IAA-Blog Besuch bei den Rückrufrekordhaltern

Takata-Schriftzug: "Werden die Situation meistern"
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Takata-Schriftzug: "Werden die Situation meistern"


Ein Unternehmen, das seine Produktion innerhalb weniger Monate fast verdreifacht: Klingt doch eigentlich herrlich. Takata kann solche Zahlen auf der IAA vorweisen - allerdings gibt sich der Zulieferer angesichts der Umstände der Steigerung kleinlaut.

Denn der sagenhaften Erhöhung der Auslieferung ging eine Rückrufaktion von monströsem Ausmaß voraus: Seit Mitte 2013 mussten mehrere Autohersteller weltweit mehr als 50 Millionen Autos in die Werkstätten rufen. Grund dafür waren mangelhafte Airbags von Takata; bei ihnen besteht die Gefahr, dass sie zu heftig auslösen und dabei Splitterteile durch das Auto fliegen. Der Defekt forderte mindestens sechs Todesopfer, mehrere hundert Menschen wurden dadurch verletzt.

Hinter Takata liegt also ein Horrorjahr, dessen Tiefpunkt im Mai erreicht war: In den USA wurden auf einen Schlag mehr als 30 Millionen Autos mit Takata-Airbags zurückgerufen. Ein trauriger Rekord.

Dringender Bedarf an Ersatzteilen

Vielleicht war es deshalb umso wichtiger für das Unternehmen, auf der IAA Präsenz zu zeigen. Experten rechnen damit, dass die Kosten für die Rückrufaktionen in die Milliarden gehen. Die Verdreifachung der Produktionszahlen war bei Takata dringend notwendig, sonst hätten Autohersteller und Werkstätten nicht genügend Ersatzteile für den Austausch der möglicherweise defekten Airbags. Mittlerweile werden laut Angaben einer Sprecherin eine Million Ersatzeinheiten pro Monat gefertigt.

Ob Takata das Vertrauen der Kunden zurückgewinnt, bleibt abzuwarten. In den USA wird die Arbeit des Zulieferers derzeit von unabhängigen Experten analysiert. Ein Team um den ehemaligen US-Verkehrsminister Samuel Skinner durchleuchtet die Fertigungsprozesse und wird anschließend Vorschläge unterbreiten, wie die Qualität in Zukunft gesichert werden kann. Diese Anweisungen werden laut der Takata-Sprecherin öffentlich gemacht.

Bevor der fatale Defekt die Rückrufwelle anstieß, kam etwa jeder fünfte Airbag aus einer Takata-Fabrik. Auch in Deutschland hat der japanische Zulieferer mehrere Werke und Forschungsstandorte. Wie es nach der erzwungenen Aufstockung der Produktionszahlen weitergeht, ist noch unklar. Auf dem IAA-Stand sind vorerst nur Durchhalteparolen zu hören: Takata habe ein gutes finanzielles Polster, heißt es dort. "Die Situation" werde man "meistern".



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1 Leserkommentar
anmich 20.09.2015

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