Kei-Cars in Japan Im Reich der Auto-Zwerge

Die kleinen Kei-Cars sind in Japan eine große Nummer. Mit Minimotor und winzigen Abmessungen könnten sie auch europäische Großstädte und das Klima erfreuen - wären da nicht ein paar Hindernisse.

Thomas Geiger

Aus Tokio berichtet Thomas Geiger


Alle Welt giert nach gigantischen Geländewagen. Alle Welt? Nein - ein paar japanische Metropolen leisten dem SUV-Trend erbitterten Widerstand. Wer sich im Zentrum von Tokio, Osaka oder Hiroshima bewegt, begegnet dort statt riesigen Pseudogeländewagen lauter Autos, die aussehen, als wären sie geschrumpft worden: sogenannte Kei-Cars - Kleinstwagen mit Mini-Abmessungen und Mini-Motörchen.

Während man im Rest der Welt die automobilen Winzlinge höchstens belächeln würde, sind sie in den japanischen Großstädten oftmals die einzige Möglichkeit, überhaupt mobil zu sein. Erstens, weil nicht nur der Besitz, sondern auch der Unterhalt und vor allem der Unterstand halbwegs bezahlbar sind. Und zweitens, weil es selbst in geschäftigen und modernen Zentrumslagen wie um die Prachtstraße Ghinza in Tokio genügend Gassen gibt, die so schmal sind, dass man mit einem normalen Auto überhaupt nicht durchkommt.

Luxusausstattung im Kleinstwagen

In weiten Teilen der Bevölkerung sind die Kei-Cars als vollwertige Autos akzeptiert. Oft sind sie ausgestattet wie Luxuslimousinen: Vorhang-Airbags oder ESP sind mittlerweile Standard, Extras wie die Klimaautomatik, Lederpolster oder Navi-Monitore im Heimkino-Format keine Seltenheit. Von elektrischen Schiebetüren und variablen Sitzlandschaften ganz zu schweigen.

Die Kategorie der Kei-Cars ist im Übrigen keine neue Erscheinung und auch keine Reaktion auf Klimawandel und Urbanisierung. Stattdessen folgt sie in gewisser Weise japanischer Tradition: Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg schon führte die Regierung das sogenannte Kei-Ji-Dou-Sya, das Leichtbauauto, ein. Damals ging es vor allem um eine Art der Wirtschaftsförderung und darum, dass auch weniger vermögende Japaner von zwei auf vier Räder aufsteigen können sollten.

Bei 64 PS ist Schluss

Heute dürfen diese Autos in der aktuellen Version des Gesetzes nicht länger als 3,40 Meter sein, eine Breite von 1,48 Metern nicht übertreffen, nicht mehr Hubraum als 660 Kubikzentimeter haben und nicht mehr leisten als 64 PS. Autos, die diese Kriterien erfüllen, erhalten eine Steuervergünstigung, man zahlt für sie weniger Maut auf den Stadtautobahnen und den Schnellstraßen draußen im Land, die Parkgebühren sind geringer und in vielen Städten muss man für ein Kei-Car keinen eigenen Stellplatz nachweisen, um das Auto zugelassen zu bekommen.

Diese Form von Fordern und Fördern kommt offenbar an. Die an einem speziellen Nummernschild zu erkennenden Kei-Cars machen längst einen gewaltigen Teil des Automarktes aus: 2016 zum Beispiel waren über 30 Millionen Minis in Japan registriert, was knapp 40 Prozent des gesamten Fahrzeugbestands entspricht, aktuell liegt ihr Verkaufsanteil auf einem ähnlichen Niveau.

Daihatsu Copen: Roaster im Bonsai-Format
Thomas Geiger

Daihatsu Copen: Roaster im Bonsai-Format

Keine andere Autokategorie verkauft sich so gut

Auch das meistverkaufte Auto in Japan ist deshalb kein klassischer Pkw, sondern ein Kei-Car. Während der Toyota Prius nämlich als angeblicher Bestseller im ersten Halbjahr 2019 auf rund 70.000 Zulassungen kommt, hat der Honda N-Box als erfolgreichstes Kei-Car im gleichen Zeitraum über 130.000 Kunden gefunden. Und auch die nächsten drei Kei-Cars auf der Bestsellerliste, der Suzuki Spacia, der Daihatsu Tant und der Nissan Days liegen noch vor dem Prius.

Angesichts des großen Volumens hat sich für die Kei-Cars längst ein Markt im Markt entwickelt, der etliche Nischen bedient. Zwar geht es bei den meisten Kei-Cars um maximale Raumausnutzung. Die bestverkauften Modelle sind deswegen Micro-Vans mit nahezu senkrechten Seitenwänden, großen Schiebetüren und allenfalls einem kleinen Stupsnäschen als Motorhaube. Doch neben diesen rollenden Schuhschachteln gibt es auch alle anderen Spielarten des Karosseriebaus: sportliche Roadster, Limousine - sogar Geländewagen im Winz-Format.

Nur zwei Marken sind nicht vertreten

Entsprechend viel Raum nehmen die Minis auch auf der Motorshow in Tokio ein - und entsprechend bunt und verspielt ist das Ausstellungsprogramm, das hier in der Bildergalerie zusammengefasst ist.

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Fotostrecke: Quadratisch, praktisch, Superstars

Nicht Studien wie der Lexus LF30 oder die nächste Generation des Toyota Mirai, sondern Spielzeugautos wie der Suzuki Waku oder der neue Daihatsu Copen sind die heimlichen Stars der Show. Nur zwei japanische Marken machen da nicht mit: Mazda, ohnehin immer nur mit Lizenzprodukten zumeist von Suzuki im Kei-Car-Markt vertreten, hat sich vor einigen Jahren aus diesem Segment ganz zurückgezogen und Toyota überlässt das Geschäft lieber der Schwestermarke Daihatsu.

Angesichts immer vollerer Innenstädte und immer dickerer Luft wären die Kei-Cars womöglich auch eine Lösung für die Verkehrsprobleme außerhalb Japans. Doch so richtig erfolgreich lassen sich diese Winzlinge im Rest der Welt offenbar nicht etablieren. Zumal sie dafür nicht nur andere Crash- und Schadstoffnormen erfüllen, sondern für den Einsatz im Rechtsverkehr auch auf Linkslenker umgebaut werden müssten - und das sind Investitionen, die Nissan, Suzuki und Co. angesichts der niedrigen Stückzahlerwartungen offenbar scheuen. Nicht umsonst zum Beispiel hat sich Daihatsu mit seinem Mini-Coupé Copen auch aus diesem Grund komplett vom europäischen Markt zurückgezogen.

Ganz müssen die Europäer trotzdem nicht auf die Kei-Cars verzichten. Vor allem über den englischen Markt gelangen immer mal wieder Grauimporte auf den Kontinent und zumindest der Suzuki Jimny wird bei uns ja ganz offiziell angeboten. Allerdings hätte die europäische Version daheim in Japan keine Chance: Um den Europäern den Winzling überhaupt schmackhaft zu machen, wurde ihm ein neuer Vierzylindermotor eingepflanzt. Bei uns mit 1,5-Litern für die meisten SUV-Fahrer noch immer ein Winzling, ist der für Japan wieder schon viel zu groß.



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herjemine 28.10.2019
1. An das Bundesverkehrsministerium! An die Bundesregierung! An die EU!
Sofort nachmachen bitte! Gesetzliche Regelungen veranlassen, am besten schon ab 2021 (ich weiss, sehr ambitioniert, aber es geht wenn Ihr mal den Finger aus dem A... nehmt) und her mit den Kei-Cars! Namensvorschlag für Europa: Mi-aus.
tommit 28.10.2019
2. JAa es macht SInn
dann doppelt so viele Autos fahren zu haben.... weil nur halb soviel reingeht... dafür aber mit denselben Abgaswerten ca 150 gCO2/km. . Das nenn ich dann mal eine Insellösung .. Da liesst man in Handelszeitungen folgendes: Japan ist auch nach dreissig Jahren niedrigen Wachstums, niedriger Zinsen und niedriger Inflation noch ein reiches Land. Wow dann haben wir ja auch noch eine Weile ... bis wir es geschafft haben aus 40 Mio 80 Mio Autos zu machen.
felisconcolor 28.10.2019
3. Hey
es gibt tatsächlich mal einen Artikel über Kei Cars. Hat ja auch nur eine gefühlte Ewigkeit gedauert. Ich fand diese Klasse Autos schon vor meinem Japan Aufenthalt faszinierend. Quadratisch, praktisch, gut. Und das sage ich als SUV Fahrer. Wirklich schade das der Daihatsu copen nicht nach Europa kommt. Aber diese Klasse Autos könnte auch dem geplagten Städter das Auto wieder schmackhaft machen. Und die praktischen Micro Vans wären sogar Familien tauglich. Das wäre eine Herausforderung für unser Verkehrsministerium. Wobei es diese Klasse Fahrzeuge im Grunde hier schon gibt. Nennt sich up, citigo, C1, 108, smart for two und und und. Während allerdings hier solche Kleinstwagen mit billigem Plastik vollgepackt sind und den Charme einer Tupperdose versprühen, sind richtige Kei cars wirklich üppig ausgestattet. Hier von den Fahrzeugherstellern eher eine Handreiche für die Ökofraktion, dort ein fest etabliertes Fahrzeugsegment welches auch hohen Ansprüchen genügen muss. Und auch hier in Europa gibt es ein dickes Aber. Sie werden behandelt wie große Autos. Steuervergünstigungen? Halt so wie bei anderen Fahrzeugen oder eben nicht. Vergünstigte Parkplätze? Wo käme man denn als Kommune da hin. Und und und. Und den Grund bei den Japanern wegen dem Umbau auf Linkslenker kann ich irgendwie nicht gelten lassen. Denn gerade Daihatsu hat auf diesem Markt genügend Fahrzeuge in Kleinformat. Da bräuchte man nur in die Teilekiste greifen. Also los liebe Regierung, zeigt mal Kreativität. Und für den ein oder anderen wäre das sicher auch die Matchboxsammlung in groß. Haben will
michaelXXLF 28.10.2019
4. Viel zu vernünftig!
Zu klein und verbrauchen viel zu wenig Sprit. Wer soll das bitteschön in Deutschland kaufen? Damit beeindruckt man doch niemanden.
kiwi.pro 28.10.2019
5. Vorurteil
und da wird immer behauptet asiatische Männer wären schlechter ausgestattet. Falls das wahr ist, müssen sie es offensichtlich nicht wie hierzulande durch große und starke Autos kompensieren.
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