Interview mit Herbert Feuerstein "Man wird bescheidener gegen Ende des Lebens"

Kaum einer kennt die Welt wie Herbert Feuerstein: Ob Burma, Phuket oder Polarkreis, Eismeer, Südsee oder South Bronx – der TV-Komiker und Reisebuchautor reist leidenschaftlich rund um den Globus. Allerdings ungern mit dem Auto – es sei denn, jemand anders fährt.

SPIEGEL ONLINE:

Herr Feuerstein, Sie kommen gerade aus dem Urlaub. Wo waren Sie?

Feuerstein: Ich nenne das ungern Urlaub. Wenn man das Glück hat selbständig zu sein, macht man ja sowieso die ganze Zeit, was man will. Ich nenne das eher Arbeitsreisen, schon wegen des Finanzamtes.

SPIEGEL ONLINE: Wohin ging die Arbeitsreise?

Feuerstein: Ich war in Bhutan, zum ersten Mal in meinem Leben. In diesem ganz kleinen Königreich, das eingequetscht zwischen Indien und dem ehemaligen Tibet, dem jetzigen China, liegt.

SPIEGEL ONLINE: Was haben Sie dort gemacht? Ferien?

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Herbert Feuerstein: "In Bhutan fährt man fast zärtlich"

Foto: Heyne-Verlag

Feuerstein: Das war nur eine Kurzreise, sechs Tage, ich habe für einen Reisebericht recherchiert. Ein schönes Land. Man darf sich unter der Himalaja-Region von Bhutan nicht nur Hochgebirge vorstellen. Das Land fängt ganz, ganz unten in der indischen Tiefebene an und steigt dann in Richtung Tibet schon auf 6500 Meter an. Aber wir waren hauptsächlich im Westteil des Landes, wo es nicht so hoch geht. Der östliche Teil wäre zu dieser Jahreszeit etwas zu beschwerlich. Nicht nur zu dieser Jahreszeit, es gibt dort so gut wie keine Straßen.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben doch Bergsteiger-Erfahrungen. Sie sind mit Reinhold Messner gewandert, für ein TV-Porträt.

Feuerstein: Zehn Minuten waren das, da sind wir auf seinen Burghügel bei Bozen gewandert. Diese zehn Minuten haben mir gereicht, um zu wissen, dass ich ihn bei elf Minuten für immer verloren hätte. Der läuft drauflos und dreht sich nicht um, da können sie über Gräben springen und keuchen, das bringt gar nichts.

SPIEGEL ONLINE: Also sind Sie ohne Höhentraining los nach Bhutan?

Feuerstein: Das war kein Problem, wir waren maximal nur etwa 2500 Meter hoch. Man merkt den Höhenunterschied allerdings beim Zähneputzen am ersten Abend im Hotel. Das ist eine Erfahrung, die Sie auch in Lima oder Peru machen können, dass nämlich durch den Druckunterschied dann der gesamte Inhalt der Zahnpastatube herauskommt, in einer einzigen, langen Schlange.

SPIEGEL ONLINE: Sind Sie erholt nach so einer Reise?

Feuerstein: Das war ja eine Entdeckungsreise, auf der wir sehr viel gewandert sind, was schon sehr anstrengend war. Ich bin da eher so ein Urchrist und Körperverachter. Das heißt, wenn der Körper nicht mehr will, soll er zu Hause bleiben. Bis dahin macht er, was ich will.

SPIEGEL ONLINE: Dieses Interview erscheint ja in dem SPIEGEL-ONLINE-Special "Auto-Urlaub". Fahren Sie gerne mit dem Wagen in die Ferien?

Feuerstein: Ein begeisterter Autofahrer bin ich nur, wenn ein Fahrer vorne sitzt. Das finde ich ganz toll, darum beneide ich die wichtigen Politiker, dass sie immer gefahren werden. Ansonsten bin ich ein Automuffel, das kann man schon am Kilometerstand ablesen. Meinen jetzigen Wagen fahre ich fünf Jahre und habe gerade mal 33.000 Kilometer drauf. Das machen manche Leute in einen halben Jahr. Ich bewege mich gerne mit dem Auto zum Bahnhof oder Flughafen, aber dann geht es mit anderen Verkehrsmitteln weiter.

SPIEGEL ONLINE: Vor Ort kommt man aber ohne Mietwagen meist nicht weit.

Feuerstein: Ich nehme mir auch schon mal einen Mietwagen. In Thailand zum Beispiel bin ich neulich selber gefahren. Weil man mir aber bei der Mietwagengesellschaft den falschen Wagen gegeben hatte, wurde mir bei der ersten Kontrolle gleich der Führerschein abgenommen. Allerdings auch schnell wieder zurückgegeben, das ist ja ein nettes Land. Es ist richtig, in vielen Ländern kommt man ohne Auto nicht weit.

SPIEGEL ONLINE: Das gilt wohl auch für Bhutan?

Feuerstein: Genau, auch in Bhutan war das Auto sehr wichtig. Ab einem bestimmten Punkt steigt man dann allerdings lieber auf ein Maultier um, irgendwann hören die Straßen dort auf. In Ländern, die nicht so zugänglich sind, ist es aber selbstverständlich, sich ein Auto mit Fahrer zu nehmen. Ich würde nie in Ländern wie Laos oder Kambodscha und schon gar nicht in Bhutan selber Auto fahren wollen. Man fährt dort zwar unglaublich höflich, fast zärtlich, aber die Straßen sind gerade mal eineinhalb Autos breit und sind am Rand gar nicht gesichert, und da geht es schon mal hundert Meter bergab.

SPIEGEL ONLINE: Was ist denn Ihr liebstes Fortbewegungsmittel? Sie haben ja vom Wasserflugzeug in Alaska bis hin zum Einbaum in der Südsee fast alles schon erlebt.

Feuerstein: Meine Füße, wenn ich ganz ehrlich bin. Ich bin zwar ein ziemlich unsportlicher Mensch, aber wenn ich mich bewegen will, dann am liebsten durchs Herumlaufen, durchs Wandern. Vor allem wenn ich alleine unterwegs bin und eine neue Stadt besuche, dann ist es so, dass ich da einfach sinnlos herumlaufe. Dabei sammelt man Erfahrungen, das kann einem kein Verkehrsmittel geben.

SPIEGEL ONLINE: Sind Sie denn überhaupt mal mit dem Wagen in den Urlaub gefahren?

Feuerstein: Ja, nach Südtirol, weil man da sehr viele Ecken am besten mit dem Auto erreicht. Allerdings hatte ich mir dafür einen Mietwagen genommen.

SPIEGEL ONLINE: Weil ein Jaguar kein optimaler Urlaubswagen ist? Fahren Sie überhaupt noch Ihren alten Zwölf-Zylinder-Jaguar, von dem Sie in einem Ihrer Bücher erzählen?

Feuerstein: Nein, jetzt habe ich nur noch einen Acht-Zylinder-Jaguar. Man wird ja langsam bescheidener gegen Ende des Lebens.

Das Interview führte Philip Wesselhöft

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