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Hyundai ix35 mit Brennstoffzelle: Der Erste seiner Art

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Hyundai ix35 mit Brennstoffzelle Aller Anfang ist er

Hyundai wagt sich vor und baut als erster Hersteller Brennstoffzellenautos in Serie. Produziert werden die Fahrzeuge in Korea, aber fahren sollen sie fast ausschließlich durch Europa. Die ersten Exemplare sind schon auf den Straßen.

Auf große Ankündigungen zum Thema Brennstoffzelle folgten bei den Autoherstellern bislang immer Zauderei und Verschiebungen. Doch jetzt prescht Hyundai voraus: Die Koreaner bauen als erstes Unternehmen weltweit ein Fahrzeug mit Wasserstoffantrieb in Serie. Als Basis dient dabei der Geländewagen ix35. Eintausend Stück sollen bis 2015 gefertigt werden, die ersten Exemplare sind bereits ausgeliefert.

Das Potential der Brennstoffzelle als alternativer Antrieb ist sagenhaft: Im Gegensatz zu rein batteriebetriebenen Elektroautos ermöglicht Wasserstoff als Energiespeicher viel größere Reichweiten. Außerdem müssen die Fahrzeuge nicht stundenlang an eine Steckdose gehängt werden, sondern sind innerhalb weniger Minuten vollgetankt.

Klingt vielversprechend, aber in der Praxis entpuppten sich die Produktionskosten für die Technologie bislang als unrentabel. Erst im Frühjahr musste Mercedes die für 2015 angekündigte Markteinführung eines Brennstoffzellenautos abblasen.

Stattdessen wurde eine Kooperation mit Ford und Renault-Nissan angebahnt, die 2017 zur Großserie führen soll.

Plötzlich fährt Hyundai mit Wasserstoff vorneweg

Nun also setzt sich Hyundai an die Spitze der Wasserstoffbewegung - und zwar mit mehr als den bislang üblichen Prototypen oder Mini-Testflotten. Dazu wird der ix35 in Korea neben der normalen Fließbandproduktion von einer handverlesenen Mechanikerschar zum Hightech-Ökomobil umgerüstet.

Unter der Rückbank und unter dem Kofferraumboden montieren die Experten dabei zwei Tanks für zusammen knapp sechs Kilo Wasserstoff, der dort bei einem Druck von 700 bar lagert. Theoretisch ist damit eine Reichweite von knapp 600 Kilometern möglich. Vorn unter der Haube steckt die Brennstoffzelle sowie ein gemeinsam mit dem Elektronikhersteller LG entwickelter Lithium-Polymer-Akku. Er dient als Zwischenspeicher, damit der 136 PS starke E-Motor an der Vorderachse unmittelbar nach dem Start des Systems loslegen kann.

"Damit bündeln wir 15 Jahre Forschungsarbeit", sagt Christian Löer, Leiter des Produktmanagements bei Hyundai. Das aktuelle Auto sei die mittlerweile vierte Brennstoffzellen-Generation des Herstellers und der Antrieb mittlerweile so kompakt, dass im Innenraum genau so viel Platz wie in einem herkömmlichen ix35 zur Verfügung steht. Und er ist offenbar so robust, dass Hyundai auf die Technik sechs Jahre oder 120.000 Kilometer Garantie gibt.

Das Brennstoffzellenauto fährt völlig unspektakulär

So ambitioniert die Technik ist, so unspektakulär fährt sich der ix35 mit Brennstoffzelle: Anlassen, Gas geben, losrollen - flott und leise zieht der Geländewagen vom Hof wie jedes andere Elektroauto auch. Nichts zischt oder brodelt, es gibt auch kein Ruckeln oder Stocken. Auf den ersten Metern legt das Auto los wie ein Sportwagen, ehe sich die 200 Kilo Mehrgewicht bemerkbar machen und es etwas gemächlicher zugeht. Im Stadtverkehr schwimmt der Saubermann locker mit, und dass die Höchstgeschwindigkeit auf 160 km/h abgeregelt ist, stört bei dem umweltbewussten Riesen nicht weiter.

Etwa 900 der insgesamt 1000 Brennstoffzellen-Autos von Hyundai werden nach Europa gelangen, der Rest dann fast komplett nach Kalifornien. Allerdings ist nicht Deutschland der Brennpunkt, sondern Skandinavien. Die ersten 15 Exemplare des ix35 fahren bereits durch Kopenhagen, Lieferungen nach Schweden und Norwegen sind bereits fest eingeplant.

Der Kundenkreis ist exklusiv

Allerdings handelt es sich bei den Abnehmern nicht um Privatkunden. Denn nicht jeder wird das Auto zur geplanten Einführung im Jahr 2015 kaufen können, räumt Christian Löer aus ein. Anfangs sollen die 1000 Exemplare des ix35 mit Brennstoffzelle ausschließlich Firmen und Behörden als Leasing-Produkt zur Verfügung stehen.

Als Grund nennt Löer die mangelnde Infrastruktur: Derzeit gibt es in ganz Europa weniger als 100 Wasserstoff-Tankstellen, deshalb betrachtet Hyundai den Einsatz der Fahrzeuge nur dort als sinnvoll, wo die Benutzer meistens die gleiche Strecke fahren und eine nahgelegene Möglichkeit zum Tanken haben.

Für Privatkunden ist der Wagen wohl auch noch unerschwinglich. Denn während die Hyundai-Leute über die Technik detailliert Auskunft geben, schweigen sie zu Fragen nach den Kosten. Nicht einmal die Höhe der Leasing-Rate will Löer verraten. Branchenkenner schätzen die Kosten für ein Brennstoffzellenauto derzeit aber auf etwa 100.000 Euro.

Damit der Durchbruch gelingt, darf ein wasserstoffbetriebenes Fahrzeug nicht viel mehr kosten als ein vergleichbares Exemplar mit Verbrennungsmotor. Löer stellt weitere 10.000 Autos für 2015 und danach deshalb erst einmal nur in Aussicht. Mit der geplanten Serienfertigung geht es Hyundai um Präsenz statt Profit und um Erfahrung statt Ertrag.

Die Idee ist laut Löer, endlich den ersten Schritt zu wagen, statt immer weiter auf die Infrastruktur zu warten. "Ans Geldverdienen", sagt er, "ist bei der Brennstoffzelle im Augenblick noch nicht zu denken."

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