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09. Juni 2012, 10:13 Uhr

Induktives Ladesystem für E-Busse

Kraft ohne Kabel

Laden ohne Ladekabel, sozusagen durch die Luft - hört sich erst mal nach Science-Fiction an. Aber was bei elektrischen Zahnbürsten klappt, soll nun auch die innerstädtische Mobilität revolutionieren. Ein erfolgreicher Langzeitversuch gibt Hoffnung, dass es klappen könnte.

Es ist nur ein kleines Jubiläum, doch es ist eigentlich revolutionär mit Blick auf eine umweltfreundliche, innerstädtische Mobilität. Bereits seit zehn Jahren fahren in den italienischen Städten Turin und Genua insgesamt 30 Elektrobusse, die besonders leistungsfähig und effizient sind, weil ihre Blei-Gel-Batterien zwischendurch immer mal wieder aufgeladen werden. Das geschieht ganz ohne Kabel und auch sonst berührungslos: nämlich über induktives Laden. Bei dem Vorgang wird der Strom von einer Primärspule in der Fahrbahndecke der Haltestelle in eine Abnehmerspule im Fahrzeugboden des Busses übertragen.

Entwickelt und installiert hat diese Technik die deutsche Firma Conductix-Wampfler aus Weil am Rhein. IPT heißt das Verfahren, die Abkürzung steht für "Inductive Power Transfer". Durch das kurze, regelmäßige Laden bleibt die Batterie der Busse länger leistungsfähig. Und: Insgesamt kann der Akku dadurch kleiner, leichter und deshalb auch billiger sein. Zudem wird nach Angaben des Herstellers die Zellchemie der Batterie nicht so stark beansprucht, die häufigen Kurzladungen verlängern also auch noch die Lebensdauer des Stromspeichers.

200 Kilometer abgasfrei

Komplett vollgeladen werden die Akkus der Busse über Nacht. Danach fahren die von je einem 162 PS starken Elektromotor bewegten Wagen - deren Akkus wie beschrieben an einigen Haltestellen während des Aus- und Einsteigens der Fahrgäste immer wieder kurz geladen werden - rund 200 Kilometer weit völlig abgasfrei durch die Stadt.

Die derzeit noch höheren Anschaffungskosten der Elektrobusse gegenüber Fahrzeugen mit Dieselmotor würden sich nach spätestens vier Jahren amortisieren, heißt es in einer Studie aus den USA, wo in Los Angeles und Chattanooga jetzt ähnliche Elektrobus-Projekte mit Induktionsladung gestartet wurden.

Der Elektrobus gilt als verheißungsvolles Nahverkehrsfahrzeug der Zukunft, vor allem aufgrund der hervorragenden Energiebilanz und seiner Eigenschaft als Null-Emissions-Fahrzeug. Und ein einfaches und effizientes Schnellladesystem funktioniert inzwischen auch zuverlässig, wie die Beispiele aus Turin und Genua zeigen.

jüp

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