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23. Juli 2016, 10:27 Uhr

Kaufprämie für Elektroautos

Kunden profitieren kaum vom Herstellerrabatt

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Käufer von E-Mobilen erhalten eine Prämie. Die Kosten für die Förderung teilen sich Staat und Autoindustrie. Doch der Nachlass der Hersteller kommt offensichtlich nicht immer beim Kunden an.

Die Befürchtung von Mitnahme-Effekten durch die Autoindustrie bei der Elektroprämie könnte sich bestätigen. Das legen erste Auswertungen des Onlinekaufportals Meinauto.de nahe, das für Käufer von Neuwagen möglichst hohe Rabatte heraushandelt. Demnach bekommen Kunden die seit Mai geltende Prämie für Elektrofahrzeuge nicht in vollem Umfang weitergereicht. Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.

Das von der Bundesregierung beschlossene Förderprogramm sieht vor, dass Käufer von batteriebetriebenen Pkw einen Zuschuss von 4000 Euro erhalten. Für Plug-in-Hybridfahrzeuge mit Elektro- und Verbrennungsmotor beträgt die Prämie 3000 Euro. Staat und Industrie teilen sich die Aufwendungen für den Fördertopf: Die insgesamt für das Programm bereitgestellten 1,2 Milliarden Euro werden je zur Hälfte von der Regierung und von den Autoherstellern gestemmt.

Das Kaufportal MeinAuto.de hat nun eine Analyse über die Rabatte vorgenommen, die es für Neuwagenkäufer erzielen konnte, und zwar vor und nach Einführung der Elektroprämie. Einige Ergebnisse dürften potenzielle Elektroautokäufer verägern.

Plötzlich fallen bisher gewährte Rabatte geringer aus

Wer beispielsweise am Jahresanfang einen Nissan Leaf kaufte, konnte einen Nachlass von 16,1 Prozent vom Listenpreis des Basismodells erzielen. Ein Kunde, der nach Einführung der Prämie den Kleinwagen erstand, erhielt kaum mehr Rabatt: 16,6 Prozent, mithin eine Differenz von 155 Euro.

Ähnlich verhält es sich beim BMW 2er Active Tourer Plug-in-Hybrid: Er ist nach Einführung der Prämie inklusive Nachlass nur gut 400 Euro billiger. Die Hersteller bei Plug-in-Hybriden haben sich aber verpflichtet, 1500 Euro Rabatt zu gewähren.

Das Problem: Während alle Käufer von E-Mobilen vom Staat einen direkten Zuschuss von 2000 Euro erhalten, profitiert der Kunde kaum von der Prämie der Hersteller, weil andere, bislang gewährte Rabatte gekürzt werden.

Hersteller machen die Händler verantwortlich

Die betroffenen Hersteller bestreiten die Berechnungen. Ein BMW-Sprecher sagt, die Firma habe keinen direkten Einfluss auf die Höhe der von Händlern gewährten Rabatte. Ein Nissan-Sprecher verwies auf die freiwilligen Rabatte seiner Firma, die bereits vor Einführung der Elektroprämie an die Kunden ausgezahlt worden sei.

Verbraucherschützer beobachten die Entwicklung auf dem noch jungen Markt der Elektroautos und Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge mit Argwohn. "Wenn sich diese Informationen verdichten, wäre die Wirkung der Elektroprämie verpufft", sagt Marion Jungbluth vom Verbraucherzentrale Bundesverband.

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