Verkehr der Zukunft Die spannendsten Erfindungen für Autos, Busse, Fahrräder

Autos, die sich auf ihre Fahrer einstellen, Elektrobusse und Lastenräder: Das Jahr 2018 hat gezeigt, wie sich die Welt der Mobilität zum Besseren wendet. Unsere Jahresbilanz.

DPA

Probieren geht über Studieren

In Deutschland eröffnet eine neue Autofabrik. Aber nicht irgendein Werk von VW Daimler oder einem der anderen deutschen Traditionshersteller. Die Autoschmiede ist im doppelten Wortsinn das Werk eines Uniprofessors. In Aachen hat nämlich das aus der Hochschule RWTH Aachen hervorgegangene Start-up e.Go Mobile eine Fabrik für Elektroautos eröffnet. Ab 2019 sollen dort jährlich 10.000 Stromer vom Band laufen.

REUTERS

Die Werkeröffnung steht stellvertretend für eine Entwicklung in der Mobilitätswelt: Kleine Start-ups verändern zunehmend die Branche. Sei es Sono Motors aus München oder die schwedische Firma Uniti - beide bringen 2019 ein E-Auto auf den Markt - oder das Projekt ACM (Adaptive City Mobility), ein Zusammenschluss aus zehn Firmen, die derzeit das E-Auto ACM-City entwickeln.

Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Egal ob E-Auto, Mobilitäts-App oder Sharing-Konzept: zunehmend drängen kleine Firmen in den Markt und machen es den großen Herstellern schwer. Das ist gut, schafft Angebote und erhöht den Druck zur Veränderung.
Von Christian Frahm

Lass uns reden, Baby-Benz!

Nicht in der Luxusklasse, nein, in der A-Klasse startete Mercedes im April seine Revolution im Cockpit. MBUX (Mercedes-Benz User Experience) nennt sich diese neue Art der Konnektivität und gilt als das fortschrittlichste Bediensystem weltweit. MBUX lernt durch seine künstliche Intelligenz den Fahrer bei jeder Benutzung besser kennen, weiß um seine Gewohnheiten, kennt seine täglichen Routen oder seine Lieblingsmusik.

Daimler

Gestartet wird die Sprachsteuerung mit der Begrüßung "Hey Mercedes". Man braucht nicht einmal stereotype Anweisungen zu formulieren, sondern kann munter drauflosplappern. Ein "Mir ist kalt" reicht, damit MBUX die Temperatur im Auto erhöht. "Ich habe Hunger" blendet auf dem Display die Restaurants entlang der Strecke ein.

Vermutlich werden wir es irgendwann bereuen, wenn MBUX zum Gegenstand eines Datenskandals wird - aber jetzt ist die Überlegenheit gegenüber bislang bekannten Systemen faszinierend.
Von Michael Specht

In großen Dimensionen denken

Der Umstieg auf ein Elektrofahrzeug ist möglich - und zwar schon bald für viel mehr Menschen, als man denkt. In immer mehr Städten - darunter Berlin, Hamburg, Mannheim, Regensburg - werden serienmäßige Elektrobusse, etwa von Mercedes, MAN oder Solaris, im regulären Linienbetrieb in Dienst gestellt.

MAN

Das Bundesumweltministerium fördert dies, indem es bis zu 80 Prozent der Investitionskosten übernimmt. Endlich bewegt sich etwas im ÖPNV - und zwar leise und lokal emissionsfrei.
Von Jürgen Pander

Hände weg vom Steuer!

Autonomes Fahren ist der große Techniktrend. Aktuell aber treiben die Hersteller einen gigantischen Entwicklungsaufwand, und die Kunden zahlen horrende Aufpreise für einen meist überschaubaren Komfortgewinn. Weil entsprechende Gesetze fehlen und die Autohersteller kaum Haftung für etwaige Unfälle im Autopilot-Modus übernehmen wollen, muss man als Fahrer am Ende das Auto doch permanent überwachen und regelmäßig die Hände ans Lenkrad legen.

GM

Wie es anders geht, zeigt Cadillac jetzt mit seinem Supercruise-System in den USA. Dank deutlich verbesserter Navigationstasten und einer optimierten Umfelderkennung halten sich Autos wie der CT6 auf dem Highway automatisch in der Spur, und der Fahrer kann tatsächlich abschalten. Statt Sensoren am Lenkrad überwacht eine Kamera seine Aufmerksamkeit.

Cadillac hat zudem die sogenannte Übergabezeit - also die Spanne, in der der Fahrer wieder das Kommando über den Wagen übernehmen muss - großzügig gehalten. So kann man sich auch mal kurz zum Hintermann drehen oder zum Beispiel während der Fahrt in ein Sandwich beißen oder den Pulli ausziehen. Vom Roboter-Chauffeur sind wir damit zwar noch immer weit entfernt, trotzdem ist das System beeindruckender als bei den technisch ach so fortschrittlichen und trotzdem irgendwie mutlosen deutschen Herstellern.
Von Tom Grünweg

Das Rad wird neu erfunden

Auf das Auto zu verzichten, klingt gut: Man kann sich die laufenden Kosten und die Parkplatzsuche sparen, und der tägliche Stau zur Stoßzeit entfällt. Sobald jedoch etwas Schweres transportiert werden muss oder die morgendliche Fahrt zum Kindergarten ansteht, sinkt die Motivation zum Autoverzicht rapide. Dabei hat das vergangene Jahr gezeigt, dass es genau für diese Fälle tolle Lösungen gibt - die auch noch aus Deutschland kommen.

SPIEGEL ONLINE

Vom Hamburger Supertrailer, mit dem man dank E-Antrieb und patentierter Auflaufbremse bequem und sicher bis zu 250 Kilogramm Zuladung per Fahrrad transportieren kann, bis zum Lastenrad Chike, das nur 30 Kilogramm wiegt und dessen Sicherheitskabine Platz für zwei Kinder bietet: Diese beiden Innovationen zeigen stellvertretend, wie viel Potenzial Alternativen zum Auto in Deutschland noch haben - und wie groß der Erfindergeist auch abseits der großen Konzerne ist.
Von Emil Nefzger

Lesen Sie hier, worüber die Redakteure im Jahr 2018 besonders enttäuscht waren.

TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.