Indisches Billigauto Produktion des Tata Nano startet im März

Er ist klein, untermotorisiert - und kostet nur 1600 Euro: Der Nano des indischen Autoherstellers Tata Motors wird ab Ende März vom Band rollen. Den Discount-Pkw wird es auch in Deutschland geben. Bereits kommende Woche wird auf dem Genfer Salon eine europäische Version vorgestellt.


Berlin/Hamburg - Wieder einmal könnte es Ratan Tata gelingen, der versammelten Automobil-Elite die Show zu stehlen. Als der Vorstandschef von Tata Motors im vergangenen Jahr seinen Nano auf dem Genfer Salon präsentierte, kam es zu tumultartigen Szenen; Journalisten rempelten und schubsten einander - nur um einen Werbeprospekt zu bekommen. Keine andere Pkw-Premiere am Lac Léman erzeugte einen ähnlichen Wirbel. Diesmal wird Tata in Genf die europäische Variante seines Kleinwagens präsentieren. Nachdem es Schwierigkeiten mit dem Standort des neuen Werkes gegeben habe, solle die Produktion nun zunächst in einer der bestehenden Fabriken in Kleinserie aufgenommen werden, sagte Ratan Tata der "Bild"-Zeitung.

Den Pkw werde es mit Diesel- und mit Benzinmotor geben, erklärte Tata. In der ersten Verkaufsphase solle das Auto 1600 Euro oder rund 2000 Dollar kosten. "Wir haben versprochen, dass der Nano nur etwa 2000 Dollar kosten wird, und wir werden dieses Versprechen halten - zumindest am Anfang und für eine bestimmte Zeit", sagte Tata.

Der Billigwagen solle auch in Deutschland und Europa verkauft werden. Die europäische Version soll die EU-Abgas- und Sicherheitsstandards erfüllen. Der Verkaufspreis könne hier bei rund 5000 Euro liegen. "Wir wollen aber zunächst den indischen Markt bedienen und 500.000 bis eine Million Fahrzeuge im Jahr hier verkaufen", sagte Tata.

Hintergrund: Tata Nano
Technische Daten
AFP
Der Nano wird mit einem 33 PS starken 623-Kubikzentimeter-Zweizylindermotor angetrieben, der im Heck untergebracht ist. Die dreitürige Basisversion ist 3,10 Meter lang, 1,50 Meter breit und 1,60 Meter hoch. In Europa soll der Wagen ein Dreizylinder-Aggregat erhalten.
Preis
Mit rund 1700 Euro kostet der Nano die Hälfte des bislang weltweit billigsten Modells. Der QQ3 des chinesischen Herstellers Chery wird bei den Autohändlern in der Volksrepublik für rund 3400 Euro angeboten. Der Nano soll im März 2009 in den Verkaufsräumen der indischen Händler stehen. Experten erwarten, dass der Viersitzer weltweit in vielen Schwellenländern Käufer finden wird. In Europa wird es das Fahrzeug vermutlich ab 2012 geben - für rund 5000 Euro.
Sicherheit
Der Nano hat eine Metallkarosserie und serienmäßig Sicherheitsvorkehrungen wie Knautschzone, verstärkte Türen und Sicherheitsgurte. Er erfüllt nach Herstellerangaben die indischen Sicherheitsstandards. Die Europa-Version erhält Airbags und ein NCAP-Crashtest-Rating.
Umweltschutz
Durch die Verarbeitung von Kunststoffen ist das Auto leicht und verbraucht weniger als vier Liter Benzin auf 100 Kilometer. Das entspräche CO2-Emissionen von 94,8 g/km. Umweltschützer befürchten aber, dass durch hohe Verkaufszahlen der sparsame Verbrauch relativiert wird. Dem Chef des Weltklimarats, Rajendra Pachauri, bereitet der Kleinwagen nach eigenen Worten "Alpträume".

hil/Reuters



© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.