Grüner Ex-Umweltminister Autos sind für Deutsche, was Waffen für Amerikaner sind - findet Jürgen Trittin

In den Augen von Ex-Umweltminister Jürgen Trittin fixieren sich die Deutschen viel zu stark aufs Auto - das hänge noch mit der Nazizeit zusammen. Künftig sollten Fahrer bei Verstößen höhere Strafen zahlen.

Tempolimit (Symbolbild): "Wir brauchen endlich eine angemessene Sanktionierung"
Andreas Arnol / DPA

Tempolimit (Symbolbild): "Wir brauchen endlich eine angemessene Sanktionierung"

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Der Grünenbundestagsabgeordnete Jürgen Trittin fordert höhere Strafen für Verkehrssünder. Verstöße müssten "endlich härter und stärker sanktioniert werden", sagt Trittin in der aktuellen Ausgabe des SPIEGEL.

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Heft 24/2019
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"Wir haben in Deutschlands Bußgeldkatalog extrem niedrige Strafen für den Verstoß gegen Verkehrsregeln", findet der ehemalige Umweltminister. "Wer auf dem Radweg parkt und blockiert, wird meist nicht mal abgeschleppt. Das ist lächerlich. Und wer permanent rast, bekommt in der Schweiz sogar Gefängnisstrafen. Wir brauchen hier endlich eine angemessene Sanktionierung."

Das Verhältnis der Deutschen zum Auto bezeichnet Trittin als "eine kollektive Neurose, vergleichbar mit der, die Amerikaner mit dem freien Zugang zu Schusswaffen haben". Nach dem Faschismus habe man sich hier auf die neue Freiheit, die sich mit dem Auto verband, konzentriert. Aber diese Neurose lasse nach, so Trittin. "Es ist nur eine Frage der Zeit, dass es auch bei uns ein Tempolimit geben wird. Genau wie es nur eine Frage der Zeit war, bis die Wehrpflicht abgeschafft wurde."

Jürgen Trittin (Archivbild): Kollektive Neurose der Deutschen
DPA

Jürgen Trittin (Archivbild): Kollektive Neurose der Deutschen

Der Grünenpolitiker kritisiert zugleich seinen Parteifreund Winfried Kretschmann für dessen Aussage, dass es einen sauberen Diesel gebe, den man noch lange brauche. "Ich würde dazu raten, eine untergehende Technologie nicht perfektionieren zu wollen. Der Kretsch kann natürlich romantische Gefühle hegen, aber der Diesel hat keine Zukunft mehr", sagt Trittin. Wenn sich ein Strukturwandel abzeichne, gehe es darum, ihn zu gestalten, nicht darum, ihn zu verhindern. "Die Argumente erinnern mich an die SPD im Ruhrgebiet, die noch bis in die Neunzigerjahre die Steinkohle hochgehalten hat. Mit katastrophalen Folgen fürs Ruhrgebiet."

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insgesamt 34 Beiträge
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Seite 1
stef_ma 09.06.2019
1. Die Motivation
von Herrn Trittin ist einleuchtend. Er will unbedingt Union-affine Wähler abschrecken damit Schwarz-Grün nicht zustande kommen kann. Auch alte Rechnungen und verletzte Eitelkeiten werden jetzt beglichen. Er schadet damit aber nicht nur seiner Partei, sondern auch dem Klima- und Umweltschutz.
blauclaude 09.06.2019
2. Unfug - der PKW ist Freiheit!
In den USA, Europa, China, Japan, Indien etc hat der PKW seine Stellung als Grundlage der Freiheit nicht eingebüßt - nein, er ist die Freiheit, Zeichen von Komfort, Unabhängigkeit und Sicherheit. D ist da nickt anders als die o.a. Länder. Die Grünen wollen die Industrie abschaffen, zerbröseln. Konsequenzen sind klar: Stückpreise steigen, Menschengruppen werden ihre Mobilität verlieren und die in den Großstädten lebenden grünen Wähler werden geschützt - bis auch die das mitbekommen. Wer kann sich denn einen Mittelklassewagen mit Akkus für 80.000 leisten, der nicht mehr als 350 km schafft, wer will das denn zudem? Wer kann sich die weiteren Steigerungen des Strompreises leisten, wer will mehr Umverteilung als Arbeitnehmer, der bereits die höchsten Abgaben bei mittlerem Einkommen in Europa zahlt.
hrboedefeld 09.06.2019
3. Richtig!
Aber vielleicht sollte dann auch dort gemessen werden wo es Sinn macht. Vor Kindergärten und Krankenhäusern. Ich als Außendienstler mit 80tsd km im Jahr bin auf das Auto natürlich angewiesen. Aber ich bin nur bisher punktefrei, weil ich konsequent mit Tempomat fahre, wenn ich mit völlig übertriebenen Tempolimits konfrontiert bin. Es macht schlicht keinen Sinn auf allen Landstrasse an sämtlichen Kreuzungen 70 oder 80 fahren zu müssen, wenn diese zumeist doch gut einsehbar sind. Aber die Gefahr, dass genau dort gelasert wird ist zu hoch. Also voll in die Eisen und danach wieder voll aufs Gas. Umweltfreundlich geht anders! Etwas mehr Eigenverantwortung wäre durchaus angebracht!
marthaimschnee 09.06.2019
4. da scheint jemand Panik zu bekommen
Offenbar wird selbst einigen Grünen der Umfrageerfolg inzwischen zu unheimlich. Weg mit dir, Wähler. Husch husch, wir wollen dich doch gar nicht!
hileute 09.06.2019
5. Da ist schon was dran
allerdings wird es daraus folgernd ebenso keine weiteren Einschränkungen geben wie in amiland. Des weiteren wusste ich gar nicht das Herr trettin überhaupt noch existiert, ich dachte den hätten die grünen schon vor ein paar Jahren entfernt, mit ihm sind die aktuellen Ergebnisse nicht erreichbar eigentlich.
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