Insolvenz abgewendet Erster deutscher Maut-Tunnel bleibt geöffnet

Der Warnowtunnel in Rostock gilt als Pilotprojekt der privaten Straßenbaufinanzierung. Weil das Maut-Konzept nicht aufgeht, standen der Betreiber kurz vor der Pleite und das Projekt vor dem Aus. Jetzt ist zwar die Insolvenz abgewendet – aber die Autofahrer müssen länger zahlen.


Rostock - Die Insolvenz des ersten deutschen Maut-Tunnels ist vorerst vom Tisch: Der Konzessionsvertrag für den Rostocker Warnowtunnel wird von 30 auf 50 Jahre verlängert. Die Bürgerschaft der Hansestadt Rostock stimmte gestern Abend einem entsprechenden Antrag der Stadtverwaltung zu. Damit sei eine Insolvenz der Warnow-Querungsgesellschaft (WQG) "definitiv abgewendet", sagte deren Geschäftsführer Matthias Herrmann. Die Autofahrer müssen nun aber bis zum Jahr 2053 für die Fahrt durch den Tunnel im Nordwesten der Stadt Maut bezahlen.

Warnowtunnel (Archivbild): Nur 10.500 Autos passieren die Röhre am Tag
DPA

Warnowtunnel (Archivbild): Nur 10.500 Autos passieren die Röhre am Tag

Die Röhre ist Deutschlands erstes privatfinanziertes Verkehrsprojekt. Grund für den finanziellen Engpass der WQG ist, dass der Tunnel seit der Eröffnung im September 2003 weit weniger genutzt wird als erwartet. Statt 20.000 Fahrzeuge passieren ihn täglich nur 10.500 Autos. Sinkende Einwohnerzahlen, der nicht ausgelastete Rostocker Hafen und die inzwischen fertig gestellte kostenlose Ostsee-Autobahn als Alternative zum Tunnel haben den Prognosen offenbar einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Herrmann rechnet dennoch damit, dass die Zahl der täglichen Nutzer langfristig auf 15.000 bis 16.000 Fahrzeuge steigen wird. Autofahrer zahlen zwischen 1,50 Euro und 2,50 Euro pro Tunnel-Passage, Lkw-Fahrer rund 17,50 Euro.

Die Gesellschafter der WQG, der französische Baukonzern Bouygues Travaux Publics und Macquarie Infrastructure aus Australien, sowie 14 Banken haben seit 1999 rund 220 Millionen Euro in den 790 Meter langen Tunnel investiert. Nach Angaben Herrmanns haben die beiden Gesellschafter bereits knapp 41 Millionen Euro als Verlust abgeschrieben, die Banken 70 Millionen Euro an Krediten gestundet. Durch die Konzessionsverlängerung glaubt er die WQG nun auf der sicheren Seite.

Im vergangenen Jahr machte die WQG laut Herrmann einen Umsatz von rund sechs Millionen Euro. Allein drei Millionen Euro braucht die WQG aber jedes Jahr für Personal und Instandhaltung.

har/afp



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