Honda NSX Formel Fun

Der Witz beim neuen Honda NSX ist nicht der 500 PS starke V6-Benziner hinter den Sitzen, sondern zwei Elektromotoren an den Vorderrädern: Sie ermöglichen Fahrleistungen wie im Hybrid-Supersportwagen Porsche 918 - für einen Bruchteil des Preises.

Honda

Eile mit Weile - für Ted Klaus eine bittere Wahrheit. Der Amerikaner ist Chief Engineer für den neuen Honda NSX und musste sich mit der Entwicklung des Supersportwagens mehr Zeit lassen, als ihm lieb war. Erst wurde das Projekt wegen der durch Finanzkrise und Fukushima ausgelösten Belastungen für den Konzern eingestampft. Und beim Neustart vor über drei Jahren haben sie sich dann an der komplizierten Antriebstechnik fast verhoben. Doch Klaus ist ein geduldiger Mensch. Und Freunde schneller Autos sollten ihm für diese Tugend dankbar sein.

Genau ein Jahrzehnt hat es gedauert, bis die Kür des Nachfolgers für den Honda NSX, jenem legendären Ferrari aus Fernost, der seinerzeit von Formel-1-Legende Ayrton Senna mitentwickelt wurde, abgeschlossen war. In ein paar Wochen, so verspricht es Klaus, soll in der Manufaktur in Ohio endlich die Produktion beginnen. Und wenn bei acht Autos am Tag der erste Schwung fertiggestellt und die Sehnsucht der Amerikaner als treibende Kraft hinter diesem Projekt befriedigt ist, soll der NSX ab dem nächsten Sommer auch nach Europa kommen.

Großer Vortrieb, kleiner Preis

Wer zum ersten Mal den neuen NSX steuert, erlebt fast so etwas wie ein Erweckungserlebnis. Was den Wagen so besonders macht, das ist weniger der explosive Vortrieb von 573 PS und 646 Nm Drehmoment, mit denen die Flunder in kaum mehr als drei Sekunden von 0 auf 100 km/h fliegt und mühelos die 300er-Marke knacken sollte. Das können die anderen Sportwagen in der von Klaus avisierten Liga zwischen 150.000 und 200.000 Euro auch. Es ist nicht das kantig-klare, im Grunde aber ziemlich unspektakuläre Design. Und es ist schon gar nicht das Innenleben, das zwar geräumiger und luftiger ist als in vielen anderen Sportwagen, das aber auch weniger edel und weniger detailverliebt wirkt.

Was tatsächlich den Unterschied macht, ist ein Antriebskonzept, wie man es sonst nur in Millionen Euro teuren Preziosen wie dem Porsche 918 Spyder findet.

Klaus hat nicht einfach nur einen V6-Motor ins Heck geflanscht, dem zwei Turbos aus 3,5 Litern Hubraum imposante 500 PS abringen, und ihn zur Überwindung einer möglichen Anfahrschwäche mit einem Hybridmodul gekoppelt. Sondern dazu gibt es auch noch einen E-Motor für jedes Vorderrad.

Die haben zwar nur 36 PS und zerren mit fast lächerlichen 73 Nm an den 245er-Reifen im Bug. Doch weil sie von der Elektronik individuell angesteuert werden und durch eine völlig freie Drehmomentverteilung beim Lenken helfen, ist das Fahrverhalten des NSX wie von einer anderen Welt: Es wird nicht wie sonst gerne beim Torque Vectoring das innere Rad eingebremst, sondern das äußere beschleunigt. Wo Kurven also in anderen Sportwagen zum Fest werden, geraten sie im NSX zu Orgien.

Kleiner Abtörner: Honda hat dieses System "Sport Hybrid Super-Handling-All-Wheel-Drive" getauft. Schnarch. Den Namen kann man getrost wieder vergessen. Wichtiger ist, dass diese Technik den Wagen auch auf der Geraden so stabilisiert, dass ihn bei Vollgas nichts aus der Spur bringt. Kleine Kurskorrekturen oder schnelle Ausweichmanöver kosten den Fahrer hier bei Tempo 180 kaum mehr als ein Schulterzucken.

Klar, Puristen werden jetzt jammern, dass das Fahrerlebnis erheblich vom Computer gelenkt wird. Doch hinter dem Steuer sind solche Bedenken sofort wie weggeblasen. Die Faszination des NSX lässt sich ganz einfach ausdrücken: Man muss in diesem Auto nicht Ayrton Senna sein, um wie ein Formel-1-Star zu fahren.

Öko-Anspruch? Nicht mit diesem Auto

Natürlich kann man mit dem Hybrid-Antrieb auch ein paar hundert Meter elektrisch fahren, was vor allem die Nachbarn freuen wird, sagt Klaus, während seine Prototypen aus der Boxengasse des Honda-Testgeländes im japanischen Togichi surren, nur um sich danach beim Kickdown mit einem wütenden Brüllen Gehör zu verschaffen. Und zumindest auf dem Prüfstand wird der Akku sogar den Verbrauch auf einen sozialverträglichen Wert weit unter zehn Litern drücken.

Doch Klaus ist einer der ganz wenigen Honda-Mitarbeiter, die sich frei machen dürfen von jenem Öko-Diktat, das die einstmals so hoch angesehene Firma zuletzt fast in die Bedeutungslosigkeit geführt hätte: Ihm geht es nicht ums Sparen, sondern um den Spaß - und dieser Zweck heiligt ihm alle Mittel.

Klaus eifert deshalb nicht wie alle anderen Honda-Entwickler dem großen Vorbild Toyota nach, sondern hat ganz andere Ideale: Sein Auto kombiniert die Faszinationskraft eines Ferrari 458 mit der Innovationskraft eines BMW i8. Und wenn er Hybrid hört, denkt er weniger an den Prius als an den Porsche 918 oder den McLaren P1. Denn für einen Sportwagen wie den NSX lässt er nur eine Entwicklungsmaxime gelten: "Gut ist, was das Auto und den Fahrer schneller macht."



insgesamt 29 Beiträge
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Klospülung 09.12.2015
1. Tolles Auto
Schön das es noch Hersteller gibt die sich trauen in der heutigen Zeit so Autos zu bauen. Aufgrund der geringen Stückzahlen ist selbst ein i3 schlechter für die Co2 Bilanz!
sumfuiesse 09.12.2015
2. Hübsch
Schönes Design, besonders für einen Asiaten, dazu ausgearbeitete Technik und ein super Preis. Da können 911er, R8 und co einpacken. Bin mal auf die ersten Rundenzeiten auf der Nordschleife gespannt. Trotzdem kommt zuerst eine Corvette, ein V8 und perfektes Preis/Leistungsverhältnis.
pace335 09.12.2015
3. Die Elektromotoren hätten die sich lieber sparen sollen.
Dann wäre die Kiste wenigstens leichter geworden und hätte auch nicht so viel gekostet. Hätten die lieber mal die 73PS der Elektromotoren mit dem Turbo ausgeglichen. Ein wenig den Druck erhöhen und raus mit den E- Motoren.
autobahnraser4000 09.12.2015
4.
Geile Kiste, für ein asiatisches Auto sieht der richtig gut aus. "Fahrleistungen wie im Hybrid-Supersportwagen Porsche 918" glaube ich jetzt nicht ganz... Porsche 918 Spyder 7:13 Minuten Gumpert Apollo Sport 7:24 Min. Porsche 911 (997) GT2 RS 7:24 Min. Lamborghini Aventador LP 700-4 7:25 Min. Porsche 911 (991) GT3 RS 7:28 Min. McLaren MP4-12C 7:28 Min. Porsche 911 (997) GT3 RS 4.0 7:30 Min. Porsche 911 GT3 (991) 7:32 Min. Porsche Carrera GT 7:32 Min. Audi R8 V10 Plus 7:32 Min. http://www.auto-motor-und-sport.de/news/top-50-supertest-nordschleife-wer-ist-der-schnellste-in-der-hoelle-8228137.html
razer 09.12.2015
5.
Zitat von pace335Dann wäre die Kiste wenigstens leichter geworden und hätte auch nicht so viel gekostet. Hätten die lieber mal die 73PS der Elektromotoren mit dem Turbo ausgeglichen. Ein wenig den Druck erhöhen und raus mit den E- Motoren.
Na ja nicht so ganz begriffen was die E-Motoren beim Honda so machen ? Einfach den Fahrbericht noch mal durchlesen, das hilft.
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