Pariser Urteil im Kältemittelstreit Frankreich muss Daimler-Autos wieder zulassen

Erfolg für Daimler im Kältemittelstreit: Frankreich muss den Verkauf der Kompaktmodelle von Mercedes wieder zulassen. Die betroffenen Autos sind mit einem nicht mehr zulässigen Kühlmittel für die Klimaanlagen ausgestattet. Die endgültige Entscheidung steht aber noch aus.

Stern in Stuttgart: Beschwerde vor dem Staatsrat
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Stern in Stuttgart: Beschwerde vor dem Staatsrat


Paris - Frankreich muss den Verkauf der Kompaktmodelle von Mercedes erlauben. Das oberste Verwaltungsgericht des Landes verpflichtete die französische Regierung am Dienstag dazu, die Fahrzeuge wieder zuzulassen. Daimler war vor den Staatsrat gezogen, um den von der sozialistischen Regierung Mitte Juni verhängten Zulassungsstopp aufheben zu lassen. Nach der einstweiligen Verfügung muss der Staatsrat nun noch in der Hauptsache entscheiden.

In der Unternehmenszentrale in Stuttgart wurde der vorläufige Beschluss begrüßt: "Der Conseil d'Etat hat unsere Rechtsauffassung bestätigt und die Zulassungsblockade in Frankreich mit sofortiger Wirkung aufgehoben", hieß es bei Daimler.

Der Hersteller des neuen Kühlmittels Honeywell ist jedoch nicht erfreut: "Es ist bedauerlich, dass die Entscheidung Daimlers, der EU-Richtlinie nicht zu entsprechen, die Zeit des Gerichts beansprucht, die Industrie verärgert und zu einem bürokratischen Ablenkungsmanöver mit negativen Folgen für die Umwelt geführt hat."

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Umstrittenes Kältemittel: Die Stellungnahmen der Autohersteller
Verhalten ist die Reaktion der Europäischen Kommission: "Wir werden uns die Entscheidung genau ansehen", sagte ein Sprecher in Brüssel.

Die EU schreibt für Fahrzeuge, deren Typgenehmigung nach dem 1. Januar 2011 erteilt wurde, ein klimaschonenderes Kältemittel vor. Die Substanz R1234yf erfüllt die europäischen Richtlinien und lässt sich als einzige verfügbare Chemikalie in den Klimaanlagen der Autos einsetzen.

Doch Mercedes will das Mittel nicht einsetzen, weil es bei Unfallsimulationen in Brand geriet und sich gefährliche Flusssäure gebildet hatte. Stattdessen verwendet das Unternehmen das nicht mehr erlaubte Mittel R134a. Frankreich erkannte die dafür nötige erweiterte Typgenehmigung nicht an und weigerte sich deshalb seit Anfang Juni, die neuen Mercedes-Modelle der A-, B,- SL- und CLA-Klasse zuzulassen. Betroffen waren laut Daimler mehr als 4500 Fahrzeuge.

Auch das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hat sich mit der Brandgefahr des Kältemittels R1234yf beschäftigt. In einem Zwischenbericht hieß es Anfang August, dass sich die Flüssigkeit unter äußerst extremen Bedingungen tatsächlich entzünden kann. Trotzdem bestehe nach Ansicht des KBA keine ernsthafte Gefahr. Die Behörde sprach die Empfehlung aus, die EU solle die Umstände weiter untersuchen.

rom/dpa/AFP

insgesamt 61 Beiträge
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diddi99 27.08.2013
1. Ähm...
Wie passen "nicht mehr zulässiges Kältemittel" und "wieder zulassen" zusammen?
alucard0390 27.08.2013
2. Ganz richtig
Der zulassungsstopp war nicht richtig und mercedes sollte sogar Schadenersatz wegen einen Teil der dadurch verlorenen Kunden. Ich freue mich das Mercedes an die Sicherheit der Käufer denkt und sich das mittel nicht aufzwingen lässt da sowieso kein anderer Hersteller das mittel verwendet sogar Toyota hat es wieder aus allen Autos entfernt
Ottokar 27.08.2013
3. Wenn die Tests von Mercedes richtig sind
und anerkannt werden, sollten alle importierten Fahrzeuge aus Frankreich, die das Zeug im Tank haben aus dem Verkehr gezogen werden. Man stelle sich vor es gibt einen Massenunfall und das Zeug brennt. Honywell und DuPont haben halt Pech gehabt das Zeug mit ihrer Lobby in den Markt zu drücken.
kenterziege 27.08.2013
4. Na endlich!
Zitat von sysopDPAErfolg für Daimler im Kältemittelstreit: Frankreich muss den Verkauf der Kompaktmodelle von Mercedes wieder zulassen. Die endgültige Entscheidung steht aber noch aus. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/kaeltemittelstreit-daimler-darf-kompaktmodelle-in-frankreich-verkaufen-a-918899.html
Frankreich ist eben doch ein Rechtsstaat. Und die Franzosen werden einsehen, dass letztendlich CO2 als Kältemittel viel besser ist, als dieses Killerkältemittel von zwei monopolisierten US-Konzernen. Es wäre eine schöne Aufgabe für investigative Journalisten, wie überhaupt eine Mehrheitsmeinung für R 1234 Yf entstehen konnte. Die können ja beim VDA von Herrn Wissmann anfangen! Mercedes gebührt großes Lob, gegen den Strom geschwommen zu sein. Toyota ist auf den Zug aufgesprungen!
statussymbol 27.08.2013
5.
Zitat von diddi99Wie passen "nicht mehr zulässiges Kältemittel" und "wieder zulassen" zusammen?
In dem man die ersten zwei Sätze des Artikels liest: Wenn man den Zulassungsstop gerichtlich aufheben lässt, dann ist das Kühlmittel wieder zugelassen. War das jetzt so schwer zu verstehen?
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