Hybridantriebe in der Oberklasse Die Aufholjagd

Nach jahrelangem Zaudern setzen nun auch die deutschen Hersteller auf Hybridautos. Zum einen, weil die Elektrifizierung des Antriebs ohnehin nur noch eine Frage der Zeit sein wird, zum anderen, weil die Technik gerade bei dicken Autos erhebliches Sparpotential birgt.


Der Vorsprung von Toyota in Sachen Hybrid ist gewaltig, doch er schrumpft. Denn seit zum Beispiel Daimler und BMW in einer Hybrid-Allianz gemeinsame Sache machen, holen die beiden süddeutschen Marken rasant auf. Im nächsten Jahr wollen beide Hersteller eine Hybridversion ihrer jeweiligen Oberklasse-Baureihe in den Verkauf bringen.

Mercedes stellte in der vergangenen Woche eine S-Klasse vor, die von einem Duo aus einem V6-Benzinmotor mit 279 PS sowie einem 20 PS starken Elektromotor angetrieben wird. Das Auto soll im Durchschnitt 7,9 Liter Sprit je 100 Kilometer verbrauchen (CO2-Ausstoß 190 g/km) und so zur sparsamsten Luxuslimousine weltweit werden. BMW zieht mit identischen Hybridkomponenten nun ebenfalls nach. Beim Autosalon in Paris werden die Münchner das Modell BMW Concept 7er Active-Hybrid vorstellen.

Während Mercedes ganz auf Effizienz setzt, wird bei BMW das Hybrid-Thema offenbar noch mit Glacéhandschuhen angefasst. Die weiß-blaue Marke weicht keinen Millimeter von ihrem Leistungsimage ab und kombiniert daher den 20 PS starken Elektromotor, der wie bei Mercedes ins Getriebe integriert ist, mit einem V8-Benziner mit Doppelturbo, der auf 407 PS kommt und ein maximales Drehmoment von 600 Nm freisetzt. Addiert man dazu die maximale Kraft des Elektroaggregats von bis zu 210 Nm, wird klar, dass es hier weniger ums Sparen, als vielmehr um den Überfluss geht.

Beim Spritsparen hilft der Elektromotor in jedem Fall

Festzuhalten bleibt allerdings: Auch in der BMW-Variante, die wohl vor allem auf die Hybrid-gierige und V8-verrückte Kundschaft in den USA zielt, hilft die neue Technik beim Sparen. Denn statt der 11,4 Liter Durchschnittsverbrauch des BMW 750i (ohne Hybridkomponenten) soll der mit Hybridtechnik angereicherte 7er auf etwa 9,7 Liter kommen – also rund 15 Prozent weniger. Damit würde auch der CO2-Ausstoß von 266 auf 226 Gramm je Kilometer abnehmen.

Der Elektromotor in den künftigen Modellen von Mercedes und BMW wird den jeweiligen Wagen nicht alleine bewegen können. Stattdessen soll der Stromer beim Beschleunigen unterstützend eingreifen und im Schubbetrieb oder beim Bremsen als Generator fungieren und Strom erzeugen. Diese elektrische Energie wird in einem zirka 30 Kilogramm schweren Lithium-Ionen-Akku in der Reserveradmulde im Kofferraum gespeichert. Der Fahrer soll von alldem nichts merken – außer vielleicht an der Zapfsäule. BMW betont immer wieder, die Effizienzsteigerung werde "ohne jeden Verzicht auf Dynamik, Sicherheit und Komfort" erreicht. Im nächsten Jahr können die ersten Kunden das ausprobieren; übrigens nicht nur im neuen 7er, sondern mutmaßlich auch im X6, der ebenfalls als Hybrid-Variante avisiert ist.

Audi probiert den Hybridantrieb eine Nummer kleiner

Audi, der dritte unter den deutschen Oberklasse-Anbietern, wirkt beim Thema Hybrid noch etwas unentschlossen; das Top-Modell A8 jedenfalls wird die Technik vorerst nicht erhalten. Zuerst wollten die Ingolstädter das SUV-Dickschiff Q7 mit elektrischer Unterstützung etwas sparsamer machen. Die Pläne wurden jedoch gestoppt – und jetzt geht es eine Nummer kleiner weiter: Der Audi Q5, ein SUV in moderaterem Format, soll bis zum Jahr 2010 als erstes Serienmodell der Marke mit Hybridantrieb auf den Markt kommen, und zwar mit einer Lithium-Ionen-Batterie als Stromspeicher.

Weil sich der Q5 zahlreiche Komponenten mit der Baureihe A4 und A5 teilt, wird bei Audi wohl zuerst die Mittelklasse hybridisiert, ehe die ganz schweren Kaliber an der Reihe sind. Eher bauen die Ingolstädter vermutlich auch eine Hybrid-Variante ihres künftigen Kleinwagens A1 (Debüt 2010), um dann ein sparsames und sauberes Stadtfahrzeug im Angebot zu haben.

Erstmals Hybrid-Wettbewerb im Auto-Oberhaus

In der Oberklasse jedoch wird sich im nächsten Jahr ein interessanter Wettbewerb entfalten, denn der Lexus 600h, bislang einziges Hybridauto in dieser Kategorie, muss sich erstmals gegen heimische Konkurrenz behaupten. In den ersten acht Monaten verkaufte Lexus vom "stärksten Hybridmodell der Welt" in Deutschland 155 Modelle - das waren rund drei Viertel aller LS-Exemplare hierzulande. Im Vergleich der Kennzahlen liegt das japanische Vorzeigemodell nicht schlecht: Der "weltweit leistungsstärkste Hybridwagen" kombiniert einen 5-Liter-V8-Benziner mit einem 224 PS starken Elektromotor und kommt auf eine Systemleistung von 445 PS. Den Durchschnittsverbrauch gibt Lexus mit 9,3 Liter an, die CO2-Emissionen mit 219 Gramm je Kilometer. Eine Lithium-Ionen-Batterie aber hat der japanische Wagen noch nicht.

Wie es preislich aussieht, ist noch unklar, denn BMW und Mercedes haben die Preise für die kommenden Hybrid-Modelle noch nicht bekanntgegeben. Der Lexus jedenfalls wird ab 100.950 Euro angeboten. Sparen auf diesem Niveau – so viel steht fest – ist immens teuer .



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