Gesundheitsnotstand Neu-Delhi verhängt jetzt auch Fahrverbote

Die Millionenstadt Neu-Delhi erstickt im Smog. Der Gesundheitsnotstand ist ausgerufen, Fahrverbote sind verhängt, Schulkinder tragen Schutzmasken. Der Regierungschef der Region klagt: "Die Menschen können kaum atmen".

Jewel SAMAD/ AFP

Um die starke Luftverschmutzung unter Kontrolle zu bekommen, hat die Regierung von Neu-Delhi Fahrverbote verhängt. Private Autos dürfen nur an wechselnden Tagen auf den Straßen fahren, je nachdem, ob sie Nummernschilder mit geraden und ungeraden Zifferkombinationen haben. Schulen bleiben geschlossen, Baustellen wurden stillgelegt.

Die gemessenen Werte der Feinstaubpartikel PM 2,5, einer festgelegten Partikelgröße, erreichten in Neu Delhi in den vergangenen Tagen 900 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Zum Vergleich: In Deutschland gilt ein durchschnittlicher Grenzwert von 20 Mikrogramm. Bei einer Überschreitung von 50 Mikrogramm werden in einigen Großstädten Fahrverbote verhängt.

Über die 20-Millionen-Stadt legt sich jeden Winter eine Smogglocke, verursacht durch Fahrzeug- und Industrieabgase sowie Bauern, die in der Umgebung der Hauptstadt abgeerntete Felder abbrennen.

Jetzt will auch Indien den Dieselmotor verbannen

"Überall ist Rauch, und die Menschen - Junge, Kinder und Alte - können kaum atmen", sagt Arvind Kejriwal, Regierungschef der Hauptstadtregion Delhi. Die Luftverschmutzung sei so schlimm, dass viele Menschen sogar über brennende Augen klagten.

Kejriwals Regierung veranlasste daher Fahrverbote, welche pro Tag jeweils die Hälfte der Autos in der Millionenstadt betreffen. Sie sollen vorerst zwei Wochen lang gelten. In Schulen findet schon seit Freitag kein Unterricht statt, die Behörden verteilten fünf Millionen Atemschutzmasken an Schulkinder. Baustellen wurden vorerst bis Dienstag stillgelegt.

Auch andere Teile des Landes sind von dem dichten Smog betroffen. Zum Schutz des berühmten Mausoleums Taj Mahal brachten die Behörden einen Luftreiniger zu Indiens wichtigstem touristischen Wahrzeichen, das rund 250 Kilometer südlich der Hauptstadt steht. Die Behörden befürchten, dass die teilweise giftige Luft die Marmorkonstruktion aus dem 17. Jahrhundert schädigen könnte.

Umweltschützer forderten Indiens Ministerpräsident Narendra Modi auf, "Führung zu übernehmen" und das Problem endlich anzugehen. 14 Städte in Indien gehören nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu den 15 am stärksten verschmutzten Städten weltweit. Experten zufolge verursacht der Feinstaub in Indiens Städten mehr als eine Million vorzeitige Todesfälle pro Jahr.

Der größte Autohersteller des Landes hat bereits reagiert. Maruti-Suzuki, mit einem Marktanteil von 51 Prozent, will künftig auf den Diesel verzichten. Derzeit ist rund jeder vierte in Indien verkaufte Maruti ein Diesel.

Eine politische Lösung des Smogproblems scheiterte bislang allerdings an Meinungsverschiedenheiten zwischen Parteien und den Regierungen der einzelnen Bundesstaaten.

cfr/AFP



insgesamt 38 Beiträge
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josho 04.11.2019
1. In der Bekämpfung dieses Problems......
. sollte sich dieses Land als "Top Player" in der Welt hervortun - statt Waffenkäufe und Weltraumprojekte.
RealSim 04.11.2019
2. Von Deutschland lernen
Da muss sich Neu-Delhi einfach ein Beispiel an Deutschland nehmen und in ein, zwei Straßen die Durchfahrt für Diesel sperren und dann gibt sich das schon wieder :)
chrismuc2011 04.11.2019
3.
Indien sollte zuerst einmal die uralten Tata LKWs und die 2-Takt Mopeds incl. alter 2-takt Tuk Tuks aus dem Verkehr ziehen. Ein moderner Diesel in einem Maruti stößt sicher nur 1/1000 von Schadstoffen aus als ein Ruß qualmender alter Tata.
karl-felix 04.11.2019
4. Was
hilft ist die Steigerung der Effizienz und die Umstellung von Verbrennung fossiler Primärenergiie auf die Stromerzeugung durch die Sonnenenergie: Wind, Sonnenstrahlen, Wasser. In Europa haben wir das sowohl in London als auch im Ruhrgebiet erlebt , eine Leben verkürzendeSchinderei für die leidenden Menschen . Raus aus der Kohle, so schnell es geht- rein ins Solarzeitalter.
MioMioMimi 04.11.2019
5.
Vom Diesel auf Benziner umzusteigen, wird das Problem wohl nicht lösen.
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