Umstrittenes Kältemittel Umweltministerium unterstützt Pläne für CO2-Klimaanlagen

Deutsche Autohersteller sträuben sich gegen den von der EU verordneten Einsatz einer umstrittenen Chemikalie. Als Kühlmittel für Klimaanlagen setzen sie auf Kohlendioxid. Das Umweltministerium schlägt sich auf die Seite der Industrie - und stellt Forderungen an Brüssel.

Klimaanlage im Auto: "CO2 zu nutzen, ist der richtige Weg"
DPA

Klimaanlage im Auto: "CO2 zu nutzen, ist der richtige Weg"


Hamburg - Im Streit um Kühlmittel in Auto-Klimaanlagen unterstützt das Bundesumweltministerium Pläne deutscher Autobauer für eine Klimatisierung mit Kohlendioxid (CO2). "CO2 zu nutzen, ist der richtige Weg. Es ist ungefährlich und hat ein sehr niedriges Treibhauspotenzial", sagte Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth (SPD) der "Frankfurter Rundschau". Damit schlägt sich das Ministerium auf die Seite der Autoindustrie.

Die deutschen Hersteller favorisieren CO2 als Alternative zur umstrittenen Chemikalie R1234yf, weil diese sich bei Unfällen entzünden kann. Um das Kühlmittel ist ein Streit entbrannt, seit der Autobauer Mercedes bei Tests das Risiko nachgewiesen hatte. Ein unter Verschluss gehaltener Test des Verbands der Automobilindustrie (VDA) soll zu ähnlichen Ergebnissen gekommen sein.

Laut Vorschrift der EU dürfen ab dem 1. Januar 2017 bisher verwendete Kältemittel wie R134a nicht mehr zum Einsatz kommen, weil sie einen zu hohen Treibhauseffekt haben. Bisher erreicht nur das von den Chemiekonzernen Honeywell und Dupont angebotene R1234yf den vorgeschriebenen Wert. Die CO2-Technologie wäre die bessere Alternative, weil sie umweltfreundlich und sicherer ist, doch dafür müssten die Klimaanlagen der Autobauer in ihrer Konstruktion massiv verändert werden. Hersteller wie Daimler entwickeln zwar bereits CO2-Klimaanlagen, diese sind jedoch noch nicht serienreif. R1234yf kann hingegen ohne größere Änderungen in die bestehenden Systeme eingefüllt werden.

Gemeinsame Strategie

Staatssekretär Flasbarth stellte im Interview mit der "Frankfurter Rundschau" die Sicherheitsbedenken über den Klimaschutz. Er hoffe, "dass auch die EU-Kommission die Vorteilhaftigkeit des Kältemittels CO2 erkennt". Gleichzeitig plädierte er dafür, dass es den Autobauern erlaubt werden sollte, notfalls Teile ihrer Neuwagenflotte später als zu dem von der EU festgesetzten Stichtag am 1. Januar 2017 von dem klimaschädlichen alten Kältemittel auf neue umzustellen.

Die Bundesregierung ist seit Beginn des Kältemittelstreits auf Konfrontationskurs mit der EU. Im Januar reagierte Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) mit Unverständnis auf ein Vertragsverletzungsverfahren, das Brüssel gegen Deutschland gestellt hatte.

An die drei großen deutschen Autobauer Daimler, Volkswagen und BMW appellierte SPD-Politiker Flasbarth, eine gemeinsame Strategie bei der Umstellung der Klimaanlagen zu verfolgen. Ziel müsse eine komplette Umrüstung auf CO2-Klimatisierung sein. Nach Recherchen von SPIEGEL ONLINE erwägt beispielsweise VW eine Übergangslösung, bei der das gefährliche Kältemittel R1234yf zum Einsatz kommen soll.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes hieß es, die EU habe ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Mercedes eröffnet. Das ist falsch: Brüssel hat das Verfahren gegen die Bundesregierung eröffnet. Wir haben den Fehler korrigiert und bitten, ihn zu entschuldigen.

cst/AFP

insgesamt 64 Beiträge
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Seite 1
ludwig_ellermann 01.07.2014
1.
Prima, so lösen wir das Problem mit dem CO2-Anstieg LOL
jj2005 01.07.2014
2. Scheinheilig
Das ist doch nur ein Manöver, um mehr Zeit zu schinden. Die Autobauer sollten pro verkauftem Wagen eine saftige 1000-Euro-Geldbusse aufgedrückt bekommen, wenn die Klimaanlage noch mit R134a läuft. Die Einnahmen dürfen gern in die beschleunigte Entwicklung von CO2-Anlagen zurückgeführt werden. Wetten, dass die Ingenieure den Entwickungs-Turbo anlassen würden?
brux 01.07.2014
3. --------------
Na, in diesen Artikel ist wirklich nicht viel journalistische Arbeit geflossen. CO2 als Kältemittel ist wohl eher noch Forschungsgegenstand. Das aktuelle Problem löst man damit nicht. Und wie jeder nachlesen kann, war das neue Kältemittel allen deutschen Herstellern recht, bis bei Daimler irgendetwas sehr schief gegangen ist: http://www.vfdb.de/download/R1234yfKaeltemittel.pdf Soweit ich weiss, ist die deutsche Industrie bei diesem Thema alles andere als geschlossen, und Herr Dobrindt sucht vermutlich mal wieder nach einem Beweis seiner universellen Inkompetenz.
titeroy 01.07.2014
4. Warum eigentlich
haben fast alle Autos eine Klimaanlage? Das ist doch absoluter Unsinn. Kostet nur sinnlos Energie.
Pentam 01.07.2014
5.
Zitat von sysopDPADeutsche Autohersteller sträuben sich gegen den von der EU verordneten Einsatz einer umstrittenen Chemikalie. Als Kühlmittel für Klimaanlagen setzen sie auf Kohlendioxid. Das Umweltministerium schlägt sich auf Seite der Industrie - und stellt Forderungen an Brüssel. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/kaeltemittel-umweltministerium-fuer-co2-als-kuehlmittel-in-klimaanlagen-a-978588.html
Komisch... die Firma Konvekta, die 2007 den Deutschen Umweltpreis für die Entwicklung von Klimaanlagen mit CO2 als Kühlmittel bekam, schreibt auf ihrer eigenen Homepage: Also scheint die Technik doch serienreif zu sein!? Was gibt es da noch zu entwickeln? Oder sind sich die Herren nur zu fein, Patentlizenzgebühren zu zahlen und "entwickeln" gerade eine Methode, wie sie das nutzen können ohne zu zahlen?
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