IAA-Premierenpartys Vorglühen mit Bio-Schwein

Vor dem offiziellen Start der Internationalen Automobilausstellung (IAA) luden die Hersteller zu einem Dutzend PS-Partys. Die Konzerne feierten sich wie eh und je, aber Kaviar und Schampus sind in Zeiten des Klimawandels allerdings Ökohäppchen und Bio-Brause gewichen.


Beinahe wäre das Schwäbisch-Hallsche Sattelschwein ausgestorben. Doch jetzt wird das Tier wieder gezüchtet, unter nachhaltigen Bedingungen. Wie so eine Öko-Sau schmeckt, durften gestern Abend die Gäste der General-Motors-Premieren-Nacht in Frankfurts Bockenheimer Depot probieren.

Auf der GM-Party gab es ausschließlich Eco-Food, wie beispielsweise Forellen aus dem Königssee oder Lammragout vom Rhönschaf; dazu reichten Kellner unter an die Decke projizierten Wolken das In-Getränk Bionade. Die Mischung aus Zen-Garten und Bioladen sollte den richtigen Rahmen bieten für eine Auto-Weltpremiere: das Elektrofahrzeug Opel Flextrem.

Der Wagen mit Lithium-Ionen-Batterie kann 55 Kilometer mit Batterieleistung fahren. Geht ihm dann der Saft aus, springt ein 1,3-Liter-Dieselmotor mit 75 PS an, um Strom zu erzeugen, damit die elektrische Reise weitergehen kann. Für GM ist diese Art von Elektroauto, die abgasfreies Fahren auf den allermeisten Alltagsstrecken ermöglicht, eine plausible Antwort auf die aktuellen Mobilitätsfragen.

Das Karosseriedesign des windschlüpfrigen Autos stammt von Boris Jacob. "Details wie die Formgebung der Flanken, die grafischen Elemente an den Scheinwerfern und Fenstern oder auch das neuartige Dach wollen wir durchaus auch in künftigen Serienmodellen aufgreifen", lobte er seine Arbeit. Die Technik des Autos werde "bereits im kommenden Jahr ausgereift und fahrfertig" sein, erläutert General-Motors-Vice-Präsident Bob Lutz.

VW bot die größte Show

In der Ballsporthalle Höchst trieb der VW-Konzern einen noch größeren Aufwand. In dem nüchternen Zweckbau, in dem sonst die Frankfurt Skyliners Basketball spielen, inszenierten die Wolfsburger unter dem Motto "Driving Ideas" eine langatmige Show mit acht Weltpremieren.

Unter den Augen des österreichischen Konzern-Patriarchen Ferdinand Piëch, begann das große Enthüllen: Audi-Chef Rupert Stadler zog das Tuch vom neuen A4; Skoda-Chef Detlef Wittig präsentierte den Fabia Combi als Scout; Bugatti zeigte mit dem Modell Pur Sang eine noch exklusivere Version des exklusivsten Sportwagens der Welt, die Nutzfahrzeugsparte stellte dem Caddy Maxi vor, und Lamborghini-Chef Stephan Winkelmann präsentiert Reventón, von dem es nur 20 Exemplare geben wird – zum Nettopreis von einer Million Euro pro Auto. Seat zeigte eine Geländewagenstudie, Bentley das stärkste Serienmodell.

Zum Schluss stellte Konzernchef Martin Winterkorn den VW Up! vor. Der Zweitürer ist die Studie eines neuen Kleinwagens, den der Konzern als Käfer-Nachfolger positionieren möchte. 3,45 Meter kurz ist der Wagen, er verfügt über einen Heckmotor und soll auf jeden Fall in Serie gehen – mit weniger als drei Liter Verbrauch.

Außerdem ändert Volkswagen, wie Winterkorn gestern verlautbarte, seinen Slogan. Nicht mehr die "Liebe zum Automobil" ist es, die das Unternehmen in Zukunft antreibt. Die neue, eher deskriptive Botschaft lautet: "Volkswagen. Das Auto".

Aston in der Disko

Etwas bescheidener ging es bei Ford zu, die Kölner hatten eine Hand voll Gäste ins Restaurant Nizza am Main geladen, wo Deutschland-Chef Bernhard Mattes bei Tunfisch und Rinderfilet die Runderneuerung des Kompaktwagens Focus im kommenden Jahr verkündete. Der erhält nun auch das neue, markentypische Design. Bis auf das Dach, so erklärt es Ford-Marketingchef Jürgen Stackmann, seien sämtliche Karosserieteile neu.

Weniger deutlich unterscheidbar von den anderen Modellen der Marke ist der neue Aston Martin DBS, den die Briten im Frankfurter Cocoon-Club vorstellten. Offenbar waren auch potenzielle Kunden geladen, denn es drängten sich zahlreiche Herren in dunklen Anzügen in Begleitung sehr junger Damen in eher knappen Textilien ums Auto. Außerdem kündigte die Uhrenmarke Jaeger-Le Coultre eine für DBS-Käufer exklusive Armbanduhr an, mit der sich das Auto öffnen lässt. Kostenpunkt: 22.000 Euro.

Gefeiert wurde auch bei Renault, und zwar in der Jahrhunderthalle, wo Konzernchef Carlos Ghosn vor 450 Gästen die Welt aus seiner Perspektive erklärte und das Laguna Coupé, den neuen Kangoo und zwei Dacia-Debütanten vorstellte. Chrysler hatte ins Restaurant Remise eingeladen und präsentierte dort zu Häppchen und Buffet den Dodge Journey.

Sehr bodenständig ging es hingegen bei Suzuki zu. Die Japaner hatte weder Akrobaten noch in Laserlicht getauchte Konzeptautos dabei. Stattdessen gab es im Präsidium 19/11 die Möglichkeit, bei Barbecue und Bier auf der Carrera-Bahn Rennen zu fahren oder sich an der Nintendo-Konsole Wii zu duellieren. Wichtige Nachrichten waren Fehlanzeige - vielleicht die ehrlichste Art, sich selbst zu feiern.

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