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IAA-Blog BMW feiert die Serienversion des E-Sportlers i8

Wow! Als BMW auf der IAA seinen E-Sportler i8 auf die Bühne rollt, denkt man: Coole Studie, aber wenn das Ding in ein paar Jahren auf den Markt kommt, sieht es garantiert nicht mehr so doll aus. Doch genau das ist falsch. Dort auf der Bühne steht ein Serienfahrzeug.

Und was für eins: Alleine an den Luftkanälen zwischen den Rückleuchten und dem Dachrahmen möchte man minutenlang verharren, weil es ein so unerhörtes Designelement ist. Doch viel interessanter als die Optik ist die Technik, die unter der Carbon- und Kunststoff-Karosserie steckt. Denn sie bedeutet eine Zeitenwende im Sportwagenbau.

Oberflächlich betrachtet handelt es sich dabei um einen Plug-in-Antriebstrang. Nichts Besonderes eigentlich, in einem Auto wie dem i8 aber eine Revolution. Jahrzehntelang waren Sportwagen nämlich zwangsverheiratet mit hubraumstarken, durstigen Kraftwerken. Je mehr Zylinder, desto besser. Im i8 hingegen steckt als Verbrenner ein Dreizylindermotor. Mit läppischen 1,5 Liter Hubraum.

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IAA-Blog: BMW stromert sportlich

Foto: JOHANNES EISELE/ AFP

Dass der Wagen trotzdem in 4,4 Sekunden auf 100 spurtet, liegt an dem cleveren Zusammenspiel mit der Elektromaschine, die die Vorderräder antreibt - und dürfte dazu führen, dass Sportwagenfans ihre alten Glaubensgrundsätze beherzt über Bord werfen können.

Wenn man den Auftritt von BMW auf der IAA 2013 in einem Gedanken zusammenfassen müsste, wäre es dieser: Die Bayern schaffen es, Dinge begehrenswert zu machen, die vorher eher unbeliebt waren.

Das Thema E-Mobilität zum Beispiel. Wer hätte noch daran geglaubt, der Abgesang war schon angestimmt. Und dann kommt BMW mit dem i3. Vom Antriebsstrang her keine Revolution, ein Elektroauto halt. Aber die Verpackung stimmt: Während die Konkurrenz eher lustlos Elektromotoren in bereits vorhandene Modelle stopft, stampfen die Bayern für i3 und i8 eine komplett neue Fertigung für die Karbonkarosserie aus dem Boden. Dort wird die Fahrgastzelle mehr gestrickt, denn gebaut. Gibt es ein besseres Bild, um zu verdeutlichen, dass hier etwas ganz anders läuft, als man es bisher gewohnt war?

Das Endprodukt ist ein Elektroauto, das eben bewusst anders aussieht - und das man genau deswegen haben will. Viele kleine Details wie die gegenläufig öffnenden Türen, trennscheibendünne Reifen, Holz auf dem Armaturenbrett, Türverkleidungen aus nachwachsenden Fasern und ein vollkommen unkonventionelles Cockpit: Plötzlich fühlt sich Elektromobilität nicht mehr wie eine Bürde an, sondern wie etwas, woran man teilhaben will. Was cool ist.

Natürlich darf man die dunkle Seite von BMW nicht vergessen. Es waren wohl vor allem die Bayern, die gegen das 95-Gramm-CO2-Ziel der EU für die gesamte Flotte eines Herstellers lobbyierten. Immer wieder beklagt sich auch BMW öffentlich über eine zu geringe Anrechnung von Elektroautos auf den Flottenverbrauch. Und auf der IAA wurde auch wieder deutlich, warum: Das Gros der BMW-Flotte besteht eben auf lange Sicht noch aus zu vielen, zu großen und damit zu durstigen konventionellen Autos. Ein Trumm wie das BMW-Erfolgsmodell X5 ist nun mal die Antithese zu Autos wie dem i3.

Trotzdem kann man nicht anders, als BMW Respekt zu zollen für das, was sie mit i3 und i8 begonnen haben. Im Vergleich zu dem, was alle anderen Hersteller auf der Messe zeigen, wirken diese beiden Autos, als wären sie aus der Zukunft zu uns geschickt. So werden Autos wohl in zehn Jahren sein, denkt man bei beiden. Doch das ist falsch. Sie sind schon jetzt so.