Motorradmesse Intermot Scooter-Alarm

Ducati, KTM, BMW - große Namen im Motorradgeschäft. Zur Leitmesse Intermot in Köln brachten die Hersteller doch nur wenig Neues mit. Gut, dass wenigstens die Hersteller von E-Bikes und -Rollern überraschten.

Jochen Vorfelder

Claudio Domenicali, der Chef von Ducati, war sichtlich relaxed für eine Messe-Auftaktpräsentation: entspanntes Outfit, Jeans und ein bequemer Sweater, hier eine launige Bemerkung, dort viel Gelächter. Es lief ja auch gut: Der Italiener konnte am vergangenen Dienstag in Köln auf der Intermot, der wichtigsten Motorradmesse Deutschlands, schöne Fahrzeuge vorstellen - allesamt überarbeitete Modelle der Untermarke Scrambler, mit den Namen Full Throttle und Desert Sled, in den optimistischen Signalfarben Perlweiß und Rot-Orange.

Dennoch konnten die leuchtenden Lackierungen das düstere Signal für die Intermot nicht verdecken: Die deutsche - und nach eigenem Anspruch auch internationale - Leitmesse war für den italienischen Hersteller gerade noch gut genug für Updates bei der Tochter Scrambler. Die Kernmarke Ducati zeigte in Köln: nichts. Was 2019 wichtig wird, wird in vier Wochen auf der Eicma in Mailand gezeigt. Das gilt nicht nur für Ducati.

Weitere Beispiele: Honda und KTM. Der japanische Branchen-Grösus breitete auf enormer Standfläche das Modellprogramm des laufenden Jahres aus und verzichtet ganz auf die Präsentation einer Neuheit - erstaunlich, wenn man sich an vergangene Technik-Feuerwerke nicht zuletzt auch in Köln erinnert. Das japanische Highlight in der Rheinstadt: Selfies auf der kleinen Honda Monkey. Der kleine Retro-Flitzer wurde schon vor zwölf Monaten in Italien gezeigt.

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Motorradmesse Köln 2018: Das waren die Trends der Intermot

Auch KTM tauchte in Köln ohne Premierenfahrzeug auf. Die vollmundige Versicherung, eine mit Voll-LED-Licht und TFT-Display aufgebrezelte KTM 1290 Super Duke GT sei eine bahnbrechende Messeneuheit und gerade für das deutsche Biker-Publikum von echtem Interesse, war reichlich wenig.

München - Köln: Es ist kompliziert

Deprimierend auch die Präsenz von BMW Motorrad, dem deutschen Hersteller schlechthin, der mit einem auffallend kleinen Stand aufwartete. Das ist ok, wenn die vorgestellten Neumodelle eine Überraschung sind - doch genau daran haperte es: Die "Highlights", die Enduro R 1250 GS und der Reisetourer R 1250 RT, waren schon drei Wochen vorher öffentlich bekannt.

Warum die Münchner und die anderen großen Hersteller - mit wenigen Ausnahmen wie Suzuki mit der neuen Katana oder Indian mit seiner FTR 1200 - die Intermot im Jahr 2018 zu einer Regionalmesse degradierten - das bleibt ihr Geheimnis, aber ist sicherlich auf ein angespanntes Budgets zurückzuführen, denn der Motorradmarkt kämpfte in den vergangenen Jahren mit rückläufigen Zulassungszahlen.

Köln wirft aber grundsätzliche Fragen auf: Brauchen Fans und potentielle Käufer eine überregionale Messe noch, wenn alle Fakten sich im Internet finden? Brauchen die Hersteller eine Messe, wenn die Händler ihre Kunden vor Ort bedienen?

Raus aus dem E-Ghetto

Richtig optimistisch stimmt dagegen, wie sich die Hersteller von Elektrofahrzeugen in Köln inzwischen ihren festen Platz in den großen Messehallen erkämpft haben. Vor vier Jahren etwa war die Elektromobilität in Köln gefühlt noch ein launiges Randthema, abgekoppelt vom Messegeschehen in einem eigenen Themenbereich.

Jetzt sind Hersteller wie Niu, Energica oder Happy Scooter zumindest räumlich unter den Großen angekommen und zeigen ihre aktuellen Modelle in unmittelbarer Nähe von Kawasaki, Triumph oder Suzuki. In der Gunst der Messebesucher messen sich also die E-Schwalbe oder die Energica EVA direkt mit dem den neuen Kawasaki 125 Kubik-Modellen oder der Suzuki Katana. Das tut allen Marken gut.

Ohnehin kommt Bewegung in den E-Markt. Der taiwanesische Hersteller Kymco verkauft ab Frühjahr nicht nur die beiden E-Scooter New Like 110 EV und Nice 100 EV, sondern will auch das eigene ionex-Ladenetz aufbauen. Der Clou bei dem System: Die Kymco-Roller sind zusätzlich zu den zwei Wechselbatterien mit einer fest verbauten Kernbatterie ausgerüstet, die immer noch Mobilität bis zur nächsten Ladestation verspricht.

Ob die Roller-Akkus gekauft, geleast oder nur gegen Ladegebühr genutzt werden - Kymco hält sich bisher noch alle Optionen offen. Mit welchem großen Partner Kymco das deutsche ionex-Ladesystem aufbauen will, soll bis März 2019 entschieden werden.



insgesamt 10 Beiträge
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dolfi 05.10.2018
1. Regional, saisonal.
Dass die EICMA der Intermot den Rang ablaufen würde, war schon seit einigen Jahren abzusehen. Das gleiche direkt hintereinander zu zeigen, macht für keine Firma Sinn, insbesondere wenn die beiden Messen fast am gleichen Ort stattfinden. Die Italiener sin einfach Motorrad-affiner, als die Deutschen. Deshalb ist es auch an der Zeit, beide Veranstaltungen zu überdenken. Und da hat die Intermot momentan die eindeutig schlechteren Karten. Ich selbst fahre zur EICMA, einfach der cooleren Atmosphäre halber.
Neandiausdemtal 05.10.2018
2. Enttäuschend - bin Dienstag dort gewesen.
So hat die Intermot keinen Sinn mehr. Entweder die Hersteller präsentieren da ihre Neuigkeiten oder sie tun das in Mailand anläßlich der EICMA. Es sieht derzeit gut für die Mailänder aus, leider!
komatzu 06.10.2018
3. hoffentlich bald mehr e Motorräder auf den Strassen
auch Lärm ist UmweltVerschmutzung und im Vergleich zu Autos sind die Motorräder viel lauter. zu laut. insbesondere die kleinen nervigen Roller sollten nur als Elektro Version erlaubt sein.
Harald Schmitt 06.10.2018
4. Kunden vergraulen
Ich verstehe die großen Hersteller nicht. Auf den meisten Messen, auch in der Hauptstadt Berlin sind viele nicht mehr vertreten. Bei den Händlern stehen nicht alle Modelle auf Halde, nirgends kann man sich also das volle Programm ansehen oder Probefahren. Bei teilweise schon Preisen über 20k€ wäre das aber der Wunsch potentieller Käufer das Ding nicht einfach aus dem Katalog blind zu bestellen oder warten bis mal einer eins bestellt um es beim Händler anzusehen und dann noch mal monatelang bis das eigene geliefert wird. Es gibt auch mittlerweile zu dämliche Marketinstrategen, die dann das Motorrad am Ende der Saison auf den Markt werfen, sich wundern dass es nicht gut läuft, 6 Monate später das neue Modell mit Verbesserungen rausbringen, dann weil keiner das mittlerweile 6 Monate ältere Modell und die Überproduktion des Winters möchte machen die dann Prämienaktionen von 1000€. Jeder der sich dann was gekauft hat fühlt sich veräppelt, ärgert sich und kauft nie wieder was von denen! Zubehörfür neue Modelle haben die dann leider auch nicht, falls man mit dem Motorrad auf große Tour möchte, nicht mal die völlig überteuerten wasserdurchlässigen Stofftaschen für 600€ mit gruseligen Haltern für 220€ extra.
power.piefke 06.10.2018
5. @ komatzu
fahren sie Motorrad? die schnarchnasigen Autofahrer jedenfalls sind für mich die größte Gefahr. da soll ich mich, fast unsichtbar, auch noch unhörbar machen? quasi mut tarnkappe und ohne schild?! klaro.... ich reize seit einiger Zeit mit meinem Motorrad (1100er) den gesetzlichen Rahmen voll aus, und siehe da: weniger hakelige Situationen mit autofahrern. es gilt eben doch: loud pipes safe lifes. Ob es ihnen gefällt oder nicht, so lange die autofahrer im Handy-Traumland-Modus unterwegs sind, mache ich zu meinem eigen Schutz krach. Reine Selbstverteidigung....
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