Hybrid-Kooperation Volvo-Vattenfall Schweden unter Strom

Ethanol und Start-Stopp-Technik - mehr hatte Volvo beim Stichwort alternative Antriebe bislang nicht zu bieten. Aber jetzt will die schwedische Marke mit einem Schlag nach vorn: Mit dem Stromkonzern Vattenfall ist für 2012 ein Plug-In-Hybridauto geplant.


Bislang favorisierten die schwedischen Hersteller Saab und Volvo Ethanol als alternativen Kraftstoff - und kümmerten sich kaum um elektrische Mobilität. Jetzt jedoch ist der Funke zumindest auf Volvo übergesprungen. Auch die Ford-Tochter will jetzt den Antrieb elektrifizieren und hat für 2012 ein Hybridmodell angekündigt. Allerdings begnügen sich die Schweden nicht mit einem Hybridauto, dessen Akku beim Bremsen geladen wird und dessen elektrische Energie dann allenfalls für ein paar Kilometer schadstofffreies Fahren ausreicht. Volvo will gemeinsam mit dem Energiekonzern Vattenfall ein sogenanntes Plug-In-Hybridauto entwickeln; die Kooperation wurde am Pfingstmontag in Stockholm bekanntgegeben.

Bei einem Plug-In-Hybridsystem sind die Akkus deutlich größer dimensioniert und tanken Strom direkt an einer Haushaltssteckdose oder an einer öffentlichen Ladestation. Zwar wird das Aufladen am heimischen Netz rund fünf Stunden dauern, doch hat die neue Technik gleich zwei Vorteile: Das Auto kann tatsächlich nennenswerte Strecken ohne Sprit zurücklegen, und es ist ein wenig unabhängiger von endlichen Ressourcen.

Denn die Projektpartner wollen vor allem auf grünen Strom setzen. "Wir möchten die Bedeutung der Elektrizität für die Gesellschaft und ihre Schlüsselrolle für die Lösung von klimabezogenen Problemen bekräftigen", sagt Vattenfall-Chef Lars Josefsson und kündigt mehr Strom aus regenerativen Quellen an. Man werde den Kunden die Möglichkeit anbieten, sich alternativ zur Energiemischung aus herkömmlichen Stromquellen für erneuerbare Energien zu entscheiden, insbesondere Wind- und Wasserkraft.

Volvo will Elektro- und Dieselmotor kombinieren

Nicht nur die Ladebuchse unterscheidet ein Plug-In-Hybridauto von den gängigen Teilzeitstromern. Darüber hinaus setzt Volvo auf Lithium-Ionen-Akkus und will den an der Hinterachse montierten Elektromotor mit einem Dieselaggregat kombinieren. Diese Paarung gilt als sparsamste Lösung, ist aber auch die teuerste Variante. Geplant wird ein solches Diesel-Hybrid-Fahrzeug auch von den im PSA-Konzern vereinten Marken Peugeot und Citroën sowie von Mercedes.

Volvo-Chef Steven Odell sieht sein Unternehmen mit dem Plug-In-Hybridwagen für die Zukunft gerüstet. "Die meisten Autofahrten sind Kurzstrecken, etwa der Weg zur Arbeit und wieder zurück. Wir werden ein Produkt anbieten können, das diesen Transportansprüchen gerecht wird." Und um auch für lange Strecken gewappnet zu sein, werde das Auto obendrein mit einem besonders effizienten Dieselmotor bestückt.

Die Kategorie und der Preisrahmen sind noch geheim

Kleinwagen, Kombi oder Sportcoupé? Was für ein Fahrzeug sich die Schweden als grünen Vorreiter ausgeguckt haben, wird bislang noch geheim gehalten. In wenigen Wochen jedoch sollen drei entsprechend umgerüstete Kombimodelle vom Typ V70 in den Flottentest gehen, um die Technik zu erproben und das Alltagsverhalten der Kunden beim Laden an der Steckdose beobachten.

Zum möglichen Preis des Serienautos sagen Volvo und Vattenfall ebenfalls noch nichts. Doch stimmen sie die künftigen Kunden schon mal auf einen stattlichen Aufschlag ein: "Der Kaufpreis für ein Plug-in-Hybrid-Modell wird höher sein als für ein Auto mit herkömmlicher Antriebstechnologie, da die Batterien relativ teuer sind." Dennoch könnte die Investition lohnend sein. "Denn im Elektrobetrieb werden die Kraftstoffkosten im Vergleich zu einem konventionellen Diesel nur noch etwa ein Drittel betragen."

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