Vorrang für Elektroantrieb Japans Autoindustrie beschließt Aus für Verbrennungsmotor
Toyota Mirai an Wasserstofftankstelle
Foto: YOSHIKAZU TSUNO/ AFPDie japanischen Autohersteller haben sich mit der Regierung auf das Aus für Fahrzeuge mit reinem Verbrennungsmotor geeinigt. Toyota, Nissan Honda und andere Unternehmen würden spätestens ab 2050 nur noch Pkw mit Batterie-, Wasserstoff- oder Hybridantrieb anbieten, wie ein Gremium aus Vertretern des Wirtschaftsministeriums und der Industrie mitteilte. Das berichten die Zeitung "Asahi Shimbun" und andere Medien des Landes.
Damit bekennt sich erstmals die Autobranche einer großen Industrienation verbindlich zum Umstieg auf alternative Antriebe. In Deutschland sperrt sich die Branche gegen konkrete Ausstiegstermine.
Die japanischen Autobauer gründen zudem ein Konsortium, um Rohstoffe für Batterien gemeinsam zu beschaffen. Vorrangig geht es dabei um Kobalt.
China eilt bei Elektroautos davon
Der japanische Vorstoß ist den Berichten zufolge Teil eines Plans, der vor allem die Wettbewerbsfähigkeit der japanischen Autoindustrie sichern soll. Insbesondere Nachbar China setzt stark auf Elektroautos und ist mit Abstand größter Markt für diese Fahrzeuge. Viele neue Hersteller sind in der Volksrepublik entstanden, zahlreiche Batteriefabriken befinden sich im Bau.
Die deutsche Autoindustrie sieht in dem japanischen Vorstoß kein Vorbild. "Das Leitmotiv für die Mobilität von morgen sollte 'Technologieoffenheit' sein", teile eine Sprecherin des Verbands der Automobilindustrie mit. Sparsamere Verbrennungsmotoren würden noch viele Jahre einen "signifikanten Beitrag zum Klimaschutz" leisten. Im Bundestagswahlkampf 2017 hatten die Grünen das Aus für Autos mit Verbrennungsmotor bis 2030 gefordert.
Das Ausstiegsjahr 2050 dürfte Japans Autoindustrie einen recht sanften Übergang ins Elektro-Zeitalter ermöglichen. Toyota hat sich dieses Ziel schon vor knapp drei Jahren selbst gesetzt .
Autoexperte: Vorhaben ist "realistisch"
Dass die Unternehmen auch danach Hybrid-Autos bauen dürfen, verschafft ihnen weiteren Spielraum. Diese Fahrzeuge kombinieren Benzin- und Elektromotoren. Unterm Strich soll ein durchschnittliches Auto in Japan 2050 aber 90 Prozent weniger Kohlendioxid ausstoßen als 2010.
Das Vorhaben sei realistisch, sagte Autoexperte Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach. Typischerweise setze sich die japanische Industrie langfristige Ziele, die sie dann aber auch einhalte.
In Europa fehlt es laut Bratzel aufgrund des Abgasskandals an Vertrauen zwischen der Branche und der Politik. Daher sei ein gemeinsam vereinbartes Ausstiegsdatum für den Verbrennungsmotor nicht in Sicht.