Mobilität

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IAA-Überblick

Premierenfieber in Frankfurt

Gedränge, Gedröhne, Getöse – der Wirbel, den die Hersteller auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt um insgesamt 88 Pkw-Weltpremieren veranstalten, ist immens. SPIEGEL ONLINE gibt Orientierung im Debütanten-Dickicht.

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Mittwoch, 12.09.2007   16:55 Uhr

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Mercedes-Fahrer rund ums Frankfurter Messegelände dürften zumindest irritiert gewesen sein, als sie gestern Abend eine Art Seiden-Kondom über den Kühler-Stern ihrer Karosse gestreift fanden. Ein Gag, den sich der schwäbische Autobauer ausgedacht hatte, um für Original Ersatzteile zu werben – also auch für den Mercedesstern, der ja angeblich das meistgebrauchte Ersatzteil der Marke ist.

Die Aktion ist beispielhaft, denn im Trubel der Novitäten fällt nur der auf, der mit hohem Einsatz zu Werke geht. Audi lockte das Publikum mit einem Auftritt des kanadischen Rocksängers Bryan Adams, um die neuen Modelle A4, RS6 Avant und den überarbeiteten A8 in Szene zu setzen. Ferrari ließ den Supersportwagen 430 Scuderia vom Ex-Formel-1-Champion Michael Schumacher enthüllen, bei Subaru brachte Rallye-Ass Petter Solberg Prominenz an den Messestand und bei Mercedes wurde der gegenwärtig in der Formel 1 führende Fahrer Lewis Hamilton gesichtet.

Freude am Sparen statt Vollgas-Kracher

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Gerade bei den deutschen Herstellern ist zu spüren, wie sie vergangene Umwelt-Versäumnisse jetzt mit aller Macht aufholen wollen. "Vernunft. Jetzt aufregend" steht zum Beispiel als Motto auf der eigens errichteten Halle von BMW, einem gleißend weißen Reich mit schicken Autos, etwa dem frischen 1er Coupé oder dem bulligen Concept X6, die scheinbar nur noch die Freude am Sparen vermitteln sollen. Und auch bei Mercedes stehen im Erdgeschoss die sauberen – wenn auch erst in einigen Jahren verfügbaren – Modelle, während die Vollgas-Kracher den ersten Blick insofern entzogen sind, als sie in der ersten Etage parken.

Bei Opel glimmen hunderte grüner Glühlämpchen ums Elektroauto Flextreme und die Corsa-Hybrid-Studie sowie den neuen Kleinwagen Agila; Ford wiederum räumt den neuen, sparsamen Econetic-Modellen eine Menge Platz neben der SUV-Studie Kuga und dem Kleinwagen-Konzept Verve ein. Nur auf der VW-Pressekonferenz ist nichts von CO2 zu hören. Und auch ihre schadstoffarmen Bluemotion-Typen erwähnen die Wolfsburger eher beiläufig und fast schon etwas verschämt. Wollen sie auf Krampf anders sein als alle anderen? Im Mittelpunkt jedenfalls stehen der neue Kompakt-SUV Tiguan und die Studie Up.

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Porsche bleibt, das war zu erwarten, standhaft auf der linken Spur. GT2 und Cayenne GTS heißen die Protagonisten der Show, letzterer ein Geländewagen mit 405 PS. Da fällt kaum auf, dass auch eine Hybrid-Studie auf dem Messestand in Halle 5 steht, doch die kommt frühestens in zwei Jahren auf die Straße. Im Moment zählen andere Modelle.

Kombis zum Beispiel. Cadillac zeigt den ersten Kombi der Firmengeschichte auf Basis der Limousine BLS. Honda rückt die Studie eines Accord Kombi ins Rampenlicht, Mini zeigt die fünftürige Variante Clubman mit Extra-Stauraum, Hyundai den Kompaktwagen i30 mit verlängertem Heck und Mercedes erstmals das T-Modell der C-Klasse. Auch der Retro-Kombi Chevrolet HHR gehört in die Liga der Lademeister und ebenso der Skoda Fabia Combi, der neue Renault Kangoo und der um 47 Zentimeter verlängerte VW Caddy Maxi.

Die Chrysler-Gruppe zeigt zum ersten Mal in Europa die neue Großraumlimousine Voyager, die Marke Jeep tritt mit dem frischen Allradler Cherokee an und Dodge tut sich mit einer Van-Weltpremiere namens Journey hervor.

Die Kleinen trumpfen auf

Vor allem auch die Autozwerge kommen in Frankfurt bei dieser 62. IAA groß heraus. Smart trumpft mit dem 98 PS starken Smart Brabus auf, Daihatsu feiert die Premiere des neuen Cuore und Fiat zeigt den noch taufrischen 500er. Auch Toyota trumpft bei den Knirpsen auf und präsentiert die Studie des kleinsten Viersitzers der Welt. Sie trägt den Namen IQ Concept und könnte dereinst dem Smart den Spaß verderben.

Eine Nummer größer stehen bei Kia die dreitürige Variante des Cee’d im Mittelpunkt, bei Subaru der neue Impreza sowie bei Peugeot der neue 308. In der Mittelklasse wiederum debütieren in Frankfurt der Renault Laguna inklusive einer sportlich geschnittenen Coupé-Variante mit Allradlenkung, der bildhübsch geratene Mazda 6 und der aggressiv wirkende Mitsubishi Lancer.

Einige Studien sollte man auch beachten. Etwa den unorthodox aussehenden und konzipierten Hybrid-Wagen Citroen C-Cactus, das große Citroen-Cabrio Airscape, den Ssangyong WZ, der am Heck stark an die Nissan-Designsprache erinnert und Suzukis erstes Modell, das in der Mittelklasse punkten soll. Die Studie trägt den programmatischen Namen Kizashi. Übersetzt heißt das Vorgeschmack.

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