IAA-Trend Sportwagen Pferdestärken statt Correctness

Elektroautos, Familienwagen und Hightech-Seifenkisten - das ist nur die eine Seite der IAA. Weit spektakulärer jedoch sind die Neuheiten für die Vollgasfraktion. Allen Spritsparbemühungen zum Trotz debütieren in Frankfurt am Main auffällig viele Sportwagen.

Peter Schmalfeldt/Porsche

Von , Frankfurt am Main


Dr. Jekyll tat es wenigstens heimlich. Wenn sich der freundliche Arzt in sein mörderisches Alter Ego Mr. Hyde verwandelte, durfte es keiner wissen. Die Autoindustrie ist da weniger zimperlich. Im Gegenteil: Weil sie am Spagat zwischen Vernunft (Spritsparen) und Vergnügen (Sportlichkeit) trefflich verdienen und die Vollgas-Freunde zu ihren treuesten Kunden zählen, zeigen die Hersteller auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) nicht nur billige Kleinwagen, praktische Familienautos und batteriebetriebene Zukunftsvisionen. Mindestens genauso offensiv betreiben die Autobauer das traditionelle Wettrüsten und locken mit Sportwagen in allen Preis- und PS-Klassen.

Unbestrittener Star der Show ist der neue Porsche 911, dessen Geschichte 1963 genau hier auf der IAA begann. Heute, 48 Jahre und sieben Generationen später, steht die Neuauflage der Sportwagen-Ikone im Rampenlicht und schlägt mit bekanntem Design und neuer Technik die Brücke zwischen gestern und morgen. Denn natürlich ist der neue 911 der schnellste und stärkste in der Geschichte der Baureihe. Und mit einem Verbrauch von 8,2 Liter je 100 Kilometer ist er auch der sparsamste.

Während es den Porsche 911 vorerst nur als Coupé gibt, lupfen andere Sportwagen das Verdeck und wecken im frühherbstlichen Frankfurt bereits die Vorfreude auf den nächsten Frühling. Ferrari beispielsweise präsentiert den 458 Italia zwei Jahre nach dessen Debüt auch als offenen Spider, und die schnelle Mercedes-Schwester AMG reicht den SLS jetzt als Roadster nach. Der Preis der offenen Version des Flügeltürers klettert zwar um rund 10.000 Euro auf 195.160 Euro aber dafür wird er zum stürmischsten Modell der schwäbischen Marke - bis zu 317 km/h sind möglich.

Die Bestelleingänge für die beiden offenen Autos sind nach Angaben ihrer Hersteller so gut, als gäbe es nicht die geringste Skepsis gegenüber den hemmungslos übermotorisierten Zweisitzern. Die Konkurrenz hat auf der IAA keine komplett neuen Modelle zu bieten, dafür aber extreme Sondermodelle. Den mittlerweile etwas angestaubten Lamborghini Gallardo etwa gibt es für etwa 60.000 Euro Aufpreis jetzt als Variante Super Trofeo Stradale. Hundertfünfzig Mal soll die straßenzugelassene Version des Rundstrecken-Rennwagens gebaut werden: mit 70 Kilogramm weniger Gewicht und zehn PS mehr Leistung.

Sprungbereit: Ein Bugatti mit Porzellan-Verkleidung

Nach dem gleichen Muster gestrickt ist die auf 333 Exemplare limitierte GT-Sonderserie des Audi R8 Spyder. Bei diesem Auto sinkt das Gewicht um 85 Kilo, während Leistung und Preis steigen - und zwar um 35 PS und um 40.000 Euro. Es geht aber immer noch ein bisschen absurder. Der exklusivste Supersportwagen in Frankfurt ist der Bugatti Veyron L'Or Blanc". Erstmals bei einem Auto sind Karosserie und Innenraum mit Porzellan-Applikationen versehen, die den 1001 PS-Boliden zum absoluten Einzelstück machen.

Es muss jedoch nicht immer ein flach geducktes Muskelpaket sein, Sportwagen treten auch in ganz anderer Form auf. So lockt zum Beispiel BMW die Schnellfahrer mit der 560 PS starken Neuauflage des M5, und bei Audi stehen gleich drei neue S-Modelle für die Baureihen A6, A7 und A8 im Rampenlicht. Sie alle fahren mit einem neuen V8-Motor mit 420 oder 520 PS vor, der genau wie im ebenfalls zur IAA enthüllten Mercedes SLK 55 AMG (422 PS) mit einer Zylinderabschaltung arbeitet. Ruft man die volle Leistung ab, kochen die Motoren auf acht Töpfen. Rollt man dagegen nur gemächlich dahin, wird in nur vier Zylindern Sprit verbrannt. Das soll den Verbrauch um bis zu 30 Prozent senken.

Große Leistung, hoher Preis - diese Gleichung gilt natürlich quer durch alle Segmente, die bislang beschriebenen Fahrzeuge kosten fast durchweg sechsstellige Beträge. Doch die Überholspur ist in Frankfurt nicht nur reichen Rasern vorbehalten. Auch viele bürgerlichen Modelle spielen auf der IAA mit den Muskeln. Und so dreht sich bei Ford ein neuer Focus ST im Rampenlicht, den es mit einem 250 PS starken Turbo-Vierzylindermotor zum ersten Mal auch als Kombi geben wird. Und VW hat vom neuen Retro-Modell Beetle prompt eine extra sportliche R-Version enthüllt. Die trägt zwar noch den Beinamen "Concept", ist aber beschlossene Sache. Weil das Grundmodell des Autos bereits 200 PS erreicht, wird es im Motorraum wohl auf das 265 PS starke Aggregat aus dem Golf R hinauslaufen. Aus der Nostalgiekugel wird eine Kanonenkugel.

Kroatischer Elektro-Sportwagen mit 1088 PS

Den Trend zum Downsizing gibt es übrigens auch bei den Sportwagen. Und zwar in der Hinsicht, dass auch extra-potente Kleinwagen vorgestellt werden. Darunter ein Ford Fiesta ST mit 180 PS. Und auch ein Abarth 695 Competizione, der aus dem Fiat 500 einen putzigen Rabauken mit Riesenspoiler macht, der ebenfalls mit 180 PS antritt.

Zwar spricht die Autowelt gern vom großen Wandel, in dem die Branche derzeit stecke. Doch sind die PS-Premieren von Frankfurt ganz sicher nicht die letzten ihrer Art. Seriennahe Sportwagenstudien wie der Alfa Romeo 4C und der Toyota FT-86 II künden bereits von baldigen Nachschub. Und Technologieträger wie der Jaguar C-X16 oder der BMW i8 zeigen, dass man auch in vermeintlich grünen Autos ordentlich Gas geben und mit Hybridantrieb die Überholspur stürmen kann. Wer daran zweifelt, dem sei ein Besuch bei Rimac in der Halle 4, der "Halle der Elektromobilität" empfohlen: Der elektrische Renner aus Kroatien soll rund 1,5 Millionen Euro kosten und zählt mit einer Leistung 1088 PS zu den stärksten Autos der gesamten Messe.



insgesamt 27 Beiträge
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Seite 1
TylerD. 22.09.2011
1. ..
Alles sofort verbieten ! Desweiteren fordere ich ein Tempolimit von 120km/h. Es kann ja wohl nicht angehen, dass manche Leute etwas fahren, was schneller ist als mein Polo mit BiohybridbluefficiencyE10greentechnology. So ich hoffe, dass sich das damit auch erledigt hat. Sehr schöne Autos dabei, besonders das Fiesta ST Konzept gefällt mir, auch der neue 911er ist nicht schlecht aber ich hätte mir gewünscht, dass sie beim Design doch noch etwas mutiger werden.
antizins 22.09.2011
2. Gaehn!!!
Zitat von sysopElektroautos, Familienwagen und Hightech-Seifenkisten - das ist nur die eine Seite der IAA.*Weit spektakulärer jedoch sind die Neuheiten für die Vollgasfraktion.*Allen Spritsparbemühungen zum Trotz debütieren in Frankfurt auffällig viele Sportwagen. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,787142,00.html
Am Wesen der Deutschen soll die Welt genesen... "Wesen" heisst in Deutschland aber wohl Sozialneid oder Ersatzreligion CO2...
Pepito_Sbazzagutti 22.09.2011
3. Bitte nicht meht Mut
Zitat von TylerD.Alles sofort verbieten ! Desweiteren fordere ich ein Tempolimit von 120km/h. Es kann ja wohl nicht angehen, dass manche Leute etwas fahren, was schneller ist als mein Polo mit BiohybridbluefficiencyE10greentechnology. So ich hoffe, dass sich das damit auch erledigt hat. Sehr schöne Autos dabei, besonders das Fiesta ST Konzept gefällt mir, auch der neue 911er ist nicht schlecht aber ich hätte mir gewünscht, dass sie beim Design doch noch etwas mutiger werden.
Oh nein, bitte nicht mehr Mut beim Design eines Porsche 911. Mir persönlich hat seinerzeit der Mut beim Entwurf des 996 (1997-2006) gereicht.
TylerD. 22.09.2011
4. ..
Zitat von Pepito_SbazzaguttiOh nein, bitte nicht mehr Mut beim Design eines Porsche 911. Mir persönlich hat seinerzeit der Mut beim Entwurf des 996 (1997-2006) gereicht.
Zugegeben, der 996 war auch in meinen Augen ein Designunfall aber das heißt trotzdem nicht automatisch, dass ein anderes Design auch mies aussehen muss. Der neue 11er gefällt mir auch gut aber wie gesagt, ein bischen mutiger hätten sie sein dürfen.
Gibsonman 22.09.2011
5. ^^^^^^^
Zitat von antizinsAm Wesen der Deutschen soll die Welt genesen... "Wesen" heisst in Deutschland aber wohl Sozialneid oder Ersatzreligion CO2...
Ebenfalls Gähn ... ich bin jedenfalls froh, dass es immer noch Autos gibt, die einen nicht nur von A nach B bringen, sondern auch noch jede Menge Spaß machen und nicht von der Ökodiktatur verboten werden. Da trenne ich lieber Müll bis zum Aumfallen als auf freie Fahrt für freie Bürger zu verzichten :)
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