IAA-Blog Mercedes hat sein Pulver verschossen

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Viele Autohersteller gönnen sich auf der IAA am Abend vor dem ersten offiziellen Pressetag noch eine Feier. Dort werden in nicht ganz so nüchterner Manier wie auf den Pressekonferenzen am Folgetag die Neuheiten bekannt gegeben. Bei der Präsentation treten oft namhafte Bands auf, es gibt gutes Essen und viel zu trinken. Die Hersteller berauschen sich an ihren neuen Karren und lassen es richtig krachen.

Nach der Party von Mercedes und Smart auf der IAA stellt sich die Frage, ob diese Präsentationen überhaupt noch sinnvoll sind. Denn wirklich Neues wurde dort nicht gezeigt. Das ist vor allem das Ergebnis der Salami-Taktik in Punkto Veröffentlichung, die bei den Herstellern immer mehr um sich greift: Stück für Stück werden die Neuheiten schon Tage, teils Wochen vor der Messe an die Medien gegeben. So auch bei Mercedes.

Die viersitzige Smart-Studie FourJoy wurde bereits am Freitag über die Medienkanäle gepustet. Die autonom fahrende S-Klasse beherrschte die Online-Medien schon am Montag morgen, nur wenige Stunden vor der Präsentation auf der Messe. Auch die S-Klasse mit Plug-In-Hybrid und die elektrifizierte B-Klasse, die beide in Frankfurt auf die Bühne fuhren und 2014 auf den Markt kommen, sind in Wahrheit alte Hüte.

Kein Wunder, dass der für einen Deutschen Konzernchef ansonsten durchaus mit Entertainer-Qualitäten gesegnete Zetsche in Frankfurt müde wirkte, wo er doch den Massen begeistern sollte.

Das ist vor allem deshalb schade, weil Mercedes mit der S-Klasse mit Autopilot durchaus eine Sensation im Köcher gehabt hätte. Man kann sich gar nicht genug vor Augen halten, was diese Entwicklung für uns Autofahrer bedeutet. Das, was wir in unserer Kindheit in Science-Fiction-Filmen gesehen haben, wird jetzt Wirklichkeit.

Und der kleine Trailer, der in Frankfurt während der Präsentation auf der Bühne gezeigt wurde und der die Testfahrt der Techniker auf der Bertha-Benz-Strecke dokumentierte, hatte einen echten Gänsehaut-Effekt - der leider durch den "Kenn-ich-schon-Effekt" etwas minimiert wurde. Einen Pfeil für die Herzen der Zuschauer sollte man sich eben immer bis zum Schluss aufheben.



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4 Leserkommentare
alius007 10.09.2013
Ex-Kölner 10.09.2013
rongilless 10.09.2013
Hirnretter2.0 10.09.2013

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