Jahresrückblick 2013 Diese Manager bewegten die Autobranche

Audi tauschte erneut seinen Entwicklungsvorstand aus, GM erhält mit Mary Barra endlich eine Frau an der Spitze. Und Ex-Politiker Joschka Fischer wirbt plötzlich für BMW. Drei Personalien, die in den vergangenen Monaten aufhorchen ließen.

Von Margret Hucko


Mary Barra: "Keine schlechten Autos mehr"
AP

Mary Barra: "Keine schlechten Autos mehr"

Mary Barra: Erste Frau am Steuer

Geschichten über Mary Barra beginnen oft so: Sie trägt hohe Schuhe, dunklen Nagellack, spricht mit sanfter Stimme. Zu oberflächlich, wenn es um eine Top-Managerin geht? Nein, völlig okay. Auch wenn Geschichten über Daimler-Chef Dieter Zetsche, VW-Boss Martin Winterkorn oder BMW-Vorstandsspitze Norbert Reithofer naturgemäß anders starten. Das, was Mary Barra besonders macht, ist nun mal auch ihr Geschlecht.

Mary Barra wird ab dem 15. Januar den Chef-Posten von General Motors übernehmen - als erste Frau in der nach wie vor testosterongesteuerten Autoindustrie. Wären nicht die hohen Schuhe, der dunkle Nagellack oder ihre sanfte Stimme, würde Barra sich kaum von ihren männlichen Kollegen unterscheiden. Denn sie liebte bereits als Kind Mathematik, studierte Elektrotechnik, fährt gerne schnelle und stark motorisierte Autos. Fast ihr gesamtes Leben verbrachte sie bei GM, wo sie als Praktikantin bei Pontiac startete. Bis zur Übernahme des Chefpostens von Dan Akerson bleibt sie Entwicklungschefin.

Ein echtes Car Girl - und für viele Frauen, als einer der mächtigsten Autobosse der Welt, ein großes Vorbild. Ihre wichtigste Botschaft an die Belegschaft: "Keine schlechten Autos mehr."

Ulrich Hackenberg: Soll wieder "Vorsprung durch Technik" garantieren
AFP

Ulrich Hackenberg: Soll wieder "Vorsprung durch Technik" garantieren

Ulrich Hackenberg: Zurück zu Audi

Der Nächste, bitte: Der Posten des Technikvorstandes bei Audi entwickelte sich in den vergangenen anderthalb Jahren zum Schleudersitz. Erst musste Michael Dick gehen, weil er es verpasste, den Marken-Slogan "Vorsprung durch Technik" in die Autos zu implementieren. Seinem Nachfolger Wolfgang Dürheimer fehlte dazu die Zeit. Nach nur zehn Monaten im Amt zogen VW-Patriarch Ferdinand Piëch und Konzernchef Martin Winterkorn die Konsequenzen, weil Dürheimer der Rückhalt in der Belegschaft fehlte. Den Audianern blieb der 55-jährige Ex-Porsche-Entwickler und Bentley-und Bugatti-Chef fremd. Zu viele Sätze soll er mit "Wir bei Porsche" begonnen haben.

Dabei galt der talentierte Dürheimer zeitweise sogar als potentieller Nachfolger für Winterkorn. Um wieder für Ruhe in Ingolstadt zu sorgen, entsendete der VW-Chef im Juli mit Ulrich Hackenberg nicht nur seinen besten Entwickler, sondern auch einen engen Vertrauten. Hackenberg hatte seine Karriere in der Autoindustrie bei Audi begonnen. Zwischen 2002 und 2007 entwickelte der Maschinenbauingenieur und Motorsportfan bei Audi den modularen Längsbaukasten - ein System nach dem Lego-Prinzip, das den Einsatz von möglichst vielen gleichen Teilen über verschiedene Marken und Baureihen erlaubt.

"Hacki", wie Winterkorn den stillen Techniker nennt, soll die sogenannte Premiummarke wieder zu alter Stärke führen und gleichzeitig die markenübergreifende Entwicklung des VW-Konzerns steuern. Zuletzt hatten die Dauerrivalen BMW und Daimler mit Innovationen wie dem elektrischen Kompaktwagen i3 oder dem autonomen Fahren in der öffentlichen Wahrnehmung einen "Vorsprung durch Technik" gegenüber Audi.

Joschka Fischer und sein BMW i3: "Isch bin beeindruckt"
BMW

Joschka Fischer und sein BMW i3: "Isch bin beeindruckt"

Joschka Fischer: Werben statt Opposition

Joschka Fischer hat in seinem Leben schon viele überraschende Wendungen hingelegt: erst Revoluzzer, dann turnschuhaffiner Staatsminister für Umwelt in Hessen, schließlich Dressman im Außenministerium. Und jetzt? Werbewitzfigur für BMW.

"Isch bin beeindruckt", nuschelt Fischer ins Mikrofon eines YouTube-Videos auf dem BMW-Kanal, während er im Elektroauto euphorisch Gas gibt. Der supermoderne Elektrowagen wurde ihm im Rahmen einer Betriebsversammlung im Werk Leipzig öffentlichkeitswirksam übergeben. Seine Beratungsfirma Fischer & Company berät BMW bei nachhaltigen Wachstumschancen. Eigentlich nichts Anrüchiges. Denn Fischer hat die Politik längst verlassen, den Wagen selber bezahlt - wie BMW mitteilte.

Aber wie passt der i3-Werbefilm mit Fischers politischen Überzeugungen zusammen? Es war vor allem auch der Münchner Autobauer, der in den vergangenen Monaten massiv gegen strengere CO2-Grenzwerte für Neuwagen in der EU lobbyierte. Nachdem sich die damalige Regierung aus CDU und FDP den BMW-Nöten angenommen hatte, wurde eine Spende der BMW-Großaktionärsfamilie Klatten/Quandt bekannt. Zufall? Nicht für SPD, Linke und Grüne. Die hatten beim Bekanntwerden der CDU-Spende auf einen Zusammenhang mit dem Einsatz der Bundesregierung gegen strengere CO2-Vorgaben für Autos in der EU hingewiesen. Früher hätte das Herrn Fischer sicher auch beeindruckt - aber gut gefunden hätte er es nicht.



insgesamt 4 Beiträge
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founder 28.12.2013
1. EU Kandidat aus Österreich plant Wahlkampftour im Tesla S
Gleich für 2014, wie könnte man das Versagen der EU Wirtschaftspolitik besser als in einem Tesla S ausdrücken? Original aus dem Video? Was hätte eine Politik� des gezielten Wachstums �ab 1992 bewirken können? Eine strikt zukunftsorientierte �EU Wirtschaftspolitk hätte die �EU Autokonzerne zu neuen technischen Höchstleistungen vorangepeitscht. Spätestens 2007 hätten alle �EU Premiumhersteller �gleichwertige Fahrzeuge angeboten. Dieser Newcommer hätte niemals eine Chance gehabt auf den Markt zu kommen. Das dieser Tesla S alle deutschen Premiumhersteller in der �US Zulassungsstatistik�deutlich abhängt �macht ihn zum Symbol �für das Versagen der �EU Wirtschaftspolitik. (http://youtu.be/hA2rPGshvmU)
nachtmacher 28.12.2013
2. Diese Manager...
seit wann ist Fischer ein Manager? Er hält sein Gesicht in Kameras und gibt Allgemeinsätze von sich. Sonst nichts. Frau Barra ist zwar quasi Vollblutautomobilbranche, aber noch hat Sie an der Spitze von GM nichts erreicht, weil sie grade anfängt. Der Einzige in der kurzen Liste, der wirklich an der Spitze von Konzernen etwas vorzuweisen hat ist Hackenberg.
infam 29.12.2013
3. ?
bewegt hat die Branche nur das Team von Tesla Motors. Wie lange wird man das in Deutschland noch hinter dem Berg halten wollen ?
bambus07 29.12.2013
4. Fischer
scheint für Geld so ziemlich alles zu machen. Schade, dass ausgerechnet BMW so einen Zeitgenossen anheuert.
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