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Karabag New 500E: E-Auto im Retro-Look

Foto: Tom Grünweg

Karabag Fiat 500 E E-Mobil zum Kleinwagenpreis

Neben der mangelnden Reichweite gilt vor allem der hohe Preis als Hindernis für den Verkaufserfolg von Elektroautos. Zumindest für eine Kleinserie hat der Hamburger Umrüster Sirri Karabag das Problem gelöst: Der neue Fiat 500E soll weniger kosten als ein Benziner.

"Wir machen das Elektroauto günstiger als den Benziner." Mit dieser Kampfansage will der Hamburger Umrüster Sirri Karabag jetzt das Segment der Kleinwagen aufmischen und erst einmal mit einer Kleinserie des elektrischen Fiat 500 all jene Lügen strafen, die Batterieautos für schier unbezahlbar halten. Der Deutsch-Türke aus dem Norden ist kein Phantast. Karabag weiß, wovon er spricht. Immerhin hat er bereits 300 Elektroautos auf die Straße gebracht und mit den umgerüsteten Fiat-Modellen Fiorino und 500 im vergangenen Jahr einen Marktanteil von mehr als 50 Prozent erreicht. "Kein anderer Hersteller oder Umrüster steht in der E-Auto-Statistik des Kraftfahrtbundesamtes vor uns", sagt er stolz.

Um diese Position noch ein wenig zu halten und den trägen und zögerlichen Großserienherstellern weiterhin voraus zu fahren, legt Karbag jetzt nach und bringt das Modell "New 500E" an den Start. Neu ist der Wagen vor allem deshalb, weil Karabag bei der Evolution seines E-Autos vor allem an dessen Preis gefeilt hat.

299 Euro wird man deshalb ab Herbst als monatliche Leasingrate für die Weiterentwicklung seines Fiat 500e bezahlen müssen. "Der Vorgänger hat monatlich noch etwa 1300 Euro gekostet, und für den Benziner liegt das Leasing bei rund 200 Euro." Rechne man dann mit einer Laufleistung von etwa 1000 Kilometern, einem Spritspreis von 1,49 Euro pro Liter und einem Strompreis von 0,24 Euro pro Kilowattstunde, dann kommen beim Benziner noch 104 Euro Sprit, 2,70 Euro Steuern, 70 Euro Versicherung und 35 Euro Wartung dazu. Für den Stromer muss man mit Energiekosten von 26,40 Euro rechnen. "Die Wartung ist im Leasingvertrag enthalten, die Versicherung haben wir auf 45 Euro gedrückt und von den Steuern ist das Elektroauto erstmal befreit", sagt Karabag und zieht den Summenstrich: Für den Benziner kommt er so monatlich auf 412 und für den Stromer auf 370,40 Euro. "Das macht einen Unterschied von 41,60 Euro", strahlt er: "So machen wir das Elektroauto billiger als den Benziner."

Aber der Fiat 500E punktet nicht nur mit einem niedrigen Preis. Sondern auch mit ein paar pfiffigen Ideen wie etwa der CO2-neutralen Bioethanol-Standheizung für den Winterbetrieb ohne Reichweitenverlust oder der Option auf eine Induktionsladung über den Kennzeichenrahmen. Und auf der Straße macht er einen ausgereiften Eindruck: Weil bei dem Umbau, für den Karabags 20 Mechaniker in Hamburg pro Auto rund 40 Stunden benötigen, an der originalen Konstruktion kaum etwas geändert wird, fährt sich der 500E beinahe wie ein ganz normaler Fiat 500 - nur eben lautlos und mit einem deutlich schwungvolleren Antritt.

An Fahrwerk und Getriebe wird nichts verändert

"Das Fahrwerk bleibt völlig unverändert, unser Motor nutzt die vorhandene Aufhängung und ist an das Original-Getriebe gekoppelt", erklärt Karabag das harmonische Fahrverhalten des Kleinwagens, der völlig unauffällig durch Hamburg stromert. Im Stadtverkehr ist der 500E mit einem aus den Gabelstaplern des Herstellers Linde übernommenen 38-PS-Elektromotor flott unterwegs. Er lässt auf den ersten Metern manch anderen Kleinwagen stehen und schnurrt zügig davon. Bis Tempo 50 vergehen 8,5 Sekunden, danach wird es etwas zäher und die Maximalgeschwindigkeit liegt bei 105 km/h.

Dass er den Fiat so billig anbieten kann, liegt nicht nur an den in der Höhe nicht bezifferten Fördermitteln der Bundesregierung, die Karabag für den Bau von 200 Autos einstreicht. Ein weiterer Grund ist die kostengünstige Konstruktion sowie eine freiwillige Selbstbeschränkung. Die Akkukapazität beispielsweise wurde gegenüber dem Vorgängermodell glatt halbiert. "Aus den drei Millionen Kilometern, die unsere Autos in Kundenhand bereits gefahren sind, haben wir viel gelernt", sagt Karabag. "Zum Beispiel, das kaum jemand mehr als 30 Kilometer am Tag fährt." Also tut es auch ein 11 kWh großer Akku. Der speichert elektrische Energie für bis zu 100 Kilometer Fahrstrecke, ehe die Lithium-Polymer-Zellen aus Korea leer sind und für sieben bis acht Stunden an die Steckdose müssen.

Wenn die Bundes-Fördermittel aufgebracht sind, will Karabag zwar weiter Elektroautos bauen und verkaufen, aber die werden dann wieder etwas teurer sein. "Derzeit könnten wir einen Fiat 500E für 19.900 Euro verkaufen. Später wären wir über einen Preis von rund 25.000 Euro schon überglücklich", sagt er.

Keine Unterstützung von Fiat

Auf Unterstützung von Fiat konnte Karabag bei der Entwicklung und Umbau übrigens nicht zurückgreifen. Zwar hat der Hamburger Elektro-Pionier, der rund 80 Prozent seines Umsatzes mit dem Vertrieb leichter Fiat-Nutzfahrzeuge erzielt und in diesem Geschäft zu den Branchenriesen in Europa zählt, zu den Italienern einen guten Draht; doch beim Thema Elektromobilität endet die Kooperation rasch. "Fiat will schließlich auch einmal ein eigenes Elektroauto verkaufen", sagt Karabag, "deshalb dürfen wir da nicht auf große Hilfe hoffen."

Die Daten der Bordelektronik mussten Karabags neun Elektro-Entwickler deshalb in tausenden von Arbeitsstunden selbst entschlüsseln. Und während Fiat zum Beispiel an die Hersteller von Wohnmobilen sogenannte Windläufe - also das Fahrzeugchassis plus Kabine ohne Karosserie - verkauft, muss Karabag für jedes Elektroauto stets einen kompletten Fiat 500 bestellen. Das hat natürlich auch Einfluss auf den Preis: "Wir könnten unsere Fahrzeuge noch billiger anbieten, wenn wir nicht jedes Mal den für uns überflüssigen Verbrennungsmotor mitbezahlen müssten."

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