Anlässlich der IAA in Frankfurt am Main Oberbürgermeister feuert Breitseite gegen Autoindustrie ab

Frankfurts Stadtoberhaupt Peter Feldmann ist bei der IAA-Eröffnung nicht zu Wort gekommen - offiziell aus Zeitgründen. Seine Rede veröffentlichte der Autoindustrie-Kritiker trotzdem.
Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann darf keine Eröffnungsrede auf der IAA halten

Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann darf keine Eröffnungsrede auf der IAA halten

Foto: Jan Huebner/ imago images

Seit vielen Jahren spricht außer der Bundeskanzlerin Angela Merkel auch Frankfurts Oberbürgermeister am Eröffnungstag der IAA ein paar Worte. Vor ein paar Tagen jedoch informierte der Verband der Automobilindustrie (VDA), Ausrichter der Messe, den OB Peter Feldmann darüber, dass für ihn diese Jahr keine Redezeit vorgesehen sei. Die offizielle Begründung des Verbands: Zeitmangel.

Schon länger ist der Oberbürgermeister aber für seine kritische Haltung gegenüber der Autobranche und seinen Einsatz für eine nachhaltige Klimapolitik bekannt. Bereits vor zwei Jahren sprach Feldmann auf der IAA davon, dass man das Thema Auto "überdenken" müsse und sprach von einem drohenden Verkehrskollaps. "Über Jahrzehnte galten Paradigmen wie größer, schneller, komfortabler. Das muss sich zukünftig ändern" sagte er damals.

Aus dem Umkreis Feldmanns, der auch Aufsichtsratsvorsitzender der Messe Frankfurt GmbH ist, hört man, dass es damals auf der IAA 2017 zum Eklat zwischen dem OB und den Ausrichtern der Messe kam.

VDA dementiert Einladung Feldmanns

Der VDA behauptet, Feldmann nie als Redner auf die diesjährige IAA eingeladen zu haben. Die Messe habe in diesem Jahr eine internationale Ausrichtung, weshalb die Rednerliste begrenzt werden musste.

Der Büroleiter des Oberbürgermeisters behauptet hingegen, dass es durchaus eine Einladung gegeben habe, die der VDA vor zehn Tagen plötzlich zurücknahm. Der VDA bat demnach um Verständnis, "dass wir beim geplanten neuen Konzept bleiben werden und ein zusätzliches Grußwort zeitlich leider nicht mehr darstellbar ist".

Damit ersparte sich der VDA offenbar tatsächlich einen Affront. Denn auch für die diesjährige IAA hatte Feldmann eine kritische Rede vorbereitet, die dem VDA zum Zeitpunkt der Absage allerdings noch nicht bekannt war. Darin kritisiert Feldmann erneut die Autoindustrie und findet sogar lobende Worte für Protestaktionen von Umweltaktivisten.

OB lobt Umweltaktivisten

In Bezug auf den Dieselskandal prescht Feldmann gleich zu Beginn seiner auf Facebook veröffentlichten Rede  gegen die Hersteller vor. Es brauche "eine Automobilindustrie, die sich gesetzeskonform verhält", steht im Redemanuskript. Und weiter: " Beweisen wir, dass deutsche Innovationskraft nicht darin besteht, gesetzliche Vorgaben zu umgehen, sondern die umweltschonendsten und zukunftsfähigsten Produkte zu entwickeln."

Feldmann kritisiert auch die gerade stark diskutierten SUV und fordert die Branche zu einem Umdenken in der Mobilität auf. "Frankfurt braucht mehr Busse und Bahnen, aber nicht mehr SUV." Es könne nicht sein, dass immer mehr Parkhäuser gebaut würden, weil die Autos zunehmend zu groß für die bestehenden Stellplätze geworden seien. "Wir brauchen eine Mobilitätswende, um den Klimawandel aufzuhalten", fordert Feldmann weiter. Es brauche einen ökologischen Umbau der Industrie, bei dem niemand auf der Strecke bleibe, weder die Verbraucher, noch die Beschäftigten der Branche, aber auch nicht die Umwelt.

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Foto: Christian Frahm/ SPIEGEL ONLINE

Zum Schluss bedankt sich Feldmann für die Demonstrationen auf der IAA: "Als Oberbürgermeister bin ich allen, die sich an Demonstrationen beteiligen, dankbar, weil es ihnen nicht vorrangig um das eigene Wohl, sondern um eine gute Zukunft für uns alle und den Kampf gegen den Klimawandel geht." Dieser Einsatz sei nicht naiv, sondern dringend notwendig. Man solle den Einsatz der vielen jungen Menschen gegen den Klimawandel nicht als Bedrohung, sondern als große Chance betrachten.

cfr
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