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Messeneuheiten: E-Fahrräder auf der Eurobike

Foto: pd-f.de/ Paul Masukowitz

Kaufprämie für E-Bikes Verkehrsklubs fordern Subventionen von bis zu 4000 Euro

Elektroautos werden staatlich gefördert, E-Bikes nicht. Die Fahrrad-Lobby findet das ungerecht, der Bundesrat auch - eine Chance zur Verkehrswende wird vertan, lautet ihr Argument. Die Regierung ist anderer Meinung.
Von Helmut Dachale

Elektroantrieb lautet das Zauberwort auf der derzeit stattfindenden Eurobike in Friedrichshafen, eine der weltweit größten Fahrradmessen. Kein Wunder: Jedes achte der 2015 in Deutschland verkauften Fahrräder hatte einen Elektromotor - 535.000 Stück insgesamt, 11,5 Prozent mehr als noch im Jahr zuvor. Der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) spricht von einem "ungebremsten Boom" bei Pedelecs (mit elektrischer Tretunterstützung bis 25 km/h) und E-Bikes (bis 45 km/h). Vor allem Fahrradhändler machen diese Zahlen glücklich.

Denn laut ZIV hat der gesteigerte Absatz maßgeblich dazu beigetragen, den durchschnittlichen Verkaufspreis eines Fahrrads zu erhöhen. Er liegt derzeit bei 557 Euro. Viele E-Bikes kosten das Vierfache, einige sind auch zehnmal so teuer - man könnte sich von dem Geld auch ein Auto kaufen.

Genau das hätten die Kunden aber nicht vor, sagen Händler und Hersteller - im Gegenteil: Weil das E-Bike oder Pedelec das Fahrradfahren bequemer und schneller mache, würden die Menschen dazu motiviert, ihr Auto stehenzulassen. Die Folge wären weniger Verkehr und eine bessere Luft, alle würden profitieren.

Wenn also oft nur noch der saftige Preis von der Anschaffung eines Elektro-Fahrrads abschreckt, wäre es dann nicht an der Zeit für Subventionen? Wenn der Staat seinen Bürgern Geld für E-Autos schenkt, sollte es dann nicht erst Recht eine Kaufprämie für die ökologisch sinnvolleren E-Räder geben? So lauten die Fragen der Befürworter.

"4000 Euro Kaufprämie - das wäre ein innovatives Signal"

Pedelecs und E-Bikes "ersetzen Autowege und erhöhen den Mobilitäts-Radius im Alltag im Vergleich zu klassischen Fahrrädern", lautet eine der Grundüberzeugungen des Verkehrsclub Deutschland (VCD). "Deshalb sind sie auch förderungswürdig und haben eine Kaufprämie verdient" sagt VCD-Sprecher Gerd Lottsiepen.

Er denke da aber an bestimmte Modelle: "Auf jeden Fall E-Lastenräder, die leisten transportmäßig wirklich was und sorgen damit in der Stadt für weniger Emissionen." Er hätte zwar nichts dagegen, wenn eines Tages der Kauf jedes E-Bikes finanziell unterstützt werde, aber grundsätzlich solle man schon auf den Zweck achten.

Lasten-E-Bike von Riese & Müller

Lasten-E-Bike von Riese & Müller

Foto: Riese und Müller

Burkhard Stork, Bundesgeschäftsführer des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) kann da nur beipflichten. Seine Vision: "4000 Euro Kaufprämie für E-Lastenräder - das wäre ein innovatives verkehrspolitisches Signal."

Beim Zweirad-Industrie-Verband ZIV gibt man sich genügsamer. Eine Kaufprämie von 500 Euro wäre okay - diese Summe aber sollte jeder erhalten, der sich ein Elektrorad neu anschafft, egal, ob Lastenrad oder Mountainbike. So liest es sich in einem Zehn-Punkte-Programm, das die Verbandsmitglieder kürzlich verabschiedet haben.

Sogar der Bundesrat macht sich für eine "direkte Förderung" stark

Für Umwelt- und Branchenverbände sind solche Forderungen keine große Überraschung - dass die Kaufprämie für E-Räder aber auch von einem Verfassungsorgan der Bundesrepublik, nämlich dem Bundesrat, ganz offiziell ins Spiel gebracht wird, war nicht unbedingt zu erwarten. Doch in der Drucksache 277/16  war vor wenigen Wochen wörtlich zu lesen: "Der Bundesrat (…) bittet die Bundesregierung erneut, im weiteren Gesetzgebungsverfahren zu prüfen, wie der rechtliche Rahmen für eine deutlich stärkere Nutzung von Zweirädern mit Elektrounterstützung und mit Elektroantrieb (...) verbessert werden kann."

Und weiter: "Angesichts der von der Bundesregierung gewährten Kaufanreize für die Beschaffung von Elektrofahrzeugen käme möglicherweise auch eine direkte Förderung als Lösungsmöglichkeit in Betracht."

Ein sogenanntes Dienstwagenprivileg für Fahrräder gibt es bereits seit einigen Jahren, nun wünschte sich der Bundesrat auch "zusätzliche steuerliche Anreize für Unternehmen und Belegschaft, die (…) den Anteil der betrieblich bzw. beruflich auf Zweirädern mit Elektrounterstützung und Elektroantrieb zurückgelegten Wegstrecken deutlich erhöhen." Das Ganze sei schließlich "im Interesse von Klimaschutz, Luftreinhaltung und nachhaltiger Mobilität."

Klingt schlüssig - ist so viel Lob aber tatsächlich gerechtfertigt?

Ein Pedelec braucht nicht viel Strom - ein normales Rad gar keinen

"2017 wird ein spannendes E-Bike-Jahr", lautet die freudige Prognose der Eurobike-Veranstalter. Doch der Blick auf die Neuheiten und Trends der Messe zeigt auch: Technisierung, Spezifizierung und Anwendungszwecke werden immer breiter aufgefächert. Das führt mittlerweile zur Frage, ob jedes E-Bike so umweltpolitisch korrekt daherkommt, wie es seit Jahren erzählt wird.

Ein unter normalen Bedingungen gefahrenes Elektrofahrrad ist kein Stromfresser, auf hundert Kilometern, so lautet eine Faustregel, wird in etwa gleich viel Energie wie für eine Waschmaschinenladung verbraucht. Da aber aus den wenigsten Steckdosen hundertprozentig reiner Ökostrom fließt, ist dieser Aspekt nicht zu vernachlässigen. Vor allem dann nicht, wenn es sich um ein Transportrad handelt, bei dem sich der Akku wegen der höheren Belastung schneller entlädt. Doch gerade das motorgestützte Lastenrad oder Cargo-Bike hat das Zeug zum Emissionsvermeider.

Ganz anders sieht die Sache allerdings bei E-Mountainbikes aus.

Mit der "Sex Machine" in die Berge

Kein anderes Segment im Fahrradmarkt sei derzeit so dynamisch, heißt es bei Branchenexperten. "Wir schätzen, dass der Markt an E-Bikes unter den Mountainbikes schon bei zehn bis 15 Prozent liegt", sagt ein ZIV-Sprecher.

Elektro-Mountainbike des Schweizer Herstellers Flyer

Elektro-Mountainbike des Schweizer Herstellers Flyer

Foto: Flyer

Solche E-Mountainbikes sind nicht gemacht, um auf dem Weg zum Supermarkt und ins Büro das Auto zu ersetzen. Auf diesen Boliden soll es nach draußen in die Natur gehen, mit klobigem 500-Wh-Akku am Unterrohr und einem 250-Watt-Mittelmotor. Über abwegige Trails, wo man mit einem normalen Fahrrad ohne Tretkraftunterstützung wohl schieben müsste. Nach unten dann Vollgas.

Auch die E- Mountainbikes sind teuer - ein paar Tausend Euro lassen sich hier ohne Weiteres ausgeben. Dennoch sind sie offensichtlich attraktiv für eine wachsende Zielgruppe. Sie wecken Emotionen. Einer der Hersteller bewirbt sein Produkt als "Sex Machine".

Die Haltung der Bundesregierung ist eindeutig

Über den Sinn von maschineller Unterstützung beim Bergradeln kann man geteilter Meinung sein. Fest steht jedoch: Eine staatliche Kaufprämie für Elektrofahrräder wird es vorerst nicht geben, weder für familienfreundliche Cargo-Bikes noch für vermeintliche "Sex Machines". Denn die Bundesregierung hat bereits auf die Stellungnahme des Bundesrates geantwortet - und zwar ablehnend.

Eine direkte Förderung, also eine Subvention wie für Elektroautos, sei für E-Bikes "derzeit für nicht erforderlich", heißt es in Drucksache 18/9239 . Begründung: "Der Markt für diese Zweiräder hat sich bereits entwickelt und befindet sich derzeit in einer guten Verfassung."

Dem kann - und will - nicht mal die Fahrrad-Lobby widersprechen.

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