Comeback der Cabrios auf der IAA Alles wieder offen

Das Cabrio, einst Ausdruck automobiler Lebensfreude, war zwischenzeitlich aus der Mode gekommen. Auf der IAA erlebt die Fahrzeuggattung jetzt eine Renaissance.

Daimler

VW Eos, Renault Wind, Peugeot 207 CC und 308 CC, Opel Tigra Twin Top - diese Cabrio-Modelle haben eine traurige Gemeinsamkeit: Sie wurden in den vergangenen Jahren abgeschafft.

Ihre Namen stehen stellvertretend für den Niedergang der Autos zum Aufklappen, denn mit der Wirtschaftskrise ging es weltweit mit der Nachfrage bergab. Als die Jahre wieder fetter wurden, wollten die Menschen dann lieber hohe statt offene Wagen - die SUVs boomten zu Lasten der Cabrios. Doch jetzt gibt es Anzeichen für einen Umschwung.

"Das globale Verkaufsvolumen von Cabrios hat sich bei rund 600 Millionen Euro im Jahr stabilisiert", sagt Andreas Radics von der Münchner Strategieberatung Berylls. Zudem prognostiziert der Marktexperte für die kommenden Jahre Zuwachsraten von bis zu 35 Prozent.

Die besten Zukunftschancen sieht er für offene Supersportwagen und Luxuslimousinen: "Wegen ihres hohen Prestigewerts werden die auch dort gut laufen, wo gewöhnliche Cabrios eher verschmäht werden: In den Wachstumsmärkten China, Brasilien oder Indien."

Sonnendeck erster Klasse

Dass Radics mit seinen Vorhersagen richtig liegen könnte, beweisen mindestens drei Cabrios, die auf der IAA in Frankfurt bald ihre Weltpremiere feiern.

Zum ersten Mal seit 2007 wird beispielsweise Rolls-Royce ein neues Cabrio vorstellen. Das Modell Dawn hat mit Preisen ab 330.000 Euro das Zeug zur teuersten IAA-Neuheit. Streng genommen ist diese Sommeryacht auf Rädern nichts anderes als eine offene Version des Wraith.

Doch diese Einschätzung will Rolls-Royce-Designchef Giles Taylor natürlich nicht gelten lassen. Allein das Dach des 570 PS starken Luxusgefährts ist mit einer Fläche von fast fünf Quadratmetern das größte Cabrioverdeck am Markt, sagt er.

Rolls-Royce Dawn: 570 PS und skurrile Extras
Rolls-Royce

Rolls-Royce Dawn: 570 PS und skurrile Extras

Außerdem soll der Geräuschpegel im geschlossenen Dawn so dezent sein wie in einem Auto mit fester Haube. Taylor spricht vom "leisesten Cabrio der Welt". Wird der Dawn dann geöffnet, faltet eine Hydraulikpumpe sowie ein halbes Dutzend E-Motoren das Dach so eng zusammen, dass es im Kofferraum nicht mehr Platz beansprucht als das Verdeck des BMW 2er - und der ist kaum halb so groß.

Auch Mercedes setzt wieder auf die Kombination aus Exklusivität und Frischluft. Nach 44 Jahren melden sich die Schwaben mit dem neuen S-Klasse Cabrio im Segment der offenen Luxus-Viersitzer zurück. Nach Angaben von Mercedes-Entwicklungschef Thomas Weber wurde der komplette Hinterwagen der S-Klasse neu entwickelt. Durch die Konstruktion aus Vollaluminium wiege das Cabrio nicht mehr als das Coupé.

Der Winzling unter den Cabrios

Etwas stürmischer als die offenen Limousinen von Mercedes und Rolls-Royce sind zwei andere IAA-Neuheiten. Ferrari stellt den 488 GTB Spider vor - das Auto braucht drei Sekunden, um von null auf Tempo 100 zu beschleunigen und 14 Sekunden, um das Alu-Dach im Heck zu versenken. Und wenn Porsche das Facelift für den 911 auf die Bühne fährt, wird dort auch gleich das aufgefrischte Cabrio zu sehen sein.

Es werden aber nicht ausschließlich Cabrios jenseits der 100.000 Euro in Frankfurt gezeigt; auch am anderen Ende der Preisskala tut sich was. So lässt Daimler zum Beispiel beim Smart Fortwo die Hüllen fallen. Von den Vorgängern der offenen Variante des Stadtmobils haben die Schwaben immerhin 220.000 Exemplare verkauft.

Wie die Zukunft des Cabrios aussehen könnte, demonstriert Citroën. Der französische Hersteller beschwört dabei mit dem Cactus M die Erinnerung an den legendären Méhari herauf. Der Clou dieser Studie ist ein Pop-Up-Zelt als Verdeck, das statt eines Gestänges nur ein bisschen Druckluft in den eingenähten Schläuchen braucht.

Die Studie Citroën Cactus M: Hommage an den Méhari
Citroen

Die Studie Citroën Cactus M: Hommage an den Méhari

Das Open-Air-Modell von Citroën ist zwar ganz gewitzt, aber so komfortabel wie Mercedes S-Klasse und Rolls-Royce Dawn wird das Cabrio wohl auch in Serienfertigung niemals werden. Denn bei dem Ziel, den offenen Autos zu einem Comeback zu verhelfen, wollen die Edelhersteller möglichst wenig Wind machen.

In der S-Klasse soll beispielsweise ein automatischer Windschott im Rahmen der Frontscheibe Sturmfrisuren verhindern. Und sollte es doch mal etwas zugig werden, sorgen eine elektronische Nackenheizung und erwärmbare Armauflagen fürs Wohlbefinden. Ohnehin lässt sich die Klimaanlage so einstellen, dass immer die gleichen Temperaturen an Bord herrschen - unabhängig davon, ob das Dach offen oder geschlossen ist.

Ein Windschott suchte man in den Cabrios von Rolls-Royce bislang übrigens vergeblich. Beim Phantom Drophead Coupé wurde beispielsweise aus ästhetischen Gründen auf das Gatter verzichtet. Doch wenn die Erfolgsaussichten für teure Cabrios so gut sind, will die Traditionsmarke ihren Kunden wohl keine Zugluft zumuten: Im Dawn wird Rolls-Royce deshalb zum ersten Mal seit über 100 Jahren ein Windschott anbieten.



insgesamt 50 Beiträge
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Seite 1
Crom 11.09.2015
1.
Ich liebe mein Cabrio und möchte ich mich Sommer am liebsten nur noch oben ohne fahren. Mittlerweile kann man mit den Cabrios auch auf der Autobahn ordentliche Geschwindigkeiten hinlegen ohne das es unangenehm wird, aber am schönsten ist es natürlich auf der Landstraße.
olli08 11.09.2015
2. Viel (frische) Luft um Nichts ...
Designstudien, Luxus-Cabrios für Sonntagsfahrer mit überschwerer Brieftasche, und ein Elefantenrollschuh. Wo bitte sind die realexistierenden Cabrios, die bezahlbar sind UND als Alltagsfahrzeug taugen? Dieses ständige: "Gucken, aber nicht anfassen" der Autohersteller geht mir auf die Nerven.
graf.koks 11.09.2015
3. Das ist ja grausam!
Abgesehen von Porsche und Ferrari, die ohnehin als zweisitzige Sportwagen eine Klasse für sich darstellen, bekommt man beim Betrachten des Restes der abgebildeten Karren tatsächlich einen Augenkrebs! Und was hat der Smart überhaupt unter der Rubrik "Auto" zu suchen? Das Design dieser Asphaltwarze muß wohl unter LSD-Einfluß entstanden sein. Insbesondere der Mercedes sieht aus wie eine aufgeblasene Riesensau für Freizeit-Zuhälter aus Schwabing. Wie lächerlich schaut man in dieser Kiste als Fahrer aus, wenn wegen der extrem hochgezogenen Seitenlinie nur noch so eben der Kopf zu sehen ist – wie ein Zwerg im Mercedes! Und diese Firma hatte einst die wohl schönsten Cabrios wie z.B. den W111/112 gebaut? Und dann dieser verbreitete Möchtegern-Modernismus nach asiatischem Geschmack, der anscheinend direkt aus den Filmstudios von Star Wars kommt! Dagegen stellt sogar der alte SAAB 900 SPG Cabrio von vor 25 Jahren mit seiner atemberaubend klaren Keilform ein Musterbeispiel von unvergänglicher Modernität dar, das man heute noch als konsequent und wegweisend modern betrachten könnte – und das war ein volltauglicher Viersitzer mit reichlich Platz hinten. Wann kommt endlich mal einer, der den neuen Designern entweder den Griffel und die Tastatur wegnimmt oder das seltsame Kraut, das sie rauchen?
MartinS. 11.09.2015
4. ...
Zitat von graf.koksAbgesehen von Porsche und Ferrari, die ohnehin als zweisitzige Sportwagen eine Klasse für sich darstellen, bekommt man beim Betrachten des Restes der abgebildeten Karren tatsächlich einen Augenkrebs! Und was hat der Smart überhaupt unter der Rubrik "Auto" zu suchen? Das Design dieser Asphaltwarze muß wohl unter LSD-Einfluß entstanden sein. Insbesondere der Mercedes sieht aus wie eine aufgeblasene Riesensau für Freizeit-Zuhälter aus Schwabing. Wie lächerlich schaut man in dieser Kiste als Fahrer aus, wenn wegen der extrem hochgezogenen Seitenlinie nur noch so eben der Kopf zu sehen ist – wie ein Zwerg im Mercedes! Und diese Firma hatte einst die wohl schönsten Cabrios wie z.B. den W111/112 gebaut? Und dann dieser verbreitete Möchtegern-Modernismus nach asiatischem Geschmack, der anscheinend direkt aus den Filmstudios von Star Wars kommt! Dagegen stellt sogar der alte SAAB 900 SPG Cabrio von vor 25 Jahren mit seiner atemberaubend klaren Keilform ein Musterbeispiel von unvergänglicher Modernität dar, das man heute noch als konsequent und wegweisend modern betrachten könnte – und das war ein volltauglicher Viersitzer mit reichlich Platz hinten. Wann kommt endlich mal einer, der den neuen Designern entweder den Griffel und die Tastatur wegnimmt oder das seltsame Kraut, das sie rauchen?
Wie das halt so ist - Geschmack liegt ja bekanntlich im Auge des Betrachters... oder in diesem Fall eher beim Käufer. Man baut nun mal das, was sich verkaufen lässt - mag sein, dass ihnen das nicht gefällt, aber sprechen sie dabei tatsächlich stellvertretend für den allgemeinen Geschmack? Die Entwicklung eines Automodells ist ja doch ein nicht unerheblicher Kostenfaktor... und allzu viele Fehlgriffe oder reine Prestigeprojekte kann sich da kaum ein Hersteller erlauben. Wenn etwas nicht so läuft, wie man es sich erhofft hat, dann wird's halt notgedrungen mit einem "lessons learned" aus der Produktion genommen. Sie mögen die derzeit üblichen Fahrzeugformen nicht? Nun gut - das ist kaum zu überhören (bzw. -lesen). Aber so ganz daneben scheinen die Designer zumeist denn doch nicht zu liegen.
manni.baum 11.09.2015
5. Bearbeitungszeit
Zitat von MartinS.Wie das halt so ist - Geschmack liegt ja bekanntlich im Auge des Betrachters... oder in diesem Fall eher beim Käufer. Man baut nun mal das, was sich verkaufen lässt - mag sein, dass ihnen das nicht gefällt, aber sprechen sie dabei tatsächlich stellvertretend für den allgemeinen Geschmack? Die Entwicklung eines Automodells ist ja doch ein nicht unerheblicher Kostenfaktor... und allzu viele Fehlgriffe oder reine Prestigeprojekte kann sich da kaum ein Hersteller erlauben. Wenn etwas nicht so läuft, wie man es sich erhofft hat, dann wird's halt notgedrungen mit einem "lessons learned" aus der Produktion genommen. Sie mögen die derzeit üblichen Fahrzeugformen nicht? Nun gut - das ist kaum zu überhören (bzw. -lesen). Aber so ganz daneben scheinen die Designer zumeist denn doch nicht zu liegen.
es ist auch eine Frage der Zeit, wenn man Menschen Jahrzehnte lang "psychologisch bearbeitet" wie toll sportlich und schnittig ist, dann quetschen die sich freiwillig in ein unergonomisches Popelchen.
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