Jeep Cherokee Diktat der Kante

Da können Geländewagen noch so jung und modisch sein. Ein Jeep braucht Ecken und Kanten. Deshalb finden die Amerikaner beim Cherokee jetzt zum alten Design zurück. Die Europäer müssen aber noch länger mit den weichen Formen leben – zu uns kommt die Neuauflage erst 2008.


Die Marke Jeep ist im Wandel. Fast 70 Jahre nach ihrer Gründung gibt es bei der amerikanischen Allradlegende heute mehr Modelle als je zuvor: Neben dem Wrangler als Urvater aller amerikanischen Geländewagen, den es nun zum ersten Mal in seiner Geschichte auch als Fünftürer gibt, verkaufen die Amerikaner ganz unten an der Basis den jugendlich frischen Compass und – bald auch bei uns – den technisch identischen, aber stilistisch etwas raubeinigeren Patriot.

Und auch am oberen Ende haben sie mit dem luxuriösen, etwas weich geratenen Grand Cherokee und dem dafür um so härteren Commander zwei Autos im Programm, die mit baugleicher Technik zwei unterschiedliche Zielgruppen ansprechen. Nur in der Mitte, wo außerhalb der USA die Musik am lautesten spielt, gibt es lediglich ein einziges Modell: den Cherokee.

Rund und verspielt

Das wird auch künftig so bleiben, weil irgendwann einfach einmal Schluss sein muss mit der fortwährenden Erweiterung des Portfolios. Doch sind jetzt erst einmal wieder die Klassiker an der Reihe. Denn nachdem der aktuelle Cherokee beim Debüt im Jahr 2002 reichlich rund geraten war und deshalb vielen Traditionalisten zu verspielt vorkam, findet das neue Modell mit Ecken und Kanten zu seinen alten Wurzeln zurück.

In den USA, wo der Cherokee traditionell Liberty heißt, kommt die jüngste Auflage nach ihrer Premiere vor wenigen Tagen auf der Auto Show in New York bereits im Sommer in den Handel. Auch in Europa würden die Manager den Neuen wohl lieber heute als morgen sehen. "Doch dieses Jahr kommt das Auto ganz sicher nicht mehr", sagt ein Sprecher des Unternehmens.

Als hätten die Designer kurzerhand Zirkel und Kreisbogen eingemottet, lässt sich die Silhouette des Cherokee nun komplett mit dem Geodreieck nachzeichnen. Selbst die kreisrunden Kulleraugen, die wie die sieben Balken im Kühlergrill zum Erkennungszeichen jedes Jeeps zählen, strahlen nun hinter eckigen Abdeckungen. Die Motorhaube ist flach wie der Mittlere Westen der USA, die Frontscheibe steht steil wie die Rocky Mountains, die Seitenwände ragen beinahe senkrecht nach oben wie die Felsen im Grand Canyon, und auch die Heckklappe neigt sich lange nicht mehr so weit in Fahrtrichtung wie bisher.

Verwandtschaft mit dem Dodge Nitro

Dass der Cherokee mit dieser Form stark an den gerade für Deutschland angekündigten Dodge Nitro erinnert, kommt nicht von ungefähr: Schließlich teilen sich die beiden Geländegänger auch Plattform und Motoren. Allerdings sind Überhänge und Bodenfreiheit beim Cherokee natürlich so bemessen und der Antrieb technisch derart aufgerüstet, dass er ohne Mühe auch den legendären Rubicon-Trail schafft, auf dem die Amerikaner bei den Geländewagen die Spreu vom Weizen trennen.

Den Nitro dagegen gibt es zwar auch mit Allradantrieb, doch ist er allenfalls für Feldwege statt für Felspassagen gemacht. Gleichwohl hatten die Ingenieure auch beim Cherokee nicht nur das Abenteuer im Sinn: Mit weiterentwickelter Federung und neuer Lenkung versprechen sie auch auf der Straße künftig mehr Komfort und Spaß.

Der Cherokee sieht jetzt von außen wieder aus, als wäre er von gestern. Doch im etwas gewachsenen Innenraum hält die Neuzeit Einzug. So feiern die Amerikaner nicht nur das "Industry-Exklusive" Sky-Slider-Verdeck, was nicht mehr meint als ein Stoffdach, das man auf der gesamten Länge und in beiden Richtungen öffnen kann. Sondern sie schwärmen auch vom schlüssellosen Zugangssystem, der Bluetooth-Integration und der Festplatte in der Mittelkonsole, auf der neben den Navigationsdaten noch Platz ist für 100 Stunden Musik. Und falls das nicht reicht, gibt es auch noch einen USB-Anschluss. Ebenfalls auf den neusten Stand gebraucht haben die Amerikaner das Sicherheitssystem: Neben ESP und vier Airbags gibt es deshalb künftig auch elektronische Helfer für steile Anstiege und Abfahrten sowie einen Schlingerschutz für den Anhängerbetrieb.

Sinneswandel in Amerika?

Unter der Haube des Cherokee herrscht vorerst Monokultur – zumindest in den USA. Die Amerikaner bieten neben dem Einstiegsmodell mit Heckantrieb gleich zwei unterschiedliche Allrad-Varianten an. Doch im Zentrum der Kraft steht immer der gleiche V6-Motor, der auf 3,7 Litern Hubraum 214 PS schöpft und über eine manuelle Sechsgang-Schaltung oder eine etwas antiquierte Automatik mit nur vier Stufen 319 Nm auf die Straße bringt. Die Europäer müssen vielleicht etwas länger auf den Cherokee warten, doch bekommen sie dafür auch mehr Auswahl. Die Modelle mit Heckantrieb wird es zwar auch künftig bei uns nicht geben. Aber unter der Haube hält als vernünftige Alternative ein 2,8 Liter großer Common-Rail-Diesel Einzug.

Allerdings kann es gut sein, dass dieser Motor bald auch jenseits des Atlantiks auf die Straße kommt. Denn langsam scheinen sich die Amerikaner an den Selbstzünder zu gewöhnen. Im Grand Cherokee zumindest, der zur Motorshow in New York ebenfalls dezent überarbeitet wurde, gibt es jetzt neben den üblichen V6- und V8-Benzinern erstmals auch einen Diesel. Und der Bluetec-Allianz ist die amerikanische Mercedes-Schwester schließlich auch nicht umsonst beigetreten.



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