"Keine Krebsgefahr" Autobauer lehnen Rußfilter ab

Die Automobilbranche hat einen serienmäßigen Einbau von Rußfiltern in Dieselfahrzeuge abgelehnt. Mit seiner Forderung nach einem Filterzwang würde Bundesumweltminister Jürgen Trittin der Umwelt keinen Gefallen tun.


Saarbrücken - Der Geschäftsführer des Verbands der Automobil-Industrie (VDA), Gunter Zimmermeyer, sagte im Saarländischen Rundfunk, Rußfilter seien kontraproduktiv. "Wir würden durch das Nachschalten solcher Einrichtungen den Abgas-Gegendruck erhöhen - und damit auch den Kraftstoffverbrauch."

Zimmermeyer erklärte, damit sich am Filter kein Pfropfen aus Ruß bilde, müssten die Partikel kontinuierlich verbrannt werden. Hierzu sei eine höhere Temperatur notwendig.

Es sei aber gerade die Zielsetzung des Dieselmotors, den Kraftstoffverbrauch und damit die Kohlendioxid-Emissionen zu senken. Beim Einbau von Rußfiltern käme es zu einem "umweltpolitischen Zielkonflikt, den Herr Trittin wahrscheinlich als Allerletzter haben will", meinte der VDA-Geschäftsführer.

Allerdings: Die Autoindustrie werde auf jeden Fall die ab 2005 in der EU geltende Pflicht zum Einbau von Rußfiltern in Lastwagen erfüllen, sagte Zimmermeyer. Sie werde außerdem die Motoren so verbessern, dass Partikel erst gar nicht entstünden. Nur für größere Personenwagen, bei denen die "extrem niedrigen und anspruchsvollen Grenzwerte für Partikel" nicht zu erreichen seien, werde die Industrie Partikelfilter entwickeln.

Dagegen unterstützte der umweltorientierte Verkehrsclub Deutschland (VCD) Trittins Forderung. Gerd Lottsiepen vom VCD sagte im Saarländischen Rundfunk, bisher habe die Autoindustrie nur erreicht, dass die Rußpartikel bei Dieselfahrzeugen immer kleiner wurden.

Dies sei wahrscheinlich viel gesundheitsschädlicher als früher, weil sie nun in die tiefsten Verästelungen des Körpers eindringen könnten. "Deshalb ist es unheimlich wichtig, dass dieser Filter eingeführt wird. Wir haben dadurch 2000 Krebstote weniger pro Jahr."

Trittin hatte erklärt, mit dem Einbau von Rußfiltern ließe sich das Lungenkrebsrisiko um 90 Prozent senken. Die Automobilbranche hielt dagegen, diese Aussage sei wissenschaftlich nicht mehr haltbar.

Auch dass mehr feinste Rußpartikel aus Abgasen in die Umwelt gelangten, treffe nicht zu, sagte Zimmermeyer. Durch den höheren Einspritzdruck sei keine Verfeinerung der Partikel, sondern eine "Reduzierung der Partikelmasse" erreicht worden.



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