Erste Fahrt im Iridium Elektro-Wohnmobil Watt geht?

Die Elektromobilität breitet sich aus - künftig wohl auch unter Wohnmobilen. Schon 2020 will die Marke Iridium ihren ersten E-Camper auf den Markt bringen. Wir waren im Vorserienmodell unterwegs.

Zukunftsmobilität

Aus Düsseldorf berichtet Matthias Kriegel


Auf dem Parkplatz P1 des Messegeländes in Düsseldorf fällt das Iridium Wohnmobil kaum auf. Hier, am Rande des "Caravan Salons" (noch bis 8.9.), ist wie jedes Jahr der größte Stellplatz Europas für Reisemobilisten ausgewiesen. Bereits vor dem ersten Messetag standen schon hunderte Fahrzeuge aufgereiht: Ein weißes Feld mit ausgefahrenen Satellitenschüsseln auf den Dächern und ausgeklappten Campingstühlen vor den Türen. Wäre das Iridium Wohnmobil nicht mit Schriftzügen beklebt, würde wohl kaum jemand die Weltpremiere des ersten Serien-Elektro-Wohnmobils bemerken. Sobald sich aber das 4,25-Tonnen-Fahrzeug in Bewegung setzt, hebt es sich ab von den anderen - säuselnd.

Mit dem ersten Druck aufs Strompedal wird der entscheidende Unterschied klar: Hier fährt ein Elektromobil. Und die Beschleunigung ist erstaunlich, erst recht, wenn man die Gewichtsklasse des Reisefahrzeugs bedenkt. Ja, auch in großen und schweren Brocken macht Elektromobilität Spaß. Sogar als Beifahrer, denn wir waren nur auf dem rechten Sitzplatz an Bord - so blieb mehr Zeit, auf die Besonderheiten des Fahrzeugs zu achten.

Während der Wohnbereich des Iridium-Modells aufgrund des klassischen Grundrisses nahezu genauso aussieht wie in allen anderen Reisemobilen auch, ist die Geräuschkulisse komplett anders. Vom Motor dringt lediglich ein leichtes Summen ins Innere, dafür hört man, wie die Reifen abrollen. Selbst bei flotter Geschwindigkeit auf der Autobahn werden Gespräche nicht von einem lärmenden Verbrenner gestört.

Plötzlich gibt es unerwünschte Nebengeräusche

Jedoch: Fällt das Motorgebrumm weg, dringt anderes umso deutlicher ins Ohr. Oder klackern die Schränke und Schubladen in anderen Wohnmobilen etwa auch so? Falls ja, wäre Dieselgebrumm von Vorteil - das aber gibt es beim Iridium nicht. Hier muss wohl noch einmal Hand angelegt werden, ebenso wie im Cockpit, das auch noch etwas provisorisch daherkommt. Das Getriebe zum Beispiel wird durch einen unscheinbaren Kippschalter gesteuert. "Das wird noch geändert", sagt Christian Klaiber, Markenbotschafter von Iridium und Leiter der Initiative Zukunftsmobilität. Diese Initiative berät Kommunen, Energieversorger und Industriebetriebe bei der Mobilitätswende.

Klaiber sitzt am Steuer des Vorführfahrzeugs. Das Iridium Elektro-Wohnmobil soll zunächst demonstrieren, dass der E-Antrieb auch in ein Reisefahrzeug passt. Klaiber kümmert sich auf dem "Caravan Salon" um Publicity für Iridium. Während der Testfahrt berichtet er von seiner Alpen-Probefahrt mit dem Iridium-Modell, das über einen 86 kWh-Akku mit rund 320 Kilometer Reichweite verfügt.

Außerdem wird Iridium eine zweite Variante mit 108-kWh-Akku (Reichweite 400 Kilometer) anbieten. Nach Klaibers Auskunft ist der kleinere Akku an einer Ladesäule mit Typ-2-Stecker in rund vier Stunden wieder voll. Aber wenn Sitzgruppe, Tisch, Küche und Bett in unmittelbarer Nähe sind, dürfte eine solche Pause kein Problem sein. Und danach ist man umso flotter wieder unterwegs. Klaiber hat es ausprobiert. "Wenn man bergauf problemlos an allen anderen Wohnmobilen vorbeifahren kann, macht das schon Spaß", sagt er.

Vor allem die Ladesäulen machen Probleme

"Das Auto funktioniert, die Reichweite ist völlig ausreichend und auch die Ladeinfrastruktur ist mittlerweile sehr gut." Lediglich an der Gestaltung der E-Tankstellen sieht Klaiber Verbesserungsbedarf, sind sie meistens nur für Pkw ausgelegt. "Außerdem sind die vormontierten Kabel teilweise schon für Pkw zu kurz, für ein Wohnmobil also dann erst recht."

Entwickelt wurde das Iridium Elektro-Wohnmobil von der Firma WOF GmbH, die eigentlich Wohnmobile vertreibt und die Marke Iridium ins Leben gerufen hat. An der Konstruktion des Elektromobils waren zahlreiche Firmen beteiligt. Maurer Fahrzeugbau liefert das Nutzfahrzeug-Chassis, der Antrieb kommt vom Unternehmen Elektrofahrzeuge Stuttgart (EFA-S), einem Spezialisten in Sachen Umrüstung, der bereits 200 Lkw des Paketzustellers UPS auf E-Antrieb adaptiert hat. Das Unternehmen setzt auf LiFe-Akkus, also Lithium-Eisen-Phosphat-Stromspeicher, die unter Experten im Vergleich zu Lithium-Ionen-Akkus als sicherer gelten und beliebt sind bei Fahrzeugen höherer Gewichtsklassen. Für zusätzliche Effizienz und ein wenig Extra-Reichweite sorgt ein Rekuperationssystem, also die Energierückgewinnung beim Bremsen.

Das Iridium Elektro-Mobil kann ab sofort bestellt werden. Wer schnell ist, kann bereits im Sommer 2020 damit in den Urlaub stromern, denn spätestens im zweiten Quartal sollen die ersten Fahrzeuge ausgeliefert werden, heißt es. Der Preis des Fahrzeugs: 159.900 Euro. "Es ist wie bei den E-Pkw auch", sagt Klaiber, "am Anfang ist es immer etwas kostspieliger."

Zielgruppe seien Wohnmobil-Interessenten, die zudem innovationsoffen sind und vielleicht auch schon einen Elektro-Pkw fahren. Das Interesse auf der Messe sei groß. Dass sich das Konzept durchsetzt, daran hat Klaiber keinen Zweifel. "Dieser Zug namens Elektromobilität, der fährt immer weiter", sagt der Mobilitätsberater. "Und der fährt in den unterschiedlichen Fahrzeugkategorien unterschiedlich schnell. Und jetzt eben auch bei den Wohnmobilen."



insgesamt 115 Beiträge
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Seite 1
Andreas J. 08.09.2019
1. Brennstoffzelle
Gerade für solche Fahrzeuge würde ich die Brennstoffzelle für den besseren Antrieb halten.
Wolfgang Nesse 08.09.2019
2. Reichweite: Überprüfung wäre schön gewesen
Mir fehlt bei dem Beitrag etwas der journalistische Abstand: Etwas weniger Begeisterung und etwas mehr kritische Überprüfung hätten ihm gut getan. Vor allem die Reichweite ist eines der wichtigsten Kriterien beim Kauf eines Elektrofahrzeuges. Das muss man in einem solchen Bericht als Journalist persönlich überprüfen, da die Herstellerangaben häufig unter Idealbedingungen gemessen werden. Die Relevanz für den Leser ist dann eher eingeschränkt. Und wenn man nicht selber ans Steuer darf, dann erübrigt sich so ein Beitrag ohnehin.
thenovice 08.09.2019
3. Schönheitsfehler
4,25t... Also mit Klasse B nicht mehr fahrbar... 300km Reichweite..unberücksichtigt wurde dabei wohl der Reichweitenverlust durch Zuladung... Realistisch wird das Teil bei 200 - 250km Reichweite liegen... und die Frage nach der möglichen Zuladung bleibt unbeantwortet... Wohnmobilisten neigen doch dazu, lieber etwas mehr mitzuführen... Gasflasche, Geschirr, Proviant, Fahrräder etc.. und dann wurde vergessen, dass Wohnmobile eher Langstrecke bewegt werden... Rimini o.ä. ist halt nicht um die Ecke...
salomohn 08.09.2019
4. Endlich
Super Sache. Das "große Manko" zu kurzes Kabel ist auch schnell gelöst. Da nehme ich mir einfach noch eins mit.
derfriemel 08.09.2019
5. Meine Meinung
Ein 4,25-Tonnen-Fahrzeug ? Schade, ich darf nur bis 3,5 Tonnen fahren.
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