Kap der guten Kurven Ans Ende der Welt

Sie ist zwar nicht sonderlich lang. Doch gilt die Fahrt von Kapstadt ans Kap der Guten Hoffnung als eine der schönsten Strecken der Welt. Und das mit Recht. Denn von vorn locken die Wellen zweier Ozeane – und den Rückspiegel füllt majestätisch der Tafelberg.


Zugegeben, Südafrika besucht man wohl nicht zum Autofahren. Doch selbst wer sich nur kurze Zeit in Kapstadt aufhält, den zieht es unwillkürlich auf jene fast schon mystische Felszunge, die Seefahrer hochachtungsvoll das Kap der guten Hoffnung nennen. Und dabei wird schon der Weg zum Ziel. Denn die zusammen nicht einmal 200 Kilometer lange Rundfahrt ans Ende der Welt zählt zu den schönsten und spektakulärsten Strecken, die Afrika zu bieten hat. Auch wenn man sie nicht in einem potenten Sportwagen oder einem luftigen Roadster, sondern in einem schlichten Mietwagen unter die Räder nimmt. Denn wirklich zügig fahren kann man wegen des für viele Kontinentaleuropäer ungewohnten Linksverkehrs und der gefühlten 1000 Kurven ohnehin nicht - außerdem zöge dann ja das atemberaubende Panorama viel zu schnell vorbei.

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Spaßstrecke: Kap der Kurven

Die Fahrt beginnt im Zentrum der Drei-Millionen-Metropole Kapstadt, um deren Hafen sich wie ein Ring ein pulsierendes Unterhaltungsviertel mit Theatern, Museen, Boutiquen, Restaurants und Hotels gelegt hat. Mit dem 1087 Meter hohen Tafelberg und seiner charakteristischen Wolkenhaube, die ihn aussehen lässt wie eine Tasse Cappuccino, im Rückspiegel geht es zügig aus der Stadt hinaus. Vorbei an Wellblech-Siedlungen führt der Weg über die N2, M3 und M42 aus dem Zentrum in Richtung Muizenberg und dort an die Ufer der "False Bay", jener Bucht, die Seefahrer früher auf dem Weg von Ost nach West häufig mit dem Atlantik verwechselt haben.

Dort beginnt der kurvige Boyes Drive, der mit faszinierenden Blicken auf schneeweiße Strände durch Dörfer wie Kalk Bay oder Fish Hoek zum ersten Zwischenstopp bei "Boulders Beach" nach Simon's Town führt. Zwar ist der Strand dort nicht schöner als in den Nachbarorten - doch die Badegäste sind illusterer. Denn dort teilt man sich den Sand mit einer großen Kolonie von Pinguinen, die mitten unter den Touristen zwischen dem Meer und ihren Nestern hin und her watscheln. Mitunter verirren sich die etwas tollpatschig wirkenden Frackträger auch auf die Straße, weshalb es für sie eigene Zebrastreifen und Verkehrsschilder gibt. Dann dösen sie im Schatten unter den geparkten Autos oder stehen in den Grünanlagen wie daheim die Gartenzwerge.

Paviane starren verträumt ins Nirgendwo

Von Simon's Town geht es noch einmal eine knappe Viertelstunde nach Süden, bis eine Kontrollstelle den Weg versperrt. Dort, wo in anderen Ländern wegen der exponierten Lage vielleicht ein militärisches Sperrgebiet beginnen würde, schützen die Südafrikaner Flora und Fauna. Denn die letzten Kilometer zum Kap führen durch ein Naturreservat. Es gelten strenge Verkehrsregeln und ein striktes Tempolimit. Auch die Neugier bremst bei der Tour durch die rauhe Landschaft. Und die Affen. Denn an jeder zweiten Straßenecke sitzen Paviane auf den Felsblöcken. Zwar starren sie oft verträumt und geistesabwesend ins Nirgendwo. Doch sie sind hellwach und warten nur darauf, dass Besucher zum Fotografieren anhalten. Nicht nur, weil es dann meist auch ein paar Leckereien gibt. Sondern vor allem, weil die Affen aus offenen Autos alles klauen, was nicht niet- und nagelfest ist.

Tour zum Kap: Gleich hinter Kapstadt bietet sich ein atemberaubendes Panorama
Tom Grünweg

Tour zum Kap: Gleich hinter Kapstadt bietet sich ein atemberaubendes Panorama

Vom Ende der Straße zum Ende der Welt sind es dann nur noch ein paar Schritte: Zu Fuß oder mit einer Zahnradbahn geht es auf einen letzten Berg, man erklimmt noch einmal 133 Stufen - und blickt auf das Kap der guten Hoffnung. Auch wenn sich der Indische und der Atlantische Ozean streng genommen erst 300 Kilometer weiter im Süd-Osten treffen, ist der Blick auf das Meer einfach atemberaubend. Für die Weitsicht steht dabei auch der "neue" Leuchtturm. Während das erste, 1860 am Cape Point errichtete "Lighthouse" vor allem bei schlechtem Wetter von See aus kaum zu sehen war, strahlt seit 1919 ein zweiter Turm etwas heller in die Nacht hinaus.

Heute ist sein Licht bis zu 63 Kilometer weit zu sehen und warnt so die mehr als 20.000 Schiffe pro Jahr, die das Kap heute zu einer der am stärksten befahrenen Seestraßen der Schifffahrt machen. Der erste Kapitän auf dieser Route war der Portugiese Bartholomeu Diaz, der den Felsen auf der Suche nach einem Seeweg nach Indien 1488 umsegelte und ihm den Namen "Kap der Stürme" gab. Zu Recht: Selbst wenn das Thermometer in der Stadt noch 30 Grad Celsius zeigt, ist eine Windjacke auf dieser Tour angeraten.

Küstenstraße Chapman's Peak Drive

Gestärkt von einem Imbiss im "Two Oceans"-Restaurant geht es zurück Richtung Norden - diesmal allerdings nicht mit Blick auf den Indischen, sondern auf den Atlantischen Ozean. Kurz hinter dem Park passiert man viele Stände mit afrikanischer Schnitzkunst. Danach geht es weiter Richtung Scarborough und von dort vorbei an langen Stränden oder traumhaften Buchten wie den "Misty Cliffs" - wo eine stete Brise auch bei größter Hitze angenehm kühlt und die Gischt der Wellen häufig bis auf die Straße sprüht. In Noordhoek beginnt dann der Chapman's Peak Drive, den die Reiseführer unisono als eine der schönsten Küstenstraßen der Welt loben. Nachdem die Strecke wegen vieler Felsstürze über drei Jahre gesperrt war, kostet sie nun zwar "Eintritt", ist dafür aber gründlich saniert und frisch herausgeputzt worden.

Obwohl die 1922 von italienischen Kriegsgefangenen erbaute Serpentinenstraße nach Hout Bay nur etwas mehr als zehn Kilometer lang ist, gilt sie vielen Besuchern als das Highlight einer Tour ans Ende der Welt. Denn das Panorama ist nahezu unbeschreiblich: Unter sich das tosende Meer und über sich den schroffen Fels genießt man nach jeder Kurve einen neuen Ausblick. Wer genügend Speicherplatz auf der Digitalkamera hat und am Morgen früh genug losgefahren ist, zuckelt diese Strecke beinahe im Schritttempo und hält immer wieder an.

Auch die letzten 20 Kilometer zurück nach Kapstadt sind ausgesprochen fotogen. Auf gut ausgebauten Straßen geht es vorbei an dem von hohen Klippen umgebenen Badeort Llandudno hinunter nach Camps Bay. Während sich rechterhand die Bergkette "Zwölf Apostel" majestätisch in den blauen Himmel bohrt, rollen links die großen atlantischen Brecher sanft auf den weißen Sandstränden aus.

Am Horizont nähert sich dann schon Kapstadt. Und wer auf diesen 200 Kilometern noch immer nicht genügend Eindrücke gesammelt hat, der biegt kurz vor der Einfahrt ins Stadtzentrum noch einmal rechts ab und folgt den Schildern zum Tafelberg. Schon der Weg zur Talstation der Gondel hat es in sich. Zwar wird der Verkehr hier deutlich dichter, und man plagt sich mit Bussen und Taxen hinauf. Doch lohnt der abendliche Blick auf die Stadt in der Dämmerung die Mühe allemal. Und wenn man nach fünf Minuten mit der Schweizer Seilbahn bis auf das Gipfelplateau gefahren ist, liegt einem spätestens dann Südafrika endgültig zu Füßen.

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