Kaufprämie für Elektroautos Tesla wittert Verschwörung der Regierung mit deutschen Herstellern

Die von der Bundesregierung beschlossene Kaufprämie für E-Mobile gilt nur für Autos, deren Basisversion weniger als 60.000 Euro kostet. Diese Einschränkung nimmt der US-Hersteller Tesla persönlich - seine Modelle sind teurer.

Tesla-Chef Elon Musk
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Tesla-Chef Elon Musk


Käufer von Elektroautos kommen bald in den Genuss einer Prämie von bis zu 4000 Euro - vorausgesetzt, ihr gewünschtes Modell ist in der Grundausstattung nicht teurer als 60.000 Euro. Diese von der Bundesregierung und Vertretern deutscher Fahrzeughersteller ausgehandelte Preisgrenze wird jetzt von dem Elektroautohersteller Tesla scharf kritisiert.

Das Preislimit von 60.000 Euro für ein Basismodell sei willkürlich, hieß es in einem Blogeintrag am Mittwoch. "Dieser Teil des Programms ist offensichtlich gegen Tesla gerichtet", erklärte der US-Konzern und verwies darauf, dass der Plan gemeinsam mit den Chefs der deutschen Autohersteller entwickelt worden sei.

Der Grund für die Empörung der Kalifornier: Das Model S kostet mindestens 88.000 Euro und das neue Model X ab 96.000 Euro. Die beiden Fahrzeuge gehören zu dem Marktsegment, in dem etwa BMW mit dem 7er oder Mercedes-Benz mit der S-Klasse unterwegs ist. In den USA sind Teslas Verkäufe inzwischen mindestens vergleichbar mit dem Absatz dieser Modelle, in Deutschland liegen die einheimischen Premiumhersteller noch klar vor. Ein preiswerteres Auto - das Model 3 für umgerechnet 31.000 Euro - will Tesla ab Ende 2017 ausliefern. Experten rechnen aufgrund der bisherigen Erfahrungen mit Tesla jedoch mit einer späteren Markteinführung.

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Modellübersicht: Für diese E-Autos gilt die 4000-Euro-Kaufprämie

Die Kritik von Tesla an der Preisgrenze erscheint insofern als verfehlt, als dass auch Autos anderer Hersteller dadurch von der Prämie ausgeschlossen sind. Einige Hybridmodelle beispielsweise von BMW, Mercedes oder Volvo sind ebenfalls teurer als 60.000 Euro.

Hinzu kommt ein Punkt, der ohnehin für Kritik an der Prämienlösung sorgt: Die Fördersumme von insgesamt 1,2 Milliarden Euro wird nämlich zur Hälfte von den Steuerzahlern aufgebracht - warum die Allgemeinheit einige wenige Menschen bei der Finanzierung ihrer Luxusautos unterstützen sollte, wäre kaum zu vermitteln.

Videoanalyse zur Kaufprämie: "Absurd, die Autoindustrie staatlich zu fördern"

DPA/SPIEGEL ONLINE

"Es ist wichtig zu erwähnen, dass Model S und Model X in ihrem Segment genau die Autos ersetzen, die den höchsten CO2-Ausstoß haben", schrieb Tesla weiter in dem Blogeintrag. Als Reaktion senkte Tesla nun den günstigsten Leasing-Preis für das Model S von 527 auf 495 Euro im Monat.

Nach langer Diskussion hatte die Bundesregierung vergangene Woche die Kaufprämie für Elektroautos verabschiedet. Der Kauf eines reinen Elektroautos wird mit 4000 Euro gefördert, Plug-in-Hybride mit 3000 Euro. Die direkten Zuschüsse - getragen zur Hälfte vom Steuerzahler und von den E-Auto-Anbietern - sollen ab diesem Monat die Nachfrage anschieben.

cst/dpa



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goldtaal 04.05.2016
1. Zufall
Es ist bestimmt nur ein "Zufall", dass der weltweite Marktführer von Elektroautos mit keinem seiner Modelle von der Prämie betroffen ist, während Käufer der deutschen Automobilhersteller (welche die Entwicklung komplett verschlafen haben) die Prämie erhalten :D
rt2323 04.05.2016
2. irrelevant
Wer ein Auto im Wert eines Eigenheims kauft wird wohl nicht auf eine Prämie angewiesen sein...
manfredkaese 04.05.2016
3. warum ich als Fahrradfahrer
anderen Menschen die Autos finanzieren soll, erschliesst sich mir aber auch nicht unmittelbar.
frankn.stein 04.05.2016
4.
Ich bin ein Fan von Musks Kreativität und Progressivität, aber wer sich eins von seinen Autos leisten kann braucht nun wirklich keinen Zuschuss mehr.
Bueckstueck 04.05.2016
5. Und wenn schon
Es gibt keine Verpflichtung Luxus Stromer zu subventionieren. Das meiste Geld wird eh nach Japan fliessen, da auch die deutschen Hersteller nur wenig attraktive Modelle am Start haben. In Wahrheit stehen die Deutschen Hersteller am schlechtesten da. Die Teslas verkaufen sich ja vergleichsweise wie geschnitten Brot, es gibt also wenig Anlass zu weinen.
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