Karmann Meister der Nische

Ohne Karmann gäbe es so manches Cabrio nicht. Der in Not geratene Osnabrücker Karosserier ist nicht nur für den Bau von Klapp- und Faltdächern zuständig, sondern entwickelt und fertigt seit über 100 Jahren komplette Fahrzeuge. Ein Über- und Rückblick in Bildern.


Die ersten Karossen von Europas größtem Cabriobauer waren Pferdekutschen: 1901 übernahm Wilhelm Karmann die Wagenfabrik Christian Klages in Osnabrück - und über die nächsten hundert Jahre hinweg entwickelte sich Karmann zum Spezialisten für Kleinserien und heute besonders für Cabriolets.

Nun bringt ein luxuriöser Zweisitzer das Unternehmen in Schwierigkeiten: Die Aufträge für den Hauptumsatzbringer Chrysler Crossfire bleiben aus, die Produktion für Coupé und Cabrio soll gedrosselt werden. Die Geschäftsführung kündigt massiven Stellenabbau, der Betriebsrat fürchtet um 1000 der rund 5300 Arbeitsplätze im Stammwerk in Osnabrück.

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Karmann: Vom Hausfrauenporsche zum Crossfire

Karman ist auf Deutschlands Straßen allgegenwärtig. Meist steht nicht Karmann drauf, auch wenn der Hersteller das Fahrzeug komplett gebaut hat: Neben dem Chrysler Crossfire sind es aktuell zum Beispiel die Cabriolets des Audi A4, des Mercedes-Benz CLK und des Volkswagen New Beetle. Für das Jaguar XK8 Cabriolet, den Mercedes-Benz SLK und den Renault Mégane II liefert Karmann Teile.

Und auch die Geschichte des deutschen Automobilbaus ist reich an Karmann-Mobilen. Hatte sich doch der Karmann Ghia, auch als Hausfrauenporsche verspottet, zum Publikumsliebling gemausert, von dem von 1957 bis 1975 über 80.000 Stück verkauft wurden. Im letzten Jahr wurde das 50-jährige Jubiläum seiner Vorstellung gefeiert. Für Volkswagen entwickelte und baute Karmann unter anderen sämtliche Käfer- und Golf-Cabrios und den Scirocco. Aber auch Modelle von BMW, Ford und Porsche liefen in Osnabrück vom Band.

Die neuste Eigenentwicklung und gleichzeitig Wortneuschöpfung ist der sogenannte SUC: ein Street Utility Cabriolet. Die Studie des wuchtigen Geländewagens mit Cabriodach wartet jedoch noch auf einen Hersteller, der sich seiner annimmt und der Osnabrückern neue Arbeit gibt.

Antje Blinda



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