik zu nicht mehr marktgerechten Preisen.
Al29 24.12.2013
5. 3,6 Mio. verkauft?
Das ist eine echte Leistung - so viele so hässliche Autos unters Volk zu bringen.
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