Angaben zu Verbrauchswerten Briten verschärfen Regeln für Autowerbung

Bei vielen Autos ist es unmöglich, den vom Hersteller beworbenen Spritverbrauch zu erreichen. Grund dafür ist der realitätsferne Testzyklus. In Großbritannien werden die Autobauer nun zu mehr Transparenz verdonnert - und müssen ihre Werbung mit einem Hinweis versehen.

Audi A3 1,6 TDI: Ein Autokäufer in England beschwerte sich über irreführende Werbung
AUDI

Audi A3 1,6 TDI: Ein Autokäufer in England beschwerte sich über irreführende Werbung


Hamburg - Autofahrer sind häufig enttäuscht, wenn sie bei ihren Neuwagen den vom Hersteller angegebenen Spritverbrauch erzielen wollen. Denn so sparsam wie in der Verkaufsbroschüre versprochen sind die Fahrzeuge tatsächlich nur selten. In Großbritannien will die Werbeaufsichtsbehörde nun von vornherein vermeiden, dass sich Käufer falsche Hoffnungen auf die Genügsamkeit ihres Autos machen. Demnach sollen die Fahrzeughersteller künftig bei ihrer Werbung darauf hinweisen, dass der Wagen mehr Sprit verbrauchen könnte als offiziell angegeben.

Hintergrund ist laut britischen Medienberichten die Beschwerde eines Kunden, der sich bei der Advertising Standards Authority (ASA) über den Durst seines Audi A3 1,6 TDI beklagte. Der Wagen wird in Großbritannien als "sparsamster Audi aller Zeiten" beworben und soll eine Reichweite von 68,9 Meilen pro Gallone Sprit (mpg) bieten. Weil der Kunde diesen Wert aber nicht erreichen konnte, kritisierte er die Werbung bei der ASA als irreführend.

Audi räumte in einer Stellungnahme ein, dass die offiziellen Angaben zu Durchschnittsverbrauch und Co2-Emission die Werte im Alltag nicht "akkurat" widerspiegeln könnten, sondern nur als Vergleichsgrößen zwischen verschiedenen Modellen dienten. Gleichzeitig wies das Unternehmen darauf hin, dass die Werte in einem standardisierten Testzyklus ermittelt werden, damit alle Hersteller einheitliche Angaben machen könnten.

"Das wird Auswirkungen auf alle Fahrzeughersteller haben"

Dabei handelt es sich um den Messzyklus NEFZ (Neuer Europäischer Fahrzyklus). Die Bedingungen für die Verbrauchsermittlung sind in der europäischen Richtlinie 93/116 EWG festgelegt. Der Zyklus wird von Verbraucherverbänden und Umweltorganisationen schon seit langem als realitätsfern kritisiert. Um bei dem Test möglichst gut abzuschneiden, setzen Autobauer beispielsweise auf Leichtlaufreifen mit extrem erhöhtem Reifendruck und auf Motoröl mit minimalen Reibbeiwerten. Zur Verringerung des Motorwiderstands klemmen einige sogar die Lichtmaschine ab.

Die Bedingungen dieses Zyklus seien den Kunden bekannt, rechtfertigte sich Audi gegenüber der ASA. Genau diesem Einwand widersprach die Behörde nun: Es sei zwar nachvollziehbar, dass die Werte in einheitlichen Tests ermittelt werden - aber es könne nicht vorausgesetzt werden, dass die Käufer über die Rahmenbedingungen Bescheid wissen. Audi wurde deshalb aufgefordert, den Testzahlen einen entsprechenden Hinweis hinzuzufügen um explizit deutlich zu machen, dass sie nur zum Vergleich dienen und sich von den tatsächlichen Verbrauchswerten unterscheiden können.

Ein ASA-Sprecher sagte, die Entscheidung sei wegweisend für eine verbesserte Transparenz und nicht nur auf Audi beschränkt: "Das wird Auswirkungen auf alle Fahrzeughersteller haben." Der Hinweis könnte also künftig in jeder Autowerbung auftauchen.

cst/dpa

Mehr zum Thema


insgesamt 59 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
papawanki 09.04.2013
1. Sehr witzig...
Da kommt dann ein winziges Sternchen dazu. Und ganz unten in der Werbung zu dem Sternchen dann eine noch kleinere Erklärung "Wert kann in der Praxis abweichen" Effekt ? Null. Da gehört einfach der NEFZ geändert. Muß doch möglich sein, den Verbrauch von einer unabhängigen Behörde auf einer realistischen Strecke testen zu lassen....
ctwalt 09.04.2013
2. Verbrauchsangaben.......
Durschnitsverbrauchswerte mit Spezialreifen, ohne aktive Lichtmaschine etc. zu ermitteln und anzugeben, ist Betrug! Ich bringe sonst eine Glühampe auf den markt, die offiziell keine Energie verbraucht (solange sie ausgeschaltet ist....)
erlachma 09.04.2013
3.
Aber kommt es nicht immer auch auf den eigenen Fahrstil und v.a. auf die Strecke an? Mein Audi A3 2.0 TDI hat eine Herstellerangabe von 5,5l/100km - auf meiner Hauptstrecke (täglich 2x25km, davon 22km ohne Ampeln mit konstant 75) liegt mein Verbrauch bei 3,3l/100km. Wenn ich mal in die Innenstadt muss, mit vielen Ampeln und immer mal wieder Stauungen, liegt der Verbrauch bei 6,7l/100km. Welchen Wert soll nun Audi bitteschön heranziehen? Was macht einen "realistischen" Verbrauchswert aus? Das einzige, was ich gelten lassen würde wären Änderungen beim Hybrid: dort wird der volle Stromspeicher leergefahren, und nur der Benzinverbrauch auf den restlichen Kilometern gezählt. Und der ist je nach Größe des Stromspeichers natürlich unterschiedlich, und damit kann man diese Fahrzeuge nicht mehr vergleichen.
n+1 09.04.2013
4. Das nützt nichts
Dass die Werksangaben nach Euro-Norm Unsinn sind, weiß jeder. Außer der EU-Kommission. Den Gipfel der Lächerlichkeit liefern die japanischen Hybrid-Autos. Bessere Ergebnisse liefern die ADAC-Verbrauchstests. Aber auch bei denen darf man getrost "Schleichfahrt" unterstellen.
ulrich_frank 09.04.2013
5. Der Ausweg wäre doch sehr einfach -
Verbrauchstests aller Marken und Modelle einer staatlichen Materialprüfungsanstalt überantworten. Oder wären die, im Zeitalter des Staates auf dem Abstiegsast, damit auch schon überfordert?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.