Interview mit Rekordfahrer "Mulmiges Gefühl"

Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 295,24 km/h raste ein VW W12 Coupé 24 Stunden lang über die Rennpiste im süditalienischen Nardo. Das bedeutete Weltrekord. SPIEGEL ONLINE sprach mit Dieter Depping, einem der Rekordfahrer.


W12-Rekordfahrt in Nardo

W12-Rekordfahrt in Nardo

Der gelernte Kfz-Mechaniker, 35, aus Wedemark bei Hannover gewann als Profi-Rennfahrer dreimal die Deutsche Rallyemeisterschaft und saß beim Dauer-Vollgas-Weltrekord in Nardo am Steuer des VW-Supersportwagen-Prototypen. Insgesamt wurden bei der Marathonfahrt am 13. und 14. Oktober auf dem Rennkurs in Nardo neun internationale Rekorde aufgestellt.

SPIEGEL ONLINE: Glückwunsch zum Erfolg! Wie haben Sie die Rekordfahrt erlebt?

Dieter Depping: Anfangs war es ziemlich turbulent. Wir sollten erst mit zwei Autos fahren, doch dann hieß es, wir fahren aus Sicherheitsgründen nur mit einem Auto. Deshalb waren plötzlich sechs Fahrer für den einen Wagen da.

SPIEGEL ONLINE: Sie waren der Erste, der das Auto auf die Rekordspur brachte. Was war das für ein Gefühl am Start?

Depping: Ein mulmiges. Das Auto war schließlich erst einen Tag zuvor fertig geworden. Die Testfahrten zur Abstimmung des Autos haben wir mit einem W12-Coupé-Chassis, auf dem eine Lamborghini-Karosserie saß, unternommen. Naja, und am Anfang ist es schon gewöhnungsbedürftig, so schnell im Kreis zu fahren.

24 Stunden an der Leitplanke entlang im Kreis

24 Stunden an der Leitplanke entlang im Kreis

SPIEGEL ONLINE: Im Kreis?

Depping: Ja, die Hochgeschwindigkeitsstrecke in Nardo ist kreisrund. Wir sind auf der oberen Bahn gefahren, also ständig in Schräglage. Und immer dicht an der Leitplanke entlang. Das war auf die Dauer extrem eintönig, mit 300 Stundenkilometern immer an einer Leitplanke längs zu fahren. Besonders schlimm war es in der Nacht.

SPIEGEL ONLINE: Was war denn bei Tag besser?

Depping: Man konnte dann wenigstens ein bisschen was von der Landschaft rundherum erkennen. Nachts sah man im Lichtkegel der Scheinwerfer ja nur ein Stück Rennstrecke und ein Stück Leitplanke.

SPIEGEL ONLINE: Wie haben Sie sich fit gehalten während der 24-Stunden-Fahrt?

Depping: Jeder Fahrer saß für ungefähr eine Stunde und zwanzig Minuten am Steuer, dann wurde gewechselt. In den Pausen hat sich ein Physiotherapeut um uns gekümmert. Mit Massagen und speziellen Fitnessgetränken. Man konnte auch versuchen, ein bisschen zu schlafen. Allerdings lag die Schlafmöglichkeit direkt an der Strecke, und immer wenn das Auto vorbeikam, war es schon ganz schön laut.

Nicht nur Auto und Fahrer, die gesamte Entourage entscheidet über den Rennerfolg

Nicht nur Auto und Fahrer, die gesamte Entourage entscheidet über den Rennerfolg

SPIEGEL ONLINE: Es hieß, VW-Chef Ferdinand Piëch sei nach Nardo gekommen, um den Abschluss der Rekordfahrt mitzuerleben. Was hat er Ihnen gesagt?

Depping: Ehrlich gesagt habe ich ihn nicht mal richtig gesehen. Der hat nur kurz vorbeigeschaut und die Verantwortlichen beglückwünscht. Wir Fahrer hatten auch gar keine Zeit, irgendwas zu feiern, denn wir haben nach der 24-Stunden-Fahrt gleich weitergemacht, um auch noch den Weltrekord über 5000 Meilen herauszufahren.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben die Rekordfahrt nicht gefeiert?

Depping: Doch am Abend. So gegen 22 Uhr waren wir in unserem Hotel, und da ging es dann hoch her bis in den Morgen.





Statistik: Die Weltrekorde des W12 Coupé


Über alle Klassen
24 Stunden Durchschnittstempo 295,24 km/h
5000 Kilometer Durchschnittstempo 295,44 km/h
5000 Meilen Durchschnittstempo 291,87 km/h


Internationale Rekorde in der Fahrzeugklasse:
1 Stunde Durchschnittstempo 310,99 km/h
6 Stunden Durchschnittstempo 311,58 km/h
500 Kilometer Durchschnittstempo 307,64 km/h
500 Meilen Durchschnittstempo 308,81 km/h
1000 Kilometer Durchschnittstempo 311,09 km/h
1000 Meilen Durchschnittstempo 311,51 km/h




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